Ausstellungsbesprechungen

Marcello Morandini – Bianco e Nero

Nach dem sehr erfolgreichen Start des Museums im vergangenen Jahr ordnete die Sammlung Ritter neu, mit einer Auswahl von über 60 Exponaten. Im Zentrum dieses »Bildertauschs« steht die konstruktiv-konkrete Richtung der Kunst seit den 1920er Jahren, wobei der Gegenwart ein starkes Gewicht zukommt.

Dazu kommt eine Werkschau des Designers, Architekten und freien Künstlers Marcello Morandinis (geb. 1940), der bevorzugt in Schwarzweiß arbeitet und sich gut in die Hauptausstellung einfügt. Dass das Quadrat auch bei ihm eine wichtige Rolle spielt, ist dem Anliegen der Sammlung geschuldet, wichtiger ist jedoch, dass Morandini seine Arbeit mathematischen Regeln unterwirft.

Die Schau präsentiert Arbeiten Morandinis aus den letzten drei Jahren, wobei die Palette von rosenthal-glatter Designerperfektion bis zu gribbelnd-tiefgründiger Minimalistenästhetik reicht. Die Bausteine sind oft quadratisch, das liegt nicht nur daran, dass Morandini hier ausstellt, sondern speziell daran, dass so manche Arbeit sogar für dieses Haus entstanden ist. Allerdings liegt das Wesen dieser Kunst in der Zahl, d.h. in der Mathematisierung der Kunst und zudem in der Beschränkung auf die (Nicht-)Farben Weiß und Schwarz, die für den Künstler literarische Qualitäten haben – sieht er darin doch eine Analogie zur schwarzen Schrift auf weißem Papier. »Das Schwarz erzählt viele unterschiedliche Geschichten und erzeugt Emotionen. Schriftsteller können ganz bunte und farbenfrohe Geschichten erzählen, ohne Farbe zu benutzen. Mit meiner Kunst verhält es sich ganz ähnlich.«

Gradlinig erzählt Morandini seine Geschichten, d.h. er intoniert in einer Art Sprechgesang Klangbilder, denn seine Festlegung auf die konstruktivistische Position verneint ja das anekdotische Element zugunsten einer konkreten Poesie, die dem Musikalischen verwandter ist als der Sprache. Im Spiel mit der Form, sprich der Konzentration auf das Quadrat, die Raute, das Rechteck gelingen dem Künstler lebensbejahende Aussagen, die ihre Buntheit – so mag man phantasieren bzw. fabulieren – im Innern des Betrachters entstehen lassen. Denn nirgends lässt das Schwarz im Werk Morandinis den Hauch existenzieller Enge zu. Das mag dem einen oder anderen zu wenig sein, doch insgesamt fügt sich das Oeuvre mit den im Obergeschoss des Museums versammelten Arbeiten des Ritter-Museums – die an Farbigkeit und Vielfältigkeit nichts zu wünschen übrig lassen – zu einem genussvollen Bild.

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Und zu leicht darf man es sich in der Bewertung freilich auch nicht machen. »Ich denke«, so Morandini in dem im Katalog abgedruckten Interview, »in der Geometrie liegt unsere Freiheit. […] für mich ist die Geometrie das richtige Mittel, um das eigene Leben und dessen Entwicklung unter Kontrolle zu haben.«

Das Museum blickt in diesem Herbst auf sein erstes Jahr zurück. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Die rund 600 hauseigenen Werke sind quadratisch, mehr oder weniger praktisch, aber trotz der durchaus kuriosen formalen Vorgabe erstaunlich gut. Über 90000 Menschen haben in diesem Jahr den spektakulären Dudler-Bau und die präsentierten Bilder angesehen. Am 23. September wird deshalb gefeiert – von 15 bis 2 Uhr (und das bei freiem Eintritt, wie es heißt). Neben Musikschmankerln gibt es Gegrilltes und Führungen durch die Ausstellung, immerhin bis 22 Uhr.

 

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Öffnungszeiten
Di–So 11–18 Uhr