Ausstellungsbesprechungen

Max Beckmann. Ausstellungstrilogie

Ein Maler mit Humor? – Neue Facetten im Werk Max Beckmanns. Neue Forschungsansätze bieten möchte der Ausstellungsdreiklang, den die großen Frankfurter Kunstmuseen Schirn, Städel und MMK ab Anfang März dem Expressionisten Max Beckmann widmen. Wurden die Ölbilder und Zeichnungen in den letzten Jahrzehnten der Beckmann-Forschung intensiv untersucht, so blieben die Aquarelle und Pastelle bisher nahezu blinde Flecken innerhalb seines Œuvres des mit Frankfurt eng verbundenen Künstlers.

Von 1925 bis 1933 amtierte der seit 1917 in der Mainmetropole lebende Beckmann als Direktor der Städelschule – somit war Frankfurt die Stadt, in der er die längste Zeit seines Lebens verbrachte.

 

Humor und Heiterkeit im Werke Beckmanns nachzuspüren, ist der Ansatz von Schirndirektor Max Hollein und den beiden Kuratoren Mayen Beckmann – Enkelin des Malers – und Siegfried Gohr mit der Ausstellung „Max Beckmann. Die Aquarelle und Pastelle“, aus deren Anlass auch das erste Werkverzeichnis dieses Œuvre-Komplexes erscheint. Hingegen zeigt „Maler-Graphik in Schwarz“ im Städel, das sich überwiegend mit der bisher weniger beachteten ganz frühen Druckgraphik Max Beckmanns bis 1914 beschäftigt, gewohnt ernste Sujets und stellt Parallelen zwischen diesen Arbeiten und denen anderer Künstlerkollegen her. Ab Ende des Monats konfrontiert dann das Museum für Moderne Kunst Beckmanns Lithographienzyklus „Apokalypse“ mit neuen Arbeiten von Thomas Demand.

 

Neben den Illustrationen zum Orpheus-Mythos „Eurydikes Wiederkehr“ zeigt das Städel überwiegend Einzelblätter wie Alltagsbilder der Großstadt, Aktdarstellungen und biblische Szenen. Im Vergleich zu den versammelten Vorläufern und Zeitgenossen wie Daumier, Manet, Goya und Delacroix vermittelt sich die überzeugende Qualität seiner frühen Druckgraphik. In den zunächst entstehenden Kreidelithographien richtet sich Beckmanns Interesse auf die dramatische Inszenierung von Licht und Schatten sowie die Bewältigung der räumlichen Weite. Ab 1912 wendet sich der Künstler dann zunehmend der Radierung zu.

 

Während es im Wesen der schwarz-weißen Druckgraphik liegen mag, düster, schwer und dramatisch zu wirken, so bringt es die leichtere Farbigkeit der Aquarelle häufig mit sich, mit Heiterkeit und Frische assoziiert zu werden. Doch auch den Kuratoren, die den für Beckmann so neuen Aspekt des Humors gegenüber der Presse wortreich betonen, will diese Charakterisierung nicht ganz fließend über die Lippen kommen; lieber spricht Siegfried Gohr über einen „privaten Beckmann mit einem Spritzer Humor“, dem man in der Schirn begegnen könne. Zur Untermauerung der Humor-These zeigt der erste Ausstellungsraum einige persönliche Super-8-Filme, in denen ein entspannter Max Beckmann beim Tennisspielen, Skifahren oder Herumalbern mit seiner Frau zu sehen ist.

 

Mögen die nachfolgenden Aquarelle und Pastelle auch Neues vorbereiten, spontaner und experimentierfreudiger als seine Arbeiten in Öl sein, so zeigen die meisten doch weder in ihrer gedämpften Farbigkeit, noch in ihren Sujets wirklich einen heiteren, fröhlichen Menschen. Beckmann tritt dem Betrachter gegenüber, wie er ihm auch in seinen anderen Arbeiten begegnet, als jemand der sich intensiv mit den Greueln der Geschichte und der menschlichen Existenz in all ihren Facetten auseinander setzt.

 

Erscheint die These des in den Aquarellen hervortretenden humorvollen Max Beckmanns zwar als etwas erzwungen, so gebührt den Kuratoren doch der Verdienst, in den vergangenen zehn Jahren das Werkverzeichnis dieses bisher wenig beachteten Œuvres erfasst und die Aquarelle und Pastelle so umfassend zusammen gebracht zu haben. Diese Sisyphusarbeit, die viel Recherche in Archiven erforderte, konnte auch dank der großzügigen Unterstützung der Deutschen Bank realisiert werden. Max Hollein ließ den Kuratoren finanziell freie Hand, um die Leihgaben aus aller Welt nach Frankfurt zu holen. Lediglich die Festlegung des Ausstellungs-Termins setzte dem Forschergeist Grenzen – sonst hätten Mayen Beckmann und Siegfried Gohr ihrer eigenen Aussage nach sicherlich noch weitere zehn Jahre diesem Werkkomplex des Expressionisten nachgespürt.

 

Flankiert werden die Ausstellungen – neben Führungen mit ausgewiesenen Beckmann-Experten wie den Kuratoren und verschiedenen Sammlern sowie weiteren museumspädagogischen Angeboten – von einem Symposium mit Vertretern der Beckmann-Forschung, dass sich sowohl an die Fachwelt als auch an interessierte Laien wendet.