Ausstellungsbesprechungen

Op Art.

Ausgerechnet die Op Art, die sich schon dem Namen nach, augenfällig sozusagen, dem optischen Reiz verschrieben hat, erscheint vorwiegend schwarzweiß. Kindheitserinnerungen, Schwarzweißfernsehen und doch auch Aufbruchstimmung, als Hauch von Befreiung, von was auch immer.

In der Frankfurter Schirn wird eine Kunstbewegung lebendig, die fast schon in Vergessenheit geraten ist, im Gegensatz zu dem Stil, der im Gegenzug erst die Bezeichnung eingab: zur Pop Art. Die kam knallig daher, krempelte die Kunstszene komplett um, sie kam in Schwingungen, von denen eine das »P« aus dem Namen nahm. Übrig blieb jene flimmrig-schöne, bewegungshörige Kunst, die die 60er Jahre als »Optical Art« bestimmte. Freilich, sie lebte unter- und manchmal sogar vordergründig weiter, Vasarely & Co. imponierten von jeher, vor allem durch ihre optischen Täuschungen heimsten sie Beifall ein.

Aber die Strömung an sich wurde aus den Augen verloren, und so darf man entzückt sein, wenn die Schirn Kunsthalle in Frankfurt eine groß angelegte Gesamtschau zur Op Art präsentiert, die uns mit über 50 Künstlern 40 Jahre in die Vergangenheit entführt, und uns zugleich die Gegenwärtigkeit des optisch verführerischen Stils spüren lässt.

Mit Neonröhren und Bewegungsmotoren rückten die Op-Art-Künstler ihrer Umgebung zu Leibe, Spiegel beförderten das Gesehene in andere Dimensionen. Und die Dimension vergrößerte sich auch geografisch: Die Bewegung machte vor keinen Grenzen Halt, eroberte Europa, die USA, überflutete Südamerika und drang nach Osteuropa vor. Denn eines hatte diese der Optik verpflichtete Kunst anderen Stilen voraus – sie ließ sich, der Musik vergleichbar, traditionsunabhängig und primärreizbetont überall verstehen, und sei es als Plastik oder Installation, als Gemälde oder als Grafik.

Was die Rauminszenierung angeht, schrieb die Op Art Geschichte: noch nie hatte der Raum eine so faszinierende Umsetzung erfahren, wurde er so spielerisch erweitert – es war die Zeit der Revolution in den Köpfen der Kunstmacher und der Betrachter, die zum Teil auch Hand anlegen konnten, um die Kunst in Bewegung zu setzen, um in schwindelerregende Gefilde zu gelangen.

Die Schirn macht das schon im Eingangsbereich deutlich: Hier hängt man die Statik an den Garderobenhaken, in dieser Ausstellung ist alles im Fluss. Da wundert es einen schon, dass man lange nichts mehr mitbekam von der optischen Kunst, die Ende der 60er Jahre ging, wie sie an deren Anfang gekommen war. Dass sie nun in einer aufregenden Schau wieder lebendig wurde, ist erfreulich – sie wird nun im Gedächtnis bleiben…
 

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… und mit ihr die Protagonisten: Yaacov Agam, Getulio Alviani, Giovanni Anceschi, Richard Anuszkiewicz, Marina Apollonio, Alberto Biasi, Hartmut Böhm, Davide Boriani, Martha Boto, Pol Bury, Gianni Colombo, Toni Costa, Franco Costalonga, Carlos Cruz-Diez, Bill Culbert, Dadamaino, Hugo Demarco, Gabriele Devecchi, Milan Dobeš, Günter Dohr, Angel Duarte, Günter Fruhtrunk, Horacio García Rossi, Hermann Goepfert, Gerhard von Graevenitz, Franco Grignani, Gruppo MID, Gruppo N, Edoardo Landi, Julio Le Parc, Wolfgang Ludwig, Adolf Luther, Heinz Mack, Enzo Mari, Almir Mavignier, Christian Megert, François Morellet, Helga Philipp, Otto Piene, Bridget Riley, Paolo Scheggi, Nicolas Schöffer, Francisco Sobrino, Jesús Rafael Soto, Joël Stein, Zdenìk Sýkora, Luis Tomasello, Günther Uecker, Gregorio Vardanega, Grazia Varisco, Victor Vasarely, Ludwig Wilding, Yvaral, Walter Zehringer.

 

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
Dienstag, Freitag-Sonntag 10 – 19 Uhr
Mittwoch, Donnerstag 10 – 22 Uhr