Ausstellungsbesprechungen

Pentzek, Roswitha und Dieter – Bilder für den Fluss

Die Stadtgalerie Osnabrück ist einer der Schauplätze, an denen die grenzüberschreitende Kunstaktion „Bilder für den Fluss“ stattfindet. Das Meller Künstlerpaar Roswitha und Dieter Pentzek stellt dort einige Druckgraphiken und sechs 2,50 x 1,85 m große Gemälde aus, die noch einen langen Weg vor sich haben.

Bei den Bildern handelt es sich um Beiträge zu verschiedenen Ausstellungen, die das Paar in den vergangenen 20 Jahren bestückt hatte. Nach Beendigung der Ausstellungen kehrten die Bilder in das heimatliche Lager und Wohnhaus zurück, wo sie - mit Dieters Kreativenergie und Roswithas Konzeptenergie aufgeladen - herumstanden und keine Aufgabe mehr hatten, was den Maler Dieter sehr betrübte. Doch Roswitha schlug vor, die Bilder in den Fluss zu werfen, auf dass sich etwas bewege. Was zunächst nur scherzhaft gemeint war, wurde bald zum umfassenden Projekt.

Zusammen mit sechs weiteren großformatigen Bildern, die zur Zeit in der Alten Posthalterei in Melle zu sehen sind, gehen die sechs großen Gemälden aus der Stadtgalerie auf einen „Jakobsweg der Kunst“. Im Spätsommer dieses Jahres werden sie zuerst nach Jekabpils (Jakobsburg), der lettischen Partnerstadt von Melle verbracht. Von dort reisen sie weiter nach Daugavpils, wo sie im Fluss Daugava zu Wasser gelassen werden. Auf dem Fluss treiben sie in Richtung Riga, vorbei an Jekabpils bis zur KZ-Gedenkstätte bei Salaspils. Mit der Auswahl dieses Weges will das Paar an die Schicksale der Bielefelder und Osnabrücker Juden erinnern, die in Salaspils umkamen. 

Die Malereien werden auf ihrem Weg von den Künstlern begleitet, die ihnen den Weg ebnen. Sie werden die Werke nicht vor der Zerstörung bewahren, sondern sie der Energie des Flusses überantworten. Die vom Wasser „mitgenommenen“ Bilder (oder was von ihnen übrig bleibt) werden vermutlich in einer Feuerplastik enden. Der Künstler übergibt das Werk seiner Hände in die Gewalt der Elemente und schafft sich selbst dadurch Freiraum für Neues.

Wer die Variationen zu Dürer, Grünewald und Pontormo noch sehen möchte, kann sie in dieser Form nur noch bis zum 30. April 2006 in der Stadtgalerie erleben, bevor sie auf ihre letzte Reise gehen.

 

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Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag 15 – 20 Uhr
Samstag 11 – 20 Uhr
Sonntag 11 – 19 Uhr
Montag geschlossen

Eintritt frei