Ausstellungsbesprechungen

Psychedelische Kunst der 60er Jahre: Summer of Love

Als Timothy Leary, Guru der US - amerikanischen Psychedelia - Bewegung, 1967 nach dem Einfluss von LSD (Acid) auf den Orgasmus befragt wurde, antwortete er, man könne ihn nicht beschreiben, weil er vollkommen anders sei als das, was Menschen bisher erlebt haben. Damals nahm die Love Generation ihren Ausgangspunkt in Haigh–Ashbury.

Dieser berüchtigte Vorort von San Francisco wurde  bald zum Wallfahrtsort für Hippies, Flowerpower Children und Yippies aus USA, England, Deutschland und Indien. Rasch zog die Bewegung große Künstler in ihren Bann. Zum Beispiel  komponierten The Rolling Stones, Byrds und Beatles nunmehr aus der Erfahrung  ihrer eigenen  LSD–Trips heraus ihre Songs und  Alben für  stunden- und tagelange Sessions. Zum Höhepunkt wurde 1976 der Summer of Love in San Francisco. Tausende Fans berauschten sich an der Band  Charlatans von Panhandle. Damals ging der Stern von Jimi Hendrix auf. Diese Generation prägt Sprache. Geil wird zu einem ihrer bevorzugten Worte.

Bringen wir es auf den Punkt. Aus dem LSD-Rausch heraus erlebte Bewusstseinserweiterungen und sexuelle Enthemmungen sind das eigentliche, bisher noch immer hartnäckig verschwiegene Geheimnis der Psychedelia. Dieses „Sakrament seiner neuen Religion“ (Leary) konnte schwerlich Ausgangspunkt sein für  ernsthaftes kunstwissenschaftliches Interesse an der Aufarbeitung dieser Strömung. Dabei ist es 40 Jahre lang geblieben. Christoph Grunenberg, der die Ausstellung in Liverpool kuratierte,  erinnert die Zunft daher hartnäckig an die perfekte Säuberung, die sie mit der pop-, concept- und minimal art vorgenommen hat, um diese Stile von ihren Berührungen mit psychedelischer Kunst zu reinigen. Nur wenige Künstler haben den Aufstieg aus dem Schlick der Bewegung geschafft. Denn mit einer halben Millionen Fans ist sie beim Festival in Woodstock 1969 buchstäblich im Schlamm versackt. Bei Künstlern wie Andy Warhol, Nam June Paik, John Hamilton, Richard Lindner, Yoyoi Kusama u.a. wird kaum je auf deren Wurzeln zurückgegriffen, die ausnahmslos in der Gemeinschaft der Love-in und Be-in Sessions liegen. Scheinbar mühelos, aber einsam, sind sie in die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eingegangen. Waren all die anderen, die die Bewegung initiiert und getragen haben schlechter? Was fehlte ihnen bisher zur Revision unseres Urteils?

In Wien erfahren sie Genugtuung, die sie meines Erachtens längst verdient haben. Christoph Grunenberg, Direktor der Tate Liverpool, hat über Jahre Pionierarbeit geleistet. Gerald Matt übernahm die Ausstellung für die Kunsthalle in Wien. Vielleicht fiel ihm diese Entscheidung dafür leichter, weil er mit dem neuen Kapitel psychedelische Kunst in Österreich endlich Günter Brus, Otto Mühl, Weibel, Arnulf Rainer und Friedensreich Hundertwasser, den harmlosen unter ihnen, zu Höhepunkten der österreichischen Kunst der Sechziger hinaufstilisieren konnte.
 

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Die Ausstellung leistet viel mit der Rekonstruktion von Psychedelia. Und doch ist sie erst ein Anfang. Denn das meiste ist verschollen, befindet sich in Privatbesitz oder an Seitenplätzen. Präsentiert werden insgesamt über 500 Kunstwerke von 120 Künstlern (darunter 19 aus  Österreich). Es sind Werke aus Malerei, Grafik, Objekte, Lightshows, nachgebaute visuelle und akkustische Installationen, Filme, rare Erstausgaben der  Underground – Presse, zum Beispiel  „Oz“ aus der britischen Szene. Plattencover nehmen das psychedelische Design zuerst auf. Mode, Möbel und Architekturmodelle mit Zubehör wurden rekonstruiert. Die Exponate kommen aus den USA, England, Indien, Japan und Österreich.

Hauptrolle spielt jedoch das Plakat mit 200 Exemplaren. In San Francisco erstmals im modernen Siebdruckverfahren hergestellt, war es die erfolgreichste Erfindung der psychedelischen  Welt. Es folgen 200  Fotografien, 16 auf DVD übertragene Kurzfilme. Höhepunkte sind Jerry Abrams erste Lightshows, Andy Wharhol’ s berühmte Multi-mixed Diashow „Exploding Plastic Inevitable“ von 1966 mit Überlagerungen von Dias, Lightshow-, Film – Effekten und  Musik von der Band „The Velvet Underground“ und die Liquid- Lightshows von Joshua sowie  Nam June Pakes  Beatles Electronique.

Unter LSD Turning veränderten sich die Künste grundsätzlich. Amorphe schlierende Ornamente, Mandala-Symbole, mystische Zeichen, stroboskopische Prismen, Visionen und Gesichte treiben  Sinneserfahrungen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und überschreiten sie.  Eine bis mehrere „heiße“ Farben mit swinging Effekten heizen sich gegenseitig auf. Farbwolken mit synästhetischen Effekten und fernöstlichen Devotionalien sind Merkmale dieser Kunst, die den Summer of Love  1976 geprägt hat. Bereits 1972 war  die  Bewegung wie vom Erdboden verschwunden.

 

 

Weitere Informationen

 

Öffnungszeiten
tägl. 10 -19 Uhr, Do. 10 – 22 Uhr,

Begleitprogramm
Konzerte, Filme, Visual Lounge mit Performances, Lightshows, Ausstellungsgesprächen mit Zeitzeugen, Seminaren und workshops.

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