Ausstellungsbesprechungen

Susanne Kühn

Bäume, immer wieder Bäume – und kaum eine Hoffnung auf Waldesrauschen. Susanne Kühn, der man gelegentlich eine Nähe zur Romantik nachsagt, fühlt sich keineswegs in der Nachfolge von Caspar David Friedrich & Co.

Wenn auch die Zitate aus dieser Richtung wehen (in »Katjas Traum« steht eine Modellburg auf dem Tisch, Spielzeugpferde tauchen häufig auf usw.), krempelt Kühn das alte Weltbild, das sich zwischen Beschaulichkeit und Tiefgründigkeit definiert, gehörig um.

Es ist, als ob sie die phantastische Welt der Märchen und Zauberer in die Schablonenkunst einer Comic-Fiktion übertragen wollte, so werden wir Zeugen einer zumindest wundersamen Verwandlung in ein faszinierendes Ambiente. Und in dem bewegen sich offenkundig reale Figuren – Mimik, Gestik und Szenario verraten das porträthafte, möglicherweise von Fotos abgemalte Motiv der Protagonisten, besser gesagt Protagonistinnen.

Es sind vorwiegend Frauen, in Kühns Alter, die Vornamen im Titel lassen vermuten, dass es Freundinnen der Malerin sind. Sie sind mit alltäglicher Arbeit befasst: legen Tücher zusammen, schieben einen Vorhang beiseite, scheinen mit nicht sichtbaren Bekannten zu sprechen, meist mit einem Lächeln auf den Lippen, mütterlich in der Ausstrahlung (was wohl daher rührt, dass auch Kinder zuweilen auftreten oder auch nur stellvertretend das Spielzeug: Tierfiguren). Gerade diese Art der Beschäftigung gibt dem ganzen Bild etwas Unheimliches, Unergründliches, als wäre der Betrachter zwar eingeladen zu schauen, aber ausgegrenzt aus der Welt dieses schönen - bedrohlich schönen - Scheins.

Was das Werk so großartig macht ist, dass es, inhaltlich so nah am Kitsch, formal und technisch brillant mit Verfremdungen, Irritationen, Brüchen arbeitet. Hierin ist man leicht bei der Hand mit Zuordnungen in die Leipziger Schule. Tatsächlich stammt Susanne Kühn aus Leipzig, hat hier studiert, aber ein siebenjähriger USA-Aufenthalt der heute gerade mal 38-jährigen beweist zum einen: Leipzig ist überall, und zum anderen: Die reifsten Arbeiten der Leipziger entstehen außerhalb des engen Kreises der jungen Figurativen im Umfeld von Rink & Co.

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Die Freiburger Ausstellung ist denn auch quasi ein Debüt in Deutschland. Nachdem die Künstlerin nach Freiburg gezogen ist, hat der dortige Kunstverein die Chance genutzt, ihr eindrucksvolles, wenn auch in ihrem Heimatland weniger bekanntes Werk zu präsentieren.

Susanne Kühn versteht es meisterhaft, ihre Autobiografie in eine geheimnisvolle Welt zu stellen und dadurch ihren melancholischen Privatmythen Allgemeingültigkeit zu verleihen.

 

Weitere Informationen


Im Anschluss an die Ausstellung in Freiburg gehen die Arbeiten noch ans Museum of Contemporary Art in Denver (16.05.–7.12.2008)

Öffnungszeiten
täglich 12:00-18:00 Uhr
mittwochs bis 21:00 Uhr
montags geschlossen

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