Ausstellungsbesprechungen

Sylvie Fleury – Bronzes, Ausstellung in der Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg, bis 25. September 2010

In der gegenwärtigen Ausstellung »Sylvie Fleury – Bronzes« präsentiert die Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg sieben in den Jahren um 2000 entstandene Bronzen, die zu den populärsten Werken der Schweizer Künstlerin gerechnet werden dürfen. Ergänzt werden diese durch eine eigens für die Werkschau angefertigte Skulptur, drei neue Neonarbeiten sowie zwei aus dem Werkblock der »Mushrooms« stammende Arbeiten. Verena Paul hat die am Mirabellgarten gelegene Jugendstilvilla Kast, in der sich die Galerie Thaddaeus Ropac befindet, für PKG besucht.

Mit dem Namen Sylvie Fleury wird primär die Inszenierung von Glamour, Mode und Luxusartikeln assoziiert. Allerdings adaptiert die Künstlerin jene heiß begehrten Objekte keineswegs unreflektiert, sondern kommentiert in sehr subtiler Manier deren schönen Schein. Sie spielt mit den auf ihren Bronzen erstrahlenden Slogans und Logos international bekannter Marken und demaskiert so die Sehnsüchte der auf Oberflächlichkeit fokussierten Gesellschaft. Damit unterlegt sie ihren betörend glänzenden Objekten einen bitteren Beigeschmack, der bei intensiver Betrachtung nicht geleugnet werden kann. Indem ihre Bronzen die ephemere Ästhetik der Mode- und Werbewelt mit dem Prinzip des Lustgewinns verschmelzen, streifen sie – auf überraschende Weise – den Alltag ab und kleiden sich in einen geheimnisvollen, märchenhaften Mantel, der den Betrachter zum Reflektieren und Träumen animiert, ihn anlockt und zurückstößt, auf jeden Fall aber faszinierend umfängt.

Gleich im ersten Ausstellungsraum präsentiert sich uns der mehrfach lackierte, motorartige Fiberglaskörper, der an den Kult des Tunens von Sportwagen gemahnt. Auf einem Betonkubus positioniert, wird er von der blau erstrahlenden Neonarbeit »Yes to All« umrahmt, deren letternhaftes Lichtspiel sich bizarr in der auf Hochglanz polierten silbrigen Haut spiegelt. Auch im zweiten Raum, den der Besucher durch weit geöffnete Flügeltüren betritt, artikuliert sich die Klarlinigkeit der Werkpräsentation. Hier befindet sich die für die Ausstellung entwickelte Skulptur »White Gold«, die in ihrer Form auf die ikonische Birkin Bag von Hermès zurückgeht und bei der Fleury erstmals eine aus Palladium bestehende Oberfläche verwendet. Wie zufällig steht das Objekt auf dem Holzparkett und avanciert dennoch zu einem kleinen Star im Rampenlicht, der den Raum spannungsvoll auflädt, den Betrachter herausfordert, indem er ihn magisch anzieht, zugleich aber auf Distanz hält.

Im dritten Raum, dessen Fenster zum spätsommerlich blühenden Mirabellgarten weisen, stehen zentral die silbernen »Prada Boots« auf einem Betonsockel. In den hochhackigen, aus Schlangenleder bestehenden Stiefeln spiegelt sich die gelbe Neonarbeit »Yes to All«, die vom Ledermuster nicht nur reflektiert, sondern zugleich gebrochen wird. Fleury hat hier nicht einfach nur das Duchampsche »Ready Made« aufgegriffen, sondern ihm einen Zauber verliehen, der an das Volksmärchen vom Gestiefelten Kater denken lässt. Starr und kühl steht das Luxusgut vor uns und dennoch gelingt es ihm, den Betrachter in den Bann zu ziehen: ob nun durch die Erhebung auf einen Podest, den eigenartigen Glanz auf der Oberfläche, den Dialog mit der kraftvollen Neonarbeit oder durch die Reibungen mit dem eleganten Kontext, den die hohen Räume der Villa Kast bilden.

Im folgenden Raum haben die Ausstellungsmacher mit dem »Gucci Saddle«, der sich gleichfalls auf einem Betonblock befindet, ein Highlight in der Präsentation geschaffen. Denn der silberne Sattel, der das Gucci-Emblem deutlich zu erkennen gibt, weist durch die geöffnete Balkontür direkt auf die im Mirabellgarten befindliche Wasserfontäne. Dergestalt erfährt diese skulpturale Arbeit eine unglaubliche Dynamisierung, die auch beim Umkreisen nur gering reduziert wird.

Bevor wir zu den abschließenden beiden Räumen weitergehen, heißt es am Treppenaufgang noch einmal kurz innehalten und die beiden wie zufällig im Raum stehenden vergoldeten Bronzeleitern zu betrachten. Während die Rechte zusammengeklappt an der Wand angelehnt wurde, ist die Linke »auseinandergefaltet« im Raum präsentiert. Das Gebrauchsobjekt, das so oft bei handwerklicher Arbeit seinen Einsatz findet, wird von Sylvie Fleury seiner ursprünglichen Aufgabe enthoben und künstlerisch neu inszeniert und definiert. Ähnlich geschieht es auch mit der Arbeit »Evian« – einer verchromten Bronze, welche der Plastikflasche des bekannten Tafelwassers nachempfunden ist. Ein Gegenstand, dessen Gestalt wir im Alltag meist unbeachtet lassen und der nun eine doppelte Aufwertung erfährt, zum einen durch die silbern glänzende Haut sowie die Erhebung auf einen Sockel. Das gleiche geschieht mit dem links von der Tür positionierten »Vanity Case«.

Im abschließenden Raum präsentieren sich uns »Prada Shoes«, die von einer geradezu kindlichen Freude am silbernen Glanz zeugen. Wie die meisten Arbeiten hat auch dieses Luxusobjekt seinen Platz auf einem Betonblock gefunden. Dieser avanciert durch sein graues, stumpfes Äußeres besonders bei jenen zierlichen Damenschuhen mit hohem Keilabsatz – die nicht nur silbern erstrahlen, sondern auch die rot leuchtende Neonarbeit »Yes to All« in sich aufnehmen – zu einem spannenden Antipoden.

Eine hervorragend arrangierte Präsentation in den hellen, lichtdurchfluteten, hohen Räumen der Galerie Thaddaeus Ropac, die den aufregenden Bronzen Entfaltungsfreiheit gewähren, so dass die Funken zum Betrachter überspringen können. Sylvie Fleury spielt in ihren skulpturalen Werken mit Luxusartikeln, kommentiert sie kritisch und überzieht sie schließlich mit einer edlen Epidermis, die aber an keiner Stelle vergessen macht, dass es darunter gehörig brodelt. Oder aber die Künstlerin erhebt die banalsten Alltagsgegenstände zu glamourösen Kunstwerken, die den Betrachter zunächst irritieren und ihn schließlich zu einer neuen Annäherung auffordern. Fazit: Sprengsätzig, perspektivschärfend und mit Oberflächendynamik versehen, führen Fleurys Bronzen uns in ein hauchdünnes Zwischenreich, in dem Ästhetik von Luxusartikeln und menschliche Sehnsüchte verwoben sind – mein absolutes Ausstellungshighlight in diesem September!