Ausstellungsbesprechungen

Albert Renger-Patzsch - Industriefotografien für Schott, Glasmuseum Jena, bis 24. Februar 2012

Klein, aber fein, quasi ein Insidertipp, ist die Jenaer Ausstellung zu Albert Renger-Patzsch. In sachlich-präzisen Industriefotografien dokumentierte dieser in den 1930er und 1950er Jahren die Glasproduktion in den verschiedenen Schott-Werken. Rowena Fuß hat sich das Kleinod angesehen.

Es brodelt, es dampft, gleißend helles Licht strahlt aus dem Hochofen in die schwarze Fabrikhalle. Fasziniert steht der Betrachter vor einem Lehrfilm, der die Arbeits- und Produktionsprozesse bei der Glasherstellung um 1935 veranschaulicht.

Die einzelnen Schritte hat Albert Renger-Patzsch in seinen Fotografien dokumentiert. Ob Gemenge, Ausformen des Hafens, die Häfen im Ofen, den Guss der Schmelze für optisches Glas, das Zurechtschlagen des Glasbruchs für die Senköfen, das Füllen der Senkästen, die große mechanische Schleifscheibe, das Ausblasen eines großen Kolbens oder das Ansetzen der Schnaupe an die berühmte Wagenfeld-Teekanne, Renger-Patzsch's Aufnahmen sind allein dem Gegenstand verpflichtet.

Die Schau vereint in zwei Räumen 60 Originalabzüge des Fotografen, die zwischen 1936 und 1939 im Jenaer Glaswerk, ab 1954 im neuen Schott Hauptwerk Mainz und ab 1956 im Schott Tochterunternehmen in Grünenplan entstanden. Ziel der Aufnahmen ist es, ein modernes Unternehmen zu versinnbildlichen.

Fein abgestufte Lichtreflexionen in einem Handwagen voller Glasröhren oder sich verdichtende Lichtbrechungen in Glasbrocken auf einem Auswahltisch führen kongenial die Form der Gläser und die Art ihrer fotografischen Aufnahme zusammen. Sie beschworen die große Werbewirkung für Prospekt und Plakat und prägten für Jahrzehnte das Bild des Unternehmens Schott.

Neben dem Produkt galt die Aufmerksamkeit des Fotografen den Arbeitern. Die Jenaer Arbeiterbilder kennzeichnet eine gewisse Emphase im handwerklichen Geschick, wie etwa in der Aufnahme, die den Glasmacher Otto Heintz zeigt, der mit größter Konzentration und zugleich Ruhe einen großen Kolben ausbläst. Renger-Patzsch verzichtet zudem darauf, die Schweißperlen und Muskeln des hart arbeitenden Mannes in den Mittelpunkt zu rücken. Heitz wird dadurch zu einem Teil der Werkstatt, er bleibt anonym und wird nicht zum Helden des bürgerlichen Zeitalters stilisiert. Renger-Patzsch's Aufnahmen in der Mainzer Fabrik sind hingegen von einer zunehmenden Automatisierung der Arbeitsprozesse geprägt, deutlich in Fließbandaufnahmen von Backschüsseln oder in Grünenplan durch ein Foto aus der vollautomatischen Produktion von Brillenglaspresslingen.

Mit einer Aufnahme, die die Schott-Werke vom Jenaer Westbahnhof aus zeigt, macht der Fotograf auf die eminente Bedeutung der Werke für die Stadt aufmerksam. Ungewöhnlich ist die gewählte Fluchtperspektive. Sie bietet keinen Überblick über die Anlage und ihre Gebäude, sondern die Fabrik scheint sich endlos fortzusetzen.

Fazit: Wer die Magie des Hochofens spüren möchte und ein Faible für den zerbrechlichen Werkstoff Glas und Renger-Patzsch hat, dem sei die Jenaer Schau wärmstens empfohlen!