Ausstellungsbesprechungen

Andreas Wachter – Die Ausstellung

Die Leipziger Schule ist zum Zauberwörtchen geworden – doch ist es bei genauer Betrachtung nicht nur eine bloße Floskel des Marktes, sondern ein Phänomen: Neo Rauch, Tim Eitel, Matthias Weischer u.a. sind ja keineswegs die Initialfiguren einer Kunstbewegung.

Längst sind diese Künstler Teil der Leipziger Familie, die bereits einige Generationen auf dem Buckel hat (die Nesthäkchen werden grad flügge: etwa Miriam Vlaming, die zur Zeit eine große Ausstellung in Mannheim hat). Die Väter, Rink und Stelzmann, sind ins hintere Glied getreten (selbst Rauch, sozusagen ein Ersatzvater, hat mittlerweile einen Rückzieher gemacht), die Großväter – Heisig, Mattheuer, Tübke – sind teilweise schon Geschichte. Wären da nicht die Zeitläufte, hätte man gradlinige Verhältnisse. Aber da ist auch noch eine Art Zwischengeneration, zu der Andreas Wachter gehört: nicht ganz zehn Jahre älter als Neo Rauch, der in die Wendezeit hineinwächst, gehört Wachter noch in die DDR-Realität – Plakatmalerlehre, NVA (Nationale Volksarmee) und dann Studium bei Selzmann und bei Rink, der damals noch nicht das Renommee genoss wie zu Rauchs Zeit.

Heute ist Andreas Wachter als Melancholiker eher ein Einzelgänger unter den Leipziger Realisten, der seine fast unnahbaren Figuren in geheimnisvolle Landschaften stellt oder sie so ausspart, dass man sie in der letztlich doch gemachten Natur – sprich: im Park – vermisst, weil sie ein Pathos verströmen, das noch die Landschaften erfüllt. Die Arbeiten vermitteln eine Tiefe, die es seit der deutschen Romantik nicht mehr gab, und sind sogleich so irritierend, ja verstörend, dass man sie eher einem Sur-Realismus zuschlagen möchte, das heißt einem Realismus, der einem im Traum oder als Hirngespinst begegnet, gemischt mit einer raffinierten Lichtregie in der Tradition des italienischen Manierismus. Weniger bekannt ist das plastische Werk Wachters, vorwiegend Terrakotta-Büsten, die in der Überzeichnung noch über das gemalte Figurenpersonal bis an die Grenze zur Karikatur hinausgeht. Ihr scheinbar modellhafter Charakter entpuppt sich bei längerer Betrachtung als fertig, wofür schon die Bemalung spricht, zumal sie schon vom Material her fester »im Leben« stehen als ihre nebulösen Verwandten im Gemälde.

Andreas Wachter ging der dritten Generation der Leipziger Schule voraus und kam somit nicht in den Genuss der durchaus einträglichen Markthysterie. Das ist möglicherweise rein pekuniär gesehen ungerecht. Nun gehört Wachter allerdings zu den spannendsten Vertretern einer figurativen Malerei, die sich in einem unglaublichen Facettenreichtum über Deutschland, wenn nicht über Europa erstreckt hat. Der schmale Katalog zur Ausstellung Andreas Wachters mit zahlreichen Abbildungen und einem Text von Regina M Fischer ist über die Galerie zu beziehen.

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 14 - 19 Uhr,
Samstag 12 - 16 Uhr und nach Vereinbahrung