Ausstellungsbesprechungen

Buddhas Spur: Zeitgenössische Kunst aus Asien, Kunstmuseum Bochum, bis 13. November 2011

Ausstellungs-Endspurt im Bochumer Kunstmuseum. Die Austellung »Buddhas Spur« schließt in wenigen Tagen. Nutzen Sie die letzte Chance, um einen Einblick in die zeitgenössische Kunst Asiens zu erhaschen - Gegenwartskunst in Auseinandersetzung mit dem Buddhismus als Philosophie und Lebensentwurf. Günter Baumann hat sich die Ausstellung für Sie angesehen.

Buddhas Spur führt auch durch leibhaftigen Tofu, wenn es sein muss: Das ist nicht die hochwertigste, aber sicher die kühnste Überraschung der Bochumer Ausstellung zur zeitgenössischen Kunst aus Asien. Die 1980 in Taiwan geborene Videokünstlerin Charwei Tsai lebt und arbeitet nicht nur in Taipei, sondern auch in Paris und New York, dürfte also einen souveränen Blick auf die Kunst entwickelt haben, um sich ironisch über eine ganze Philosophie hinwegzusetzen. Andrerseits sind die mit schwarzer Tinte auf frischem Tofu geschriebenen Schriftzeichen zentralen buddhistischen Texten entnommen. Nach eigenem Bekunden stellt die Künstlerin ihre Kunst ganz unter das Zeichen der Spiritualität, besteht aber darauf, dass der Buddhismus weitaus progressiver sein darf, als es gemeinhin erwartet wird: So stellt sie im Zeitraffertempo recht drastisch die Vergänglichkeit der Materie dar. Als Träger ist ihr alles recht, was vergeht: am schönsten ist ihr Tintenkreis auf einem Eisblock – ein Zitat des klassischen runden Ensô-Zirkels des Priesters Rôran –, der notgedrungen schmilzt und den Kreis in Nichts zerfließen lässt.

Der Titel der Ausstellung, »Buddhas Spur«, bezieht sich auf den Fußabdruck des Religionsstifters, der mit dem symbolischen Steinrelief aus Gandhara gezeigt wird: Zeichen des zugleich An- wie Abwesenden. Die Kuratoren der Schau, Hans Günter Golinski (Kunstmuseum) und der bekennende Buddhist Willy Decker (Intendanz Ruhrtriennale), haben den elf Zeitgenossen klassische Beispiele buddhistischer Kunst an die Seite gestellt, darunter wunderbare Rollbilder (man denke an ein erfrischendes Porträt von Sengai Gibon). Von den Beiträgen des 20. und 21. Jahrhunderts ragt Nam June Paik, koreanischer Pionier der Videokunst, hervor. Kaum jemand ging so weit wie er und konfrontierte den meditativen Buddhismus mit dem Bildschirm als Vertreter des Massenmediums schlechthin. Neben einer TV-Buddha-Installation (»Ghandhi on Sunday«), die in gewohnter Weise mit den Kulturen samt den gegenseitigen Abhängigkeiten und Missverständnissen spielen, beeindruckt Paik auch mit einem angehackten Holzbrett, dessen Zerstörungsspuren gegen die aufgetragene Kalligrafie am Brettrand stehen.

Diese und andere Arbeiten in Bochum wollen verdeutlich, dass es keine Klosterkunst zu sehen gibt, sondern moderne Auseinandersetzungen mit jener religiös motivierten traditionellen Kunst. Es sind vorwiegend individualistische Haltungen, wie sie etwa im Werk des gläubigen Buddhisten Zhang Huan aus China (geb. 1965) ausgedrückt werden. Seine »Memory Doors«, die zu den faszinierendsten Exponaten in der Ausstellung gehören, gehen von persönlichen Erfahrungen aus, geben sich aber als kollektive Arbeiten, die sich in Objekten aus Fotos, Holzschnitzereien und Eisenelementen alltäglicher, privater und militärhistorischer Themen bedienen. Auch die Aschebilder überzeugen durch ihre meditativen Inspirationen: »Die Asche«, so wird Huan im außerordentlich informativen Katalog zitiert, »ist ein spirituelles Material … Wie ein Speicher enthält sie alle möglichen Träume und Segen, Hoffnungen und Wünsche«.

Die weiteren Künstler sind Montien Boonma (Thailand), Long-Bin Chen (Taiwan), Gonkar Gyatso (Tibet), Atta Kim (Korea), Kimsooja (Korea), Kamin Lertchaipraesert (Thailand), Takakazu Takeuchi (Japan) und Shen Chen (China). Man wird sich sicher die meisten Namen merken müssen. Die über 6000 Besucher sind ein Anzeichen für die respektable Aufmerksamkeit, die die Ausstellung bekommen hat, verdient hätte sie deutlich mehr.