Call for Papers

Call for Papers: Hofkünstler und Hofhandwerker in deutschsprachigen Residenzstädten des 16. bis 18. Jahrhunderts – Personen, Konflikte, Strukturen, vom 7. bis 9. Mai 2015 in Mainz

Das Landesmuseum Mainz will sich in seiner Tagung den Hofkünstlern im weitesten Sinne widmen und damit auch die am Hofe tätigen Handwerker in den Focus rücken. Ihre Verbindung zum Hof, aber auch zur Bürgerschaft ebenso wie die Arbeitsbedingungen der Handwerker sollen diskutiert werden. Dabei fragt das Landesmuseum vor allem nach alltäglichen Strukturen und Normen, denen ihre Arbeit unterworfen war. Einsendeschluss für Abstracts: 31. August 2014.

Die Tagung widmet sich dem Phänomen des „Hofkünstlers“, wobei dieser Begriff in einem weiten Sinne verstanden werden will und auch den „Hofhandwerker“ umfasst: Nicht nur Architekten, Bildhauer oder Maler, sondern auch Gärtner, Köche, Schlosser, Schneider, Schreiner oder Berufe wie Goldsticker oder Knopfmacher gehörten zu den Gewerben, die zur Versorgung einer Residenz mit Artefakten notwendig waren. Um eine Vergleichbarkeit der verschiedenen geistlichen und weltlichen Residenzen zu ermöglichen beschränkt sich die Tagung geografisch auf den alten deutschen Sprachraum. Der zeitliche Rahmen wird von der zunehmenden Konzentration der Residenzfunktionen auf jeweils einen Ort, die im 16. Jahrhundert begann, sich während des 17. Jahrhunderts vollzog und im 18. Jahrhundert gefestigt war sowie dem Ende des Alten Reiches begrenzt.

Dabei stellt sich in erster Linie die Frage nach der Form der Verbindung der Künstler bzw. Handwerker zum Hof: Beschäftigung gegen ein festes Gehalt, die Gewährung steuerlicher Privilegien („Hoffreiheit“) oder das (teils subventionierte) Monopol auf ein bestimmtes Produkt zeigen hier die Skala des vertraglich (mehr oder weniger eindeutig) Geregelten, bei dem möglicherweise die schriftlich fixierte Form im Gegensatz zur Praxis stand. Doch auch die Struktur und Geschichte höfischer Institutionen und die Einbindung der Künstler / Handwerker in diese wird zu betrachten sein: Wie ist beispielsweise ein Hofbauamt strukturiert, welche Befugnisse besaß sein Intendant und wie war die Stellung der Künstler / Handwerker innerhalb der Verwaltung?

Zu hinterfragen wird auch sein, ob der häufig betonte Gegensatz zwischen den in Zünften organisierten Künstlern bzw. Handwerkern und den für den Hof tätigen tatsächlich bestand; welche Konflikte aber auch Kooperationen sich zwischen den Zünften und den „bei Hofe“ arbeitenden entstanden. Wie war die soziale Stellung des Hofkünstlers / Hofhandwerkers innerhalb der Bürgerschaft einer Residenzstadt, wie innerhalb der Schicht höfischer Beamter und anderer Bediensteter (z. B. Musiker)?

Dabei sollen vorrangig Strukturen und Normalfälle, weniger die Ausnahmepersönlichkeiten bereits zu Lebzeiten gerühmter und gefeierter Künstler betrachtet werden, wie auch nicht nur die allseits bekannten großen Residenzen, sondern auch kleinere, seien es nun geistliche oder weltliche. Dies beinhaltet auch die Frage nach adligen Familien innerhalb einer Residenzstadt, die mitunter, ähnlich dem Landesherrn, ihre eigenen Künstler bzw. Handwerker beschäftigten. Genossen auch diese Privilegien und wie waren ihre Beschäftigungsformen verglichen mit den für den eigentlichen Hof tätigen Personen? Bei allen diesen Fragen sollen nicht allen die Produkte der Künstler und Handwerker im Vordergrund stehen, als vielmehr der Arbeitsbedingungen und künstlerischen Normen innerhalb eines höfischen Kunstbetriebes und ihre Reflexion in der materiellen wie ästhetischen Form der Produkte bzw. Artefakte. Hier wird auch nach den Aussagen und Empfehlungen theoretischer Schriften wie Architekturtraktaten oder kameralistischer Handbücher zu diesem Thema zu fragen sein.

Die Tagung versteht sich fachübergreifend, eine Beteiligung von Nachwuchswissenschaftlern ist sehr erwünscht.

Abstracts für bislang unpublizierte Beiträge (max. 2.000 Zeichen incl. Leerzeichen) können in deutscher oder englischer Sprache zusammen mit einem kurzen Lebenslauf und gegebenenfalls einer Auswahl einschlägiger Publikationen bis zum 31. August 2014 gesendet werden an Dr. Jens Fachbach M.A., E-Mail: fachbach@uni-trier.de

Die Veröffentlichung der Beiträge ist in der Reihe „artifex – Quellen und Studien zur Künstlersozialgeschichte“ (Michael Imhof Verlag, Petersberg) für 2015/16 vorgesehen.

Die Tagung ist eine Kooperation von Dr. Jens Fachbach (Universität Trier, DFG-Projekt „Edition der archivalischen Quellen der am kurtrierischen Hof von 1629 bis 1794 tätigen Hofkünstler / Hofhandwerker einschließlich der Untersuchung ihrer Kompetenzen und sozialen Stellung“), der Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke (Universität Trier) mit Univ.-Prof. Dr. Matthias Müller (Universität Mainz) und dem Akademieprojekt „Residenzstädte im Alten Reich (1300–1800) Urbanität im integrativen und konkurrierenden Beziehungsgefüge von Herrschaft und Gemeinde“, (Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen), und dem Landesmuseum Mainz (Direktorin Dr. Andrea Stockhammer), Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Veranstalter: Dr. Jens Fachbach, Univ.-Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke in Kooperation mit Univ.-Prof. Dr. Matthias Müller und dem Landesmuseum Mainz (Direktorin Dr. Andrea Stockhammer)

Kontakt / Bewerbungen:
Dr. Jens Fachbach M.A.
Universität Trier
Im Treff 23
D-54286 Trier
E-Mail: fachbach@uni-trier.de

Deadline: 31. August 2014

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English Version

The conference is dedicated to the phenomenon of the “court artist”; this term is to be understood in a wider sense and includes the “court craftsman” as well. Not only architects, sculptors and painters but also gardeners, cooks, metal workers, tailors, carpenters or professions such as gold embroiderers or button makers were among the occupations necessary to provide a residence with artefacts.

To enable a comparison of the different ecclesiastical and secular residences, the conference is limited to the old German-speaking realm. The time frame is restricted to the increasing concentration of the functions of the residence to one place, a concentration beginning in the 16th century, completed during the 17th century and strengthened in the 18th century and to the end of the Holy Roman Empire.

Thus the question will primarily be concerned with the form of the artist’s or craftsman’s connection to the court: occupation for a fixed wage, the granting of tax privileges (“Hoffreiheit/court freedom”) or the (partially subsidised) monopoly on a certain product indicate here the bandwidth of the contractually (more or less clearly) fixed regulations, although the written fixed form possibly stood in contrast to practice. But the conference will also consider the structure and history of court institutions and the integration of the artist / craftsman into them: how, for example, was the court building office organised; what authority did the administrator have or what was the position of the artist / craftsman within the administration?

The conference will also have to investigate whether the frequently emphasised contrast between the artists / craftsmen organised in guilds and those engaged by the court actually existed; what conflicts or cooperation arose between the guilds and those working “at court”? What was the social position of the court artist / court craftsman within the citizenry of a residence city, the position within the group of court civil servants or other employees (for example, musicians)?

In addition, the conference is to consider chiefly structures and normal situations, less the exceptional personalities of already famous artists celebrated during their lifetimes. In addition, it will consider not only the universally known large residences but also smaller ones, be they ecclesiastical or secular. This also encompasses the question of aristocratic families within a residence city who sometimes, like their rulers, engaged their own artists or craftsmen. Did these artists also enjoy privileges and how were their forms of occupation compared to those of the people employed by the court itself?

These questions will not be mainly concerned with the products of the artists and craftsmen but rather with the working conditions and artistic norms within a court artist’s studio and their reflection in the material and aesthetic form of their creations or artefacts. The conference will consider as well the statements and recommendations of theoretical writings such as architectural tracts or single-entry bookkeeping handbooks on this subject.
The conference is interdisciplinary; we most certainly encourage participation of young academics.

Abstracts for as yet unpublished articles (a maximum of 2,000 characters, including spaces) may be submitted together with a brief CV and a possible selection of relevant publications in German or English to Dr. Jens Fachbach (email: fachbach@uni-trier.de) by 31 August 2014.

Publication of the articles is planned for 2015/2016 in the series “artifex – Sources and Studies on the Social History of the Artist” (Michael Imhof, Publisher, Petersberg).

The conference is held in cooperation with Dr. Jens Fachbach (University of Trier), the German Research Foundation project “Edition of the archival sources referring to the court artists/court craftsmen working at the Trier Electoral court from 1629 to 1794, including an examination of their skills, responsibilities and social status”, the Trier Centre for the Social History of the Artist directed by Dr. Dr. Andreas Tacke, Professor (University of Trier), with Dr. Matthias Müller, Professor (University of Mainz), and the academy project “Residence Cities in the Holy Roman Empire (1300-1800). Urbanism in the integrative and competing interaction of ruling power and the community” (Göttingen Residences Commission of the Academy of Sciences) and the Landesmuseum Mainz (Curator Dr. Andrea Stockhammer), Directorate-General of Cultural Heritage in Rhineland-Palatinate.