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DGPh vergibt Otto-Steinert-Preis 2009 an Pepa Hristova

Nach eingehender Diskussion und unter besonderer Berücksichtigung der bewegenden Thematik, beschloss die Jury einstimmig den Otto-Steiner-Preis 2009 an die 1977 in Bulgarien geborene und in Hamburg lebende Photographin Pepa Hristova zu vergeben.

Benannt nach dem großen Deutschen Photographen und Lehrer, wird der Otto-
Steinert-Preis als Stipendium für eine zu erstellende, zeitlich begrenzte
photographische Arbeit alle zwei Jahre vergeben. Berücksichtigt werden eine
Projektskizze und bisherige eigenständige photographische Bildleistungen,
unabhängig von ihrer stilistischen Ausrichtung oder ihrem Anwendungsgebiet.

Ihre Arbeit „Sworn Virgins“ überzeugte vor allem durch ihre Wahrhaftigkeit und
die ungewöhnliche Thematik sowie die sensible und stille Umsetzung. Das
bewegende Photo-Essay handelt von albanischen Frauen, die aufgrund eines
uralten Ritus in einer männlichen Identität leben, als geschworene Jungfrauen.
Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Einige nehmen die Position verstorbener
Brüder oder Väter ein. Andere entscheiden sich in einer archaischen Gesellschaft,
in der Frauen traditionell eine untergeordnete Rolle spielen, bewusst für das
privilegierte Leben in einer männlichen Rolle.
Solange der Schwur der ewigen Jungfrauenschaft eingehalten wird, akzeptiert die
Gesellschaft dies. Diese so genannten Schwur-Jungfrauen, in der Landessprache
„Burrnesha“ genannt, werden in den Familien geachtet und erhalten den Status
von Männern. Sie leisten Männerarbeit, kleiden und verhalten sich wie Männer.
Die „Sworn Virgins“ füllen ihre Rolle so perfekt aus, dass sie im Laufe der Zeit
außerhalb der Familie nicht mehr als Frauen erkannt werden. Nicht nur ihre
innere Einstellung ändert sich, auch ihre Physiognomie. Mit den Jahren geht die
Frau in ihnen verloren. Diese Tradition ist das einzig bekannte Beispiel für einen
institutionalisierten Geschlechter-Rollenwechsel in Europa. Von der Forschung
wurde sie lange Zeit ignoriert.

Pepa Hritova wurde 1977 in Sevlievo, Bulgarien geboren. Von 1999 bis 2006
studierte sie an der HWA Hamburg Kommunikationsdesign. Seit 2006 ist sie
Junior-Mitglied der Berliner Photographen-Agentur Ostkreuz. Das Preisgeld wird
Pepa Hristova für die Fortführung ihres Projektes verwenden.