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Die doppelte Mona Lisa

Am 26. März soll die Ausstellung »Heilige Anna« im Pariser Louvre eröffnet werden, die sich Leonardo da Vinci und seinem Einfluss widmet. Dafür sollte auch die Kopie der Mona Lisa aus dem Madrider Prado entliehen werden. Bei den Reisevorbereitungen stellte man dort jedoch fest, dass das Bild älter ist als bisher angenommen. Christian Müller weiht Sie in die Geheimnisse des Bildes ein.

Die Porträtierte auf der Madrider Kopie saß bis vor kurzem nicht vor der Landschaft, vor der ihre Zwillingsschwester im Louvre zu sehen ist, sondern vor einem gänzlich schwarzen Hintergrund. Lange hielt man das Bild für eine Kopie eines flämischen Malers und schenkte ihm nicht allzu viel Beachtung.

Wie die Badische Zeitung schreibt, wurde anlässlich der Leihanfrage die Mona Lisa aus dem Prado einer genauen Untersuchung unterzogen, um vor dem Transport ihren Zustand zu dokumentieren. Durch Infrarot-Reflektografie und andere Verfahren stellte man fest, dass der schwarze Hintergrund erst nachträglich, wahrscheinlich im 18. Jahrhundert, aufgetragen worden war. Darunter verbarg sich eine komplett gemalte Landschaft. Die Entscheidung fiel, das Bild einer Restauration zu unterziehen.

Diese brachte Überraschendes zutage: Die schwarze Übermalung wurde abgetragen und so kam die gleiche toskanische Landschaft zum Vorschein wie auf dem Pariser Original. Es konnte aber noch mehr festgestellt werden. »Jede der Korrekturen, die Leonardo an der unter der Farbe liegenden Zeichnung im Originalbild vorgenommen hat, findet sich auch im Werk aus dem Prado«, berichtet die Leiterin der Untersuchung, Ana González Mozo, in Deutschlandradio Kultur. So sei etwa die Position des Schleiers während der Anfertigung des Gemäldes korrigiert worden – sowohl auf der Pariser als auch der Madrider Mona Lisa.

Der Maler des Porträts aus dem Prado kopierte also nicht einfach das fertige Bild, sondern vollzog alle Änderungen schon von der Zeichnung an mit. Mithin muss die vermeintliche Kopie zeitgleich mit dem Original entstanden sein – eine Variante des Gemäldes also, wahrscheinlich von einem Schüler Leonardos angefertigt.

Gleichwohl besteht kein Zweifel, dass die Pariser Mona Lisa weiterhin als das Original angesehen werden kann, wie der Kunsthistoriker Frank Zöllner im Deutschlandradio Kultur ausführt. Verschiedene Details der Kleidung, der Säulen und der Perspektive gäben Hinweise darauf, dass das Bild im Prado eine Variante von jenem im Louvre sei, und nicht umgekehrt.

Der augenfälligste Unterschied, der auch dem Laien sofort ins Auge sticht, besteht jedoch darin, dass die Madrider Mona Lisa farbenprächtiger ist, wodurch die Porträtierte auch jünger erscheint. Etliche Details sind besser zu erkennen. Dies lässt sich vor allem auf die Restauration zurückführen, durch die das Gemälde wie frisch aus der Werkstatt aussieht. Ihm fehlt der Firnis des Pariser Bildes. Ähnlich würde es laut Zöllner auch dem Original gehen, wenn es restauriert würde. Außerdem lasse sich so erkennen, wie die Mona Lisa aussähe, wenn sie nicht in Leonardos Sfumato-Technik gemalt worden wäre.

Über den Grund für die doppelte Ausführung kann einstweilen nur spekuliert werden. Zöllner sieht in diesem Vorgehen nichts Ungewöhnliches: Die zweite Mona Lisa bestätige, dass Leonardo in seiner Werkstatt häufig – insbesondere bei Madonnengemälden – von seinen Schülern Varianten oder Kopien habe anfertigen lassen, während er selbst am Original arbeitete. Wie viele zeitgenössische Künstler habe er auch seine Entwürfe von ihnen umsetzen lassen. Denkbar sei auch, dass ein Schüler die spanische Mona Lisa als Übung parallel zum Bild des Meisters angefertigt habe.

Neben weiteren Werken Leonardos wird in der Schau im Louvre das wohl berühmteste Lächeln der Kunstgeschichte vom 29. März bis zum 25. Juni zweimal zu sehen sein.