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Eckhart Dietz – Neue Arbeiten, Galerie im Prediger, Schwäbisch Gmünd, bis 25. April 2010

Eckhart Dietz ist seit annähernd fünf Jahrzehnten als freischaffender Bildhauer in Schwäbisch Gmünd tätig und kommt gerne auf die schiefe Ebene. Ganz aktuell in der Galerie im Prediger, dort zeigt er die Wirkung des Schiefen an neun großformatigen Figurengruppen. Günter Baumann hat die Ausstellung für PKG besucht.

Es ist ein Heimspiel für den Bildhauer: Geboren ist Eckhart Dietz zwar 1933 in der Nähe von Tübingen, aber seit 1962 wohnt und arbeitet er in Schwäbisch Gmünd - die plastische Figurengruppe vor dem Bahnhof und andere öffentlichen Arbeiten geben ihm den inoffiziellen Titel eines Stadtkünstlers. Das mag ein Grund sein, dass sich die Galerie im Prediger besonders ins Zeug gelegt hat, um eine derart dicht angelegte Einzelausstellung zu präsentieren, die beim ersten Rundumblick einer retrospektiven Würdigung gleich kommt. Dietz seinerseits hat es sich jedoch nicht nehmen lassen, nur jüngere und jüngste Arbeiten zu zeigen, sodass man sich im Haus verwundert die Augen rieb – mit noch 76 hätte er sich auch längst zur Ruhe begeben können, doch sein Schaffensdrang scheint ungebrochen. Die Retrospektive darf also noch ein Weilchen (sagen wir einmal: drei Jahre?) warten, angesagt sind für diesmal »Neue Arbeiten«, begleitet von Zeichnungen und Skizzen.

Quantitativ sind es gar nicht so viele Plastiken, aber die rostig-rote Wucht der Eisenmasse, die den Betrachter gleich im Hauptraum neunfach trifft. Die Figurengruppen hat der Künstler speziell für die Ausstellung geschaffen und dabei gleich ein Hauptthema gesetzt: Wie agieren diese Figuren nicht nur im Raum an sich, sondern auch noch auf einem abschüssigen Grund. Um diese Aufgabe nicht allzu sehr ins Didaktisch-Beispielhafte abrutschen zu lassen, nahm er inhaltlich den Tanz dazu, den es freilich nicht konkret zu fassen, sondern als geballte Energie umzusetzen galt. Das Beeindruckende an den Plastiken ist ihr Vermögen, aus der kubistisch reduzierten, wie aus räumlichen Versatzstücken (Kuben, Quadern, amorphen Körpern) aneinandergeklebt wirkenden Form in Bewegung zu verfallen, zuweilen im Sinne des Wortes: Denn die schiefe Ebene oder Bahn machen den Grund unsicher, mithin die existenzielle Not der eisernen Protagonisten – denn um nichts anderes geht es als um den Menschen. Hierzu fügt es sich gut, dass auch biblische Themen nicht ausgespart sind, sofern man sie überhaupt entdeckt: So treten die törichten Jungfrauen schlicht als »Törichte« auf. Andrerseits reizt Dietz die Schwelle zur Abstraktion voll aus, wenn etwa die knappe Differenz zwischen scheinbarem Metallhaufen (»Ohne Titel«) und mutmaßlichen »Büsten«-Gruppen augenfällig wird.

Einen heimlich retrospektiven Zug gibt es denn doch zu konstatieren: Vor rund 40 Jahren trat Eckhart Dietz bereits im »Prediger« auf, als dieser als Kulturzentrum noch gar nicht existierte. Damals waren die Arbeiten des Bildhauers noch experimenteller. Wäre das auch nur ein indirekter Bezug, so taucht immerhin »das Schiefe« als Leitmotiv bereits in den 1970ern auf. Man darf gespannt sein, wann diesen Linien dereinst nachgespürt wird.