Ausstellungsbesprechungen

Ein Leben für die Kunst – 50 Jahre Galerie Rottloff in Karlsruhe, Museum Ettlingen, Schloss, bis 29. Mai 2011

Es ist ungewöhnlich, die Sammlung einer Galerie in den Ausstellungsräumen eines Museums zu finden – das Ergebnis wäre in der Regel, wenn nicht notgedrungen eine schmächtige Schau mit Arbeiten, die keinen Käufer gefunden haben, oder aber eine Liebhaberpräsentation in der Größenordnung einer Kabinettausstellung. Nicht so in der eben zu Ende gehenden Ausstellung im Museum Ettlingen mit Arbeiten von 50 Künstlern aus dem Hause Rottloff, einer Galerie in Karlsruhe, die im Rahmen eines kulturellen regionalen Projekts jüngst bereits vorgestellt worden ist. Günter Baumann hat sich die Jubiläumssschau angesehen.

Die Zahl – die sich aus dem Jubiläum ergibt – entspricht etwa der Hälfte der Künstler, die sich in der respektablen Privatsammlung befinden, was die Gesamtqualität des Bestandes ahnen lässt (der freilich für das Museum noch durch eine Handvoll Leihgaben ergänzt wurde). Auch dass die fünf Jahrzehnte der Galerie mit Bedacht in der Museumspräsentation Berücksichtigung fanden, spricht für eine durchgängig hochwertige Sammlung. Dazu kommt, dass im Zusammenspiel von Galeristin (und ehemaliger Grieshaber-Schülerin Helgard Müller-Jensen), Museumschefin (Daniela Maier) und kunsthistorischer Beraterin aus der Karlsruher Nachbarschaft (Erika Rödiger-Diruf) ein sehr schön gestalteter Katalog zustande kam, der einmal mehr die Ernsthaftigkeit der Ausstellung unterstreicht und zugleich einen subjektiven Blick auf die Sammlungsschwerpunkte freigibt, den ein Museum so nicht setzen könnte.

Tendenziell gibt Müller-Jensen den gegenstandsfreien Werken den Vorzug, ohne sich einige Exkursionen in die Figuration zu leisten wie die zu Arnulf Rainer. Den Biografen nach liegt der Schwerpunkt zu Beginn der Sammlertätigkeit im Stuttgarter Raum, und im Laufe der Jahre schwenkte der Blick eher auf das direkte Umfeld der Galerie, um Karlsruhe herum. Doch immer treibt es die Galeristin leidenschaftlich um: »Meine Lieblingsbeschäftigung war, ist und bleibt Ausstellungen gestalten und Bilder aufhängen«. Vielleicht gar nicht zufällig fügen sich, wenn auch indirekt, Anfang und Ende des Sammlungsreigens im Ettlinger Museum über das Licht zusammen: Eine frühe Rauchzeichnung von Otto Piene, die auf die Künstlerbewegung ZERO verweist, bildet mit einem hintergründig leuchtenden Werk von Herbert Zangs den Beginn im Sammlungszeitraum, zu den letzten Ankäufen gehört eine hinreißende Lichtinstallation von Stefanie Lampert.

Zu den Glanzstücken gehören - in diesem Kontext – auch Quinte, Richter und Mack, während die jüngeren, dem Licht zugewandten Künstler Sabine Funke und Hans Peter Reuter heißen. Von den expressiven Abstraktionen im mittleren Feld der Sammlung sind neben Arnulf Rainer auch Herbert Zangs, Hetum Gruber, Heinz Schanz, Artur Stoll zu nennen sowie – mit besonderer Nachdrücklichkeit einer abstrakten Gegenständlichkeit bzw. inhaltlich aufgeladener Abstraktion – ein »Feldstück« von Ralph Fleck. Als grandiose Spitzen kontemplativer oder konzeptioneller Positionen ragen Joachim Czichons »Einigkeit«, das lakonisch verknappte weiße Gefäß auf schwarzem Grund von Erich Reiling und die »Säule« von Madeleine Dietz heraus, die hinter den Aussparungen einer Walzstahlhülle archaisch anmutende, getrocknete Erde aufschichtet.