Buchrezensionen

Felicitas E. M. Köster / Stefan Borchardt (Hg.): Maria Caspar-Filser,Stuttgart, Belser 2013

Das Kunstmuseum Hohenkarpfen bei Hausen ob Verena und die Städtische Galerie im Fruchtkasten des Klosters Ochsenhausen würdigen 2013 die Malerin Maria Caspar-Filser mit einer gemeinsamen Ausstellung. Hierzu ist nun der Ausstellungskatalog erschienen. Günter Baumann hat ihn sich für Sie angeschaut.

Auch das Kunstbuchgeschäft ist rauer geworden in den letzten Jahren – trotz oder gerade wegen einer atemberaubend rasanten und mengenmäßigen Produktion, etwa was Ausstellungskataloge angeht. Um einen Titel abseits des Mainstreams im Markt zu platzieren, bedarf es schon etlicher Schultern, die eine Publikation absichern. Musterbeispiel solch einer vielschichtigen Zusammenarbeit ist der monographische Band über die Malerin Maria Caspar-Filser, erschienen im Belser Verlag.

Anlass des Katalogs waren zwei fast parallel laufende Ausstellungen im Kunstmuseum Hohenkarpfen bei Hausen ob Verena (Untertitel »Aus der Heimat in die Welt«) und in der Städtischen Galerie im Fruchtkasten des Klosters Ochsenhausen (Untertitel »Farbenklang und Blütenpracht«), von denen die zweitgenannte noch bis zum 6. Oktober 2013 zu sehen ist. Da wäre aber nicht nur der Umstand, dass zwei Häuser sich eine Ausstellung teilen, sondern dass diese auch noch mit dem Archiv Haus Caspar-Filser in Brannenburg am Inn zusammenarbeiten: Und zwar für die Verbreitung eines Künstlernamens, der in der Region freilich erstaunlich breit gefestigt ist, In der Rezeption wird er aber dadurch gebremst, dass die Malerin wie viele ihrer Kolleginnen gern an der Seite ihres Mannes genannt wird – insbesondere nach 1945 nimmt man sie meist in Verbindung mit Karl Caspar wahr, der 1946 erneut einen Ruf an die Münchner Akademie erhält (1922 konnte er zwischen Stuttgart und München wählen).
Am Rande sei erwähnt, dass sich die beiden seit Kindertagen kannten, und dass es Maria war, die dem Nachbarjungen Karl ihren Malkasten geliehen hatte. Immerhin ragte Maria Caspar-Filser als einzige Frau unter den Gründungsmitgliedern der Münchener Neuen Secession 1913 und 1925 als erste Malerin mit dem Professorentitel des Freistaats Bayern hervor. Umgekehrt hatte die Künstlerin das zweifelhafte Vergnügen, in der Verfemungs-Ausstellung der Nazis zur ›Entarteten‹ Kunst teilzunehmen – im Nachhinein ein Zeichen, dass ihre Kunst wahrgenommen wurde, im Gegensatz zu der vieler ihrer Zeitgenossinnen. Nach dem Krieg schnell rehabilitiert, wurde das Ehepaar 1952 gemeinsam mit dem neu geschaffenen Oberschwäbischen Kunstpreis gewürdigt.

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Als Zeichen der Verbundenheit muss man es werten, wenn sich nicht nur die zahlreichen Leihgeber an einer derart umfassenden Schau beteiligt haben, sondern auch noch eine mehr als solide Unterstützerriege sich für die Ausstellung stark gemacht hat, wie hier – wobei nicht nur die Erben in der Liste erwähnt werden, sondern auch mehrere Landräte und Gönner wie etwa der Bildhauer Karl Ulrich Nuss u. a. m., ganz zu schweigen von den unverzichtbaren Förderern, die es wohl erst ermöglichten, auch noch einen so bildmächtigen Kunstbuchverlag wie Belser zu gewinnen, der bereits einige Titel der Kunststiftung Hohenkarpfen betreut hat. Wieviel Einsatz dem unermüdlichen Kustos dieses Kunstmuseums, Stefan Borchardt, zukommt, kann man nur ahnen, hat er doch in diesem abgelegenen Refugium der Kunst schon so manchen Schatz der Region gehoben.

Leider muss man Maria Caspar-Filser heute erst wieder entdecken als wichtige Vertreterin der figurativen frühen Moderne. So würdigt der Katalog die Malerin in mehreren Textbeiträgen, die jedoch kurz und kurzweilig genug sind, das Vergnügen an der brillant gestalteten Bilderstrecke eher noch zu vergrößern. Felicitas E. M. Köster, die Enkelin der Künstlerin, berichtet über »Maria Caspar-Filser – aus der Heimat in die Welt«, Yvette Deseyve stellt die Malerin in den »Kontext der zeitgenössischen Ausbildungssituation von Künstlerinnen« und Felix Billeter in den der Münchener Secession. Es folgen Wendelin Renns Essay »Mit Gelb, Rot und Blau neue Welten finden« sowie abschließend Stefan Borchardt mit »Gestalt und Geltung der Malerei Maria Caspar-Filsers«. Hervorragend ist auch die von Felicitas E. M. Köster verantwortete Biographie, die zwar tabellarisch knapp über das Leben berichtet, aber im Detail ein einfühlsames Bild davon entwirft (wie vielsagend gerät da eine durchgezogene Linie zwischen dem Eintrag für 1939 und dem für 1945…). Dem so handlichen wie tiefgreifenden Katalog sind viele Leser zu wünschen, wie es zu empfehlen ist, die noch laufende Ausstellung im Kloster Ochsenhausen zu besuchen.