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Günter Grass ist tot

Am Morgen des 13. April verstarb der Literaturnobelpreisträger im Alter von 87 Jahren. Mit ihm geht einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Gegenwart.

Der in Danzig geborene Autor und Künstler erlag einer Infektion, wie der Steidl Verlag und das Günter Grass haus mitteilten.

Bekannt geworden war er mit seinem 1959 erschienenen Roman »Die Blechtrommel«, für das er auch 1999 den Nobelpreis erhielt. Gemeinsam mit der Novelle "Katz und Maus" und dem Roman "Hundejahre" bildete es die »Danziger Trilogie«. Die Liste seiner Werke ist lang, auch derjenigen, die weltweiten Ruhm erlangten: »Der Butt«, »Die Rättin«, der skandalumwitterte Roman »Ein weites Feld« oder »Im Krebsgang«. Zuletzt erschien 2010 »Grimms Wörter. Eine Liebeserklärung«.

Seine Bücher sorgten dabei immer wieder für Skandale: Der »Blechtrommel« sagt man bis heute nach, dass seit Erscheinen von Thomas Manns »Buddenbrooks« solches Aufsehen erregt hat. Auch mischte er sich stets in die Politik ein; Grass war für die SPD aktiv, war bis 1992 sogar Parteimitglied, beteiligte sich an der Debatte um die Deutsche Einheit und sorgte zuletzt 2012 mit seinem israelkritischen Gedicht »Was gesagt werden muss« für Empörung.

Grass scheute sich also nicht, unbequem zu sein und verstand sich selbst seit der deutschen Wiedervereinigung als Mahner. In seinem Werk griff er daher immer wieder traumatische Momente der deutschen Geschichte auf. Auch seine eigene Biografie war nicht frei von Brüchen: 2006 räumte er ein, selbst in der Waffen-SS gedient zu haben.

Günter Grass war außerdem der bildenden Kunst verpflichtet: Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er Grafik und Malerei und schuf zeitlebens vor allem Skulpturen und Grafiken, malte aber auch. Für den Deutschen Bücherpreis der Leipziger Buchmesse entwarf er 2002 zum Beispiel einen »Bücher-Butt«.

Zum Tod des Dichters veröffentlichte das Günter Grass Haus in Lübeck eines seiner Gedichte, »Wegzehrung«:

Mit einem Sack Nüsse
will ich begraben sein
und mit neuesten Zähnen.
Wenn es dann kracht,
wo ich liege,
kann vermutet werden:
Er ist das,
immer noch er.

(Aus: „Fundsachen für Nichtleser“, 1997)