Buchrezensionen

Günther Wirth: Esslinger Reden zur Kunst 1976 bis 1998. Hrsg. von der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen 2 Bde. Ostfildern, 1998. /Günther Wirth: Esslinger Reden zur Kunst 1976 bis 2007. Ders. Hrsg. Bd. 3: 1999 bis 2007. Ostfildern: 2008.

Wer im deutschen Südwesten der Kunst bis in die Provinz hinterherläuft, bekommt schnell den Eindruck, er sei schon da gewesen: Die Rede ist von Günther Wirth, Kunstbuchautor, Kritiker und vor allem Laudator. Günter Baumann wirft einen Blick in die gesammelten Reden zur Kunst.

Diejenigen unter den Kollegen, die sich im mittleren Alter wähnen – der Rezensent schließt sich hier mit ein –, können sogar in den Chor anlässlich des nachgereichten Geburtstagsständchens zum 85. Geburtstag des Professors mit einstimmen: Er war schon immer da. Dass etwas im Verborgenen und verzögert ein dreibändiges Werk mit den gesammelten Eröffnungsreden, die Günther Wirth im Auftrag der Esslinger Kreissparkasse gehalten hat, aus dem Bücherdschungel heraustritt, liegt am abgelegenen Ort und am fast internen Umfeld ihrer Veröffentlichung. Überhaupt scheint erst der ergänzende dritte Einzelband die Erinnerung an die Buchkassette mit den ersten beiden Bänden wachgerufen zu haben, denen noch ein schmales Bändchen mit »Esslinger Reden zur Kunst«, gehalten von Wirths Kollegen Bruno Effinger, beigegeben war. Dabei konnte sich schon damals sehen lassen, was auch im jüngsten Band dem Impressum zu entnehmen ist: Gestaltet wurde die kleine Reihe vom Stuttgarter Atelier Anton Stankowski + Duschek. Wenn auch sparsam mit Schwarzweiß-Abbildungen ausgestattet, treten die Publikationen doch – in klarer Typografie und rotem Vorschlagpapier – in stiller Größe auf. Ein Freundschaftsdienst, sicher: Der unvergessene Maler und Gebrauchsgrafiker Anton Stankowski gehörte zu den von Günther Wirth und der örtlichen Kreissparkasse vielfach geehrten Künstlern.

Geboren 1923, geriet der Magdeburger Wirth zwangsläufig in den Krieg, sodass er erst danach ein Studium der Pädagogik aufnehmen konnte, nachdem er 1950 in den Schuldienst ging. Die Begegnungen mit Max Ackermann und Ida Kerkovius, später auch HAP Grieshaber, Reinhold Nägele, Georg Karl Pfahler und vielen anderen mehr (ver)führten ihn zur Kunstkritik: In den 1960er Jahren schrieb er nebenbei für die "Stuttgarter Zeitung" und verschiedene Kunstmagazine, war im Künstlerbund Baden-Württemberg tätig, saß in zahlreichen Jurys und veröffentlichte 1974 sein erstes Buch, dem weitere folgten. Belohnt wurde dieser rastlose Einsatz für die Kunst 1987 mit dem Professorentitel, einer Einladung in die Villa Massimo (Rom) 1993 und schließlich mit den Ehrensenatorenweihen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, deren Ehrenmitglied er bereits 1993 geworden war – andere hätten sich da schon auf den Ruhestand vorbereitet, aber Wirth schrieb weiter und eröffnete eine Ausstellung nach der anderen. Wenn er nicht gerade in seinem fast schon exotischen Refugium in Namibia weilt, ist er noch immer in Stuttgart unterwegs auf den Spuren der etablierten und auch der jungen Kunst. So finden sich – allein im Rahmen der Ausstellungen der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen – Statements zum regelmäßig verliehenen Kunstpreis des Hauses, Reden über das Werk der 1960er, 70er, 80er und 90er Jahre im Überblick genauso wie Einzelbeiträge zu Künstlern wie Adam Lude Döring, Otto Herbert Hajek, Rudolf Hoflehner, Friedemann Hahn, Moritz Baumgärtl, Rudolf Schoofs, Robert Förch; die Liste könnte man fast beliebig ausdehnen. Wer immer sich über die Kunstszene im Südwesten der Republik informieren will, kommt an Günther Wirth nicht vorbei.

Es hätte die Bücher deutlich aufgewertet, wenn man zu den Personenabbildungen zumindest ein paar Farbbogen mit Arbeiten der besprochenen Künstler mit beigegeben hätte. So wird der Reichtum, der in diesen Beiträgen steckt, leicht übersehen.
Dennoch, die Bände mit Günther Wirths Esslinger Reden geben einen guten Überblick über die Vorlieben und das breitgefächerte Interesse des Autors.