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Konzept des neuen Bauhaus-Museums in Weimar steht fest

Der Stiftungsrat der Klassik Stiftung Weimar hat sich in der Sitzung am 15. Juli für den Theaterplatz als Ort des neuen Bauhaus-Museums entschieden. Die Sammlung von Gropius und Köhler und die wichtigen Erwerbungen, die im Umfeld der historischen Sammlung, insbesondere nach 1990, hinzugekommen sind, werden den Kern der Dauerausstellung des Bauhaus-Museums bilden, die an zeitgenössische Fragen von Kunst und Design anknüpfen wird.

Die Wiege des Bauhauses stand in Weimar. Sechs der vierzehn Jahre seiner kurzen Existenz fallen in die Weimarer Epoche des Bauhauses. Es ist nur mit der Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert zu erklären, dass erst 1995 mit einem eigenen Museum innerhalb der reichen Museumslandschaft Weimars darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die wichtigste und wirkmächtigste Schule für Kunst und Design des 20. Jahrhunderts hier ihre Wurzeln hat. In der ehemaligen Kunsthalle am Theaterplatz konnte lediglich ein provisorisches Bauhaus-Museum errichtet werden, von dem der Bericht der Strukturkommission im Jahr 2005 konstatierte, dass »die Intentionen des Bauhauses … hier buchstäblich konterkariert« würden. Deshalb forderte der Bericht mit Nachdruck die Errichtung eines neuen Bauhaus-Museums.

Der Stiftungsrat der Klassik Stiftung Weimar unter Vorsitz des Thüringischen Kultusministers Bernward Müller hat sich am 15. Juli mit großer Mehrheit für den Theaterplatz als Standort des neuen Bauhaus-Museums ausgesprochen. Nächster Schritt in der Planung des neuen Bauhaus-Museums Weimars wird die Diskussion dieser Empfehlung im Weimarer Stadtrat sein.

Das neue Bauhaus-Museum Weimar soll die Aufgabe übernehmen, ein musealer Ort zu sein, in dem die bedeutende Rolle Weimars präsent ist und der zugleich erlaubt, glaubwürdig an zeitgenössische Fragen im Bereich von Kunst und Design anzuknüpfen. Ausgangspunkt des Konzepts und zugleich Alleinstellungsmerkmal des Museums sind die in Weimar existierenden historischen Sammlungen. Das Staatliche Bauhaus, das bereits 1925 aus Weimar vertrieben wurde, blieb hier am Ort durch die historisch früheste Bauhaus-Sammlung präsent, die Walter Gropius im Zusammenwirken mit Wilhelm Köhler, dem Direktor der Kunstsammlungen, in Weimar hinterließ.  Diese Sammlung und die wichtigen Erwerbungen, die im Umfeld der historischen Sammlung, insbesondere nach 1990, hinzugekommen sind, werden den Kern der Dauerausstellung des Bauhaus-Museums bilden.

Ein zweites Alleinstellungsmerkmal des Weimarer Bauhaus-Museums zeigt sich in der Rückbindung der Moderne an die in Weimar bestehenden klassischen Sammlungen sowie die hier präsenten Zeugnisse der Vormoderne. Während das Bauhaus vielfach als der voraussetzungslose Neubeginn einer künstlerischen Avantgarde gesehen wird und vom Bauhaus selbst auch gern so deklariert wurde, zeigen die Zusammenhänge im Kosmos Weimar, dass das Bauhaus weder zufällig nach Weimar kam, noch ohne historische Vorbilder seine Aufgabe in Angriff nahm. Deshalb wird das Weimarer Bauhaus-Museum besonderen Wert darauf legen, die Traditionslinien sichtbar zu machen, die zur klassischen Periode, zum strengen Biedermeier und vor allem zum Wirken Henry van de Veldes nachweisbar sind. Der diese Interessen des Bauhaus-Museums umfassend abbildende Begriff ist der der Funktionalität, die ab dem späten 18. Jh. und damit seit dem Beginn der Moderne zu einem Schlüsselbegriff der Gestaltung und später des Produktdesigns wird. In diesem Zusammenhang strebt die Stiftung den Erwerb der Sammlung Ludewig an, die diese Zusammenhänge exemplarisch abbildet.

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Im Vorfeld der Empfehlung des Stiftungsrates für den Standort Theaterplatz hatte die Klassik Stiftung eine Standortanalyse durchgeführt. Die Analyse führten die Büros assmann beraten + planen, Jürgen Busch, und gildehaus.reich architekten BDA, Andreas Reich, gemeinsam durch. Gegenstand der Analyse waren am Beginn der Untersuchung zehn potentielle Standorte:

- Standort der jetzigen Mensa der Bauhaus-Universität Weimar
- Theaterplatz/Zeughof
- Parkplatz Weimarhalle (frühere "Minol-Tankstelle")
- Frauenplan
- ehemaliges Gelände der Materialprüfanstalt/Bauhaus-Universität Weimar
- Weimarplatz
- Bauhaus-Universität Weimar/Berkaer Straße
- Leibnizallee
- Theaterplatz/Südseite
- Beethovenplatz

Die wichtigste Klärung der Untersuchung betraf die Frage, ob die einzelnen Standorte die Bedingungen und Anforderungen des neuen Bauhaus-Museums erfüllen. Zugleich wurde die Frage der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Standorte geprüft. Weitere Kriterien einer vertiefenden Untersuchung waren die Standortqualitäten mit ihren Bezügen zu anderen musealen und touristischen Standorten, zu der historisch gewachsenen Stadtlandschaft und zu den wesentlichen Bauhaus-Stätten Weimars.

Daneben untersuchten die Planer die Erreichbarkeit der Standorte, ihr kommerzielles Potential, die Akzeptanz der Standorte durch die Stadt Weimar und ihre Öffentlichkeit sowie durch wichtige Partner wie das Thüringische Lendesamt für Denkmalpflege und die UNESCO bzw. ICOMOS. Ebenfalls wurden die Funktionalität der Standorte (Nutzflächen, logistische Fragen der Museumsführung) und ihre Betriebsführung (Nähe zu anderen Liegenschaften der Klassik Stiftung) untersucht.

Aufgrund der Bedeutung, die die Standortfrage für die Entwicklung Weimars hat, wurden alle potentiellen Standorte in der Weimarer Innenstadt überprüft, auch wenn einige davon, wie die Leibnizallee und die Südseite des Theaterplatzes schon wegen der mangelnden Größe nicht in Frage kommen konnten und deshalb bereits in der ersten Phase der Untersuchung ausschieden. Auch die Berkaer Straße und der Weimarplatz lassen nach Einschätzung der Planer ein für das Projekt geeignetes Baufeld nicht zu. Der Beethovenplatz wiederum erschien vor dem Hintergrund einer erheblichen Beeinträchtigung des Ilm-Parks und damit des Weltkulturerbes ,Klassisches Weimar' als nicht geeignet. Zwei Standorte auf dem Campus der Bauhaus-Universität, die jetzige Mensa und die ehemalige Materialprüfanstalt, mussten aus der weiteren Beratung ausgeschlossen werden, weil an beiden Standorten erhebliche Ersatz-Investitionen für die derzeit dort errichteten Gebäude notwendig gewesen wären, bevor mit der Errichtung des Bauhaus-Museums hätte begonnen werden können. Zudem hat sich die Monitoring-Gruppe Welterbestätten des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS gegen eine weitere bauliche Verdichtung des Areals um die Mensa ausgesprochen.

In die engste Wahl fielen am Ende nur noch die drei Standorte Parkplatz Weimarhalle, Frauenplan und Theaterplatz/Zeughof. Für den Theaterplatz sprachen seine zentrale Lage im Zentrum der Stadt und seine Stellung im historisch gewachsenen Gefüge Weimars. Als das wesentliche Argument gegen den Frauenplan erschien dem Stiftungsrat die Enge des Baufelds, das keinerlei Erweiterungen für das neue Bauhaus-Museum eröffnen würde.

Auch müsste der Neubau sehr zurückhaltend geplant werden, um nicht gegenüber dem Goethe-Wohnhaus als Störung empfunden zu werden. Der Parkplatz der Weimarhalle würde beste Bedingungen für eine starke zeitgenössische Architektursprache bieten. Als nachteilig wertete ein großer Teil der Stiftungsräte aber, dass das neue Bauhaus-Museum auf dem ehemaligen Minol-Standort nicht in Weimars Mitte angesiedelt würde.

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