Meldungen zum Kunstgeschehen

Kunst in Berlin Februar/ März 2013

Die Berlinale hält die deutsche Hauptstadt in Atem. Doch auch abseits des Filmfestivals gibt es viel Neues in den Galerien und Museen Berlins zu entdecken. Julia Pfannschmidt hat Ihnen einen Überblick zusammengestellt.

Kunst in Berlin
Kunst in Berlin

Während Berlin im Februar traditionell im Zeichen der Berlinale und der Gattung Film steht, zeigt die Galerie Nolan Judin die für Cinéasten sicherlich anregende Videonstallation des Künstlers Michael Brunner: „The Love Affair Between Movies and Literature“. Doch nicht nur der Film, auch andere Ausdrucksformen spielen eine Rolle in den Berliner Ausstellungsräumen. So das geheime Universum aus Zeichnungen des Zahlenkünstlers George Widener im Hamburger Bahnhof oder die klassischen Skulpturen aus Schinkels berühmter Friedrichswerderschen Kirche - diesmal im „weißen Licht“ der Neuen Nationalgalerie. Wiebke Loepers Fotografien aus der Filmstadt Los Angeles beschäftigen sich mit modernem Nomadentum und Susanne Schirdewahn präsentiert eingewickelte „Kopfgeburten“. Kopfgeburt oder wie die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst sagen würde: „It is only a state of mind“.

Der Hamburger Bahnhof widmet sich in seiner Ausstellungsreihe "secret universe" Künstlern, die -laut eigener Beschreibung des Museums - innerhalb des etablierten Kunstdiskurses weitgehend unberücksichtigt bleiben. Der vierte Teil von "secret universe" zeigt komplexe Zahlenbilder des US-Amerikanischen Künstlers George Widerner, der in seinen Zeichnungen historische Ereignisse mit eigenen Berechnungen verknüpft. Bei Widener wurde im Alter von 38 Jahren das Asperger-Syndrom diagnostiziert mit einer Inselbegabung für Zahlen und Daten. Er ist davon überzeugt, dass im Jahr 2045 Hochleistungsrechner und menschliche Gehirne miteinander verschmelzen. Deswegen möchte er mit seinen algorithmischen Zeichnungen diesen zukünftigen Super-Computern eine intelligente Unterhaltung bieten.

Susanne Schirdewahn ist eine vielseitige Künstlerin: Malerin, Objektkünstlerin, Schriftstellerin und freie Interviewerin sowie Zeichnerin für die Berliner Presse. In der Ausstellung „Maus auf Mars oder wer fliegt mit?“ präsentiert sie „Kopfgeburten“, eine Objektreihe, an der sie seit 2003 arbeitet. Schirdewahn gestaltet Materialien des Alltags mit einer besonderen Wickeltechnik zu unterschiedlichsten Kopfformen, die nun in der Neuköllner-Galerie als „Partyhengste“, „King of the Mauerpark“, „bunte Kuh“ und andere Berliner-Kopfgeburten zu sehen.

Die Schwarz-Weiß-Fotografien der Künstlerin Wiebke Loeper entstanden im Jahr 2006 in Los Angeles: Sie beschäftigen sich mit der Identität von Orten und Spuren, die an diesen hinterlassen wurden. Loepke verfolgte die in der Los Angeles Times annoncierten Anzeigen zu Hausverkäufen und nahm heimlich Bilder in den Immobilien auf. Möblierte Wohnräume, die von ihren Besitzern verlassen wurden und nur noch Besichtigungszwecken dienten. Ein modernes Nomadentum, das vielleicht auch in Berlin zu finden ist?

Kaum ist die große Karl Friedrich Schinkel-Ausstellung des Kupferstichkabinetts nach München gewandert, geht der Trubel um das Universalgenie bei den Staatlichen Museen zu Berlin weiter. Schinkels Friedrichswerdersche Kirche ist aufgrund von Baubeschädigungen bis auf weiteres geschlossen. Deswegen zieht das reichhaltige Skulpturenprogramm des Baus in die Neue Nationalgalerie um, wo die Skulpturen in der Ausstellung „Im weißen Licht“ vorerst zum letzten Mal zu bestaunen sind. Unter den versammelten Werken am Kulturforum finden sich dann große Namen wie Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch, die nur darauf warten bewundert zu werden.

Anlässlich der Berlinale-Filmfestspiele im Februar zeigt die Galerie Nolan Judin die Videoinstallation „Magnificent Obsession – The Love Affaire Between Movies And Literature“ des Schweizer Künstlers Matthias Brunner. Aus 36 Filmen des europäischen und amerikanischen Kinos der 1950er und 60er Jahre erstellte Brunner eine Collage aus Sequenzen, die die Liebesaffäre zwischen Film und Literatur verbildlicht. Die Werke der Nouvelle Vague bilden den Kern der Installation. Seien es Literaturverfilmungen, die Liebe der Protagonisten zu literarischen Geschichten, das Schreiben, Drucken oder Kaufen eines Buchs. Brunner versucht vielseitige Szenen zum Thema „Buch“ zu verarbeiten und in einen Dialog miteinander zu setzen. So trifft bei der Vierfachprojektion die Nouvelle Vague auf amerikanische und europäische Vorbilder, Truffaut auf Hitchcock, Godard auf Öphuls. Eine Liebesaffäre zwischen Filmen und Literatur und die BesucherInnen mittendrin.

Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V. (NGBK) mit Sitz in Kreuzberg besteht seit 1969. Alle Ausstellungen werden von Mitgliedern des Vereins – Kunstschaffenden, WissenschaftlerInnen, Studierenden usw. – konzipiert und organsiert. In der Ausstellung „It Is Only a State of Mind“ beschäftigen sich die KünstlerInnen mit den Grenzbereichen zwischen Wissenschaft und Kunst sowie den Schnittstellen zwischen Forschung und künstlerischer Praxis. Beteiligte KünstlerInnen sind João Maria Gusmão und Pedro Paiva, Annie Goh, Michal Heiman, Ofri Lapid, Lea Porsager, Susan MacWilliam, Sarah Schönfeld, Ute Waldhausen u.a.