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Kunst in Karlsruhe Sommer 2015

In diesem Sommer steht Karlsruhe ganz im Zeichen des Stadtjubiläums: Auf 300 Jahre kann die auf dem Reißbrett entworfene Stadt zurückblicken. Daher widmen die Kunsthäuser ihrer Stadt zahlreiche Ausstellungen. Marco Hompes verrät Ihnen, welche.

Kunst in Karlsruhe
Kunst in Karlsruhe

Diesen Sommer, vom 17. Juni bis zum 27. September, wird die Stadt Karlsruhe Geburtstag feiern: 300 Jahre sind seit der Gründung der ehemaligen Residenzstadt vergangen. Grund genug, um sich mit Vergangenheit und Zukunft der Stadt zu beschäftigen. Hierbei sind es vor allem personenbezogene Ausstellungen, die verdeutlichen, wie einzelne Persönlichkeiten die Geschichte der Stadt prägten. Immerhin ist auch die Entstehung der Stadt mit einem Namen verbunden: einer Legende nach soll Karl Wilhelm, Markgraf von Baden-Durlach (1679 - 1728), bei einer Rast während der Jagd eingeschlafen sein und dabei von einem Schloss geträumt haben, das wie eine Sonne im Zentrum seiner neuen Residenz lag. Die Ausstellung im Badischen Landesmuseum spürt dem Wirken des Regenten und seiner barocken Planstadt nach. Die nach ihm benannte Stadt stieg nur wenige Jahrzehnte später zu einem Zentrum für die Künste und Wissenschaften auf.

Hierfür verantwortlich ist eine regsame Markgräfin, nämlich Karoline Luise von Baden (1723 – 1783). Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe widmet ihr eine Ausstellung mit dem Titel »Die Meister-Sammlerin. Karoline Luise von Baden«. Ihr 200 Gemälde umfassendes Mahlerey-Cabinet bildete den Grundstock des Museums. Und der ist auch für Nicht-Karlsruher höchst interessant: Werke von François Boucher, Anton van Dyck, Jean-Étienne Liotard und Rembrandt Harmenszoon van Rijn geben einen Einblick in das künstlerische Interesse der Markgräfin. Darüber hinaus war sie selbst auch künstlerisch tätig, was unter anderem eine Kopie des Gemäldes »Tod der Kleopatra« von Caspar Netscher aus ihrer Hand belegt. Die gebildete Regentin unternahm in einem eigenen Laboratorium naturwissenschaftliche Experimente, musizierte, ließ sich porträtieren, sammelte Porzellan, Naturalien und Kunst und pflegte den intellektuellen Austausch mit Gelehrten wie Voltaire oder Johann Wolfgang von Goethe. Neben ihrer Gemäldesammlung zeigt die Staatliche Kunsthalle daher auch rund 130 Leihgaben, die Karoline Luises wissenschaftliches und künstlerisches, europaweites Netzwerk verdeutlichen.

Knapp 20 Jahre nach dem Tod der Markgräfin veränderte sich das Gesicht der Stadt rapide. Hierfür verantwortlich ist unter anderem Friedrich Weinbrenner, dessen Schaffen die Städtische Galerie Karlsruhe mit der Schau »Friedrich Weinbrenner 1766 – 1826. Architektur und Städtebau des Klassizismus« würdigt. Der Stadtplaner sah sich seinerzeit mit der Aufgabe konfrontiert, den neuen politischen Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Denn auf Grund der territorialen Neuordnungen durch Napoleon, wurde Karlsruhe zur Hauptstadt des neuen Großherzogtums Baden. Als Zentrum eines souveränen Staates mit stetig wachsender Einwohnerzahl, musste das vormals kleine markgräfliche Städtchen architektonisch modernisiert werden. Dies war Aufgabe Friedrich Weinbrenners, seit 1797 Badischer Baudirektor. Geschult unter anderem durch eine fünfjährige Italienreise entwickelte er einen an der antiken Baukunst und am Palladianismus orientierten klassizistischen Stil. Vor allem im Theater- und im privaten Wohnungsbau machte sich der Baumeister einen Namen. Zu den Exponaten der Ausstellung zählen neben originalen Plänen auch neu geschaffene Modelle. Eines davon wird mehr als vier Meter groß sein und die »Via Triumphalis« visualisieren; eine Prachtstraße, die auch heute noch wesentlich das Stadtbild prägt. Auch das Wahrzeichen Karlsruhes, die Pyramide, ist Thema der Ausstellung, ebenso wie Projekte außerhalb Badens, zum Beispiel das Leipziger Theater. Spannend werden vermutlich auch die Computervisualisierungen sein, die es ermöglichen, nicht verwirklichte oder zerstörte Gebäude zu erleben und so nicht nur das geplante und historische Aussehen der Stadt, sondern auch die Prinzipien des Klassizismus zu verstehen. Ein Muss für alle Architekturliebhaber!

Noch zu Lebzeiten Weinbrenners gründete sich auch der Badische Kunstverein, seines Zeichens zweitältester Kunstverein Deutschlands. Im Rahmen des Stadtgeburtstags wird das 1900 feierlich eingeweiht Haus seine eigene Geschichte aufarbeiten. In der neuen Dauerausstellung »31,2 laufende Meter - Ausstellung zur Geschichte des Badischen Kunstvereins« erhalten Besucherinnen und Besucher einen Einblick in die reichhaltigen Archivalien der Institution. Ab dem 17. Juli ist sie für Besucher geöffnet.

Neben diesen historisch motivierten Präsentationen will das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) hingegen einen Blick in Gegenwart und Zukunft der Kunst werfen. 300 Tage lang will die »Globale« ab dem 21. Juni die kulturellen Effekte der Globalisierung und Digitalisierung thematisieren und einen um die Naturwissenschaften erweiterten Kunstbegriff thematisieren. Dies soll neben Performances, Konzerten, Symposien und Vorträgen auch in mehreren Ausstellungen geschehen. Das Programm ist derart umfassend, dass es unmöglich in kurze Worte zu fassen ist. Zu den Highlights gehört aber sicher eine Inszenierung des Zentrums für politische Schönheit in Anlehnung an »Der Prozess« von Franz Kafka sowie an historische Prozesse. Der japanische Architekten Tetsuo Kondo wird eine künstliche Wolke in den Räumlichkeiten des ZKM entstehen lassen und Tomás Saraceno wird eine interaktive Installation beisteuern.