Meldungen zum Kunstgeschehen

Kunst in Köln im Februar/März 2011

Bevor es wieder offiziell zu "Kamelle"- Regen kommt und die Lustigkeit in der Karnevalshochburg Köln gefeiert wird, nutzen wir die Ruhe vor dem Sturm, um Ihnen die Ausstellungs-Schmankerl in der Rheinmetropole präsentieren zu können.

Kunst in Köln
Kunst in Köln

In unseren aktuellen Empfehlungen bieten wir Ihnen ein reichhaltiges Angebot aus Fotografie, Film, Skulptur und Malerei/Grafik. Los geht es mit der Beschäftigung rund um natürliche Systeme und Organismen im Werk von Flora Hitzing. Das Erfahren der Schönheit von Bewegung, Form- und Strukturbildung ist für sie von unbewußten Vorerfahrungen geprägt und im Zentralnervensystem als neuronale Muster abrufbar. So entstehen Skulpturen und Zeichnungen, die ähnlich wie Fraktale in der Mathematik, beim Betrachter ein oftmals erstauntes Wiedererkennen ermöglichen.

In der Galerie Desaga nimmt Ben Schuhmacher diesen Faden auf und stellt seine Skulpturen zwischen Industrieästhetik und einem menschlich-organischen Ausdruck. Sie werden damit zu Wegweisern zwischen dem realen Raum und den imaginären Leerstellen menschlichen Seins.

Auf Verweise außerhalb des Bildraumes konzentriert sich Josef Schulz in seiner Ausstellung »Sign Out«. Er fotografiert Reklametafeln an US-amerikanischen Highways, denen er in der Nachbearbeitung Schrift und Logos genommen hat. Sie werden dadurch zu leeren Sprechblasen und verweisen auf beschilderte Gewerbegebiete, die mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu kämpfen haben.

Eine interessante Herangehensweise besitzt Martina Sauter, die in ihren Arbeiten ein ausgewähltes Filmstill mit dem fotografischen Abbild eines von ihr aufgespürten Raumes kombiniert. Für die Ausstellung »Double« reiste Martina Sauer nach Arizona in die Old Tucson Filmstudios, um dort zwischen alten Westernsets zu fotografieren. Doch statt eine überhöhte und dramatische Re-Inszenierung darzustellen, zeigen ihre Werke Banalitäten des Alltags wie einen Vorhang, eine Tapete oder eine Türklinke.

Mit der Erinnerungsfunktion von Fotografie beschäftigt sich hingegen Barbara Camilla Tucholski in ihrem Künstlerbuch, das ihrem Elternhaus in Vorpommern gewidmet ist. In einem anderen Medium beschäftigt sich auch eine Vielzahl von spanischen Künstlern in der Galerie 100 kubik - raum für spanische kunst mit dem zeitgenössischen Porträt, das schließlich auch diese Funktion bedient und es ist erstaunlich, welch überraschende Sichtweisen entstehen.

Als ganz in der Gegenwartkunst angelegt sind nun die Videos von Claudia Reinhardt und die "Tattoos" von Monika Stricker. Mit der Frage, welche Umdeutung dem Tribal-Tattoo von seinem langen Weg aus der Südsee in die Studios der westlichen Welt widerfuhr, beschäftigen sich ihre Wandinstallationen. Claudia Reinhardt beschäftigt sich hingegen mit der Frage, ob der Versuch zur Liebe in einem Disaster enden muss und reinterpretiert unter dem Titel »Liebesmüh« in fünf Videos international bekannte Frauengestalten. Summa summarum lohnt sich also auch ein Besuch in Köln für diejenigen, die nicht dem Karneval verfallen sind, sondern dem Kunstgenuss fröhnen möchten. Kölle alaaf!