Ausstellungsbesprechungen

MoMA – zurück in New York

Am 20.11.2004 wurde die neue Heimstätte des legendären MoMA in New York feierlich wieder eröffnet. Nicht ohne Grund wurde das Datum gewählt: Das MoMA ist gleichzeitig (am 8.11.) 75 Jahre alt geworden, aber alles andere als angestaubt. Der jüngst abgeschlossene Um- und Erweiterungsbau des japanischen Architekten Yoshio Taniguchi ist der architektonisch wohl markanteste Einschnitt in der Baugeschichte dieses Museums.

Seine Geburtstunde erlebte das Museum nicht am heutigen Standort, sondern in einem Bürogebäude an der Fifth Avenue/Ecke 57. Straße. Erst 1932 zog man auf das Gelände des heutigen Blocks zwischen fünfter und sechster Avenue und 53. und 54 Straße West. Dem gerade beendeten Umbau gingen bereits fünf Erweiterungen voran. Eine der auffälligeren Maßnahmen war der viereckige, schlanke Apartmentturm von Cesar Pelli, der in der Bauphase zwischen 1979 und 1984 entstand.

Was hat das MoMA so berühmt gemacht und warum ranken sich so viele Mythen um dieses Museum? Es war bereits bei seiner Gründung Ende der zwanziger Jahre zweifelsohne das weltweit bemerkenswerteste Museum seiner Art. Dafür hat schon das namhafte Gründungstrio gesorgt, dem neben Abby Aldrich Rockefeller, Lillie P. Bliss und Mary Quinn Sullivan angehörten. Abby Rockefeller war keine geringere als die Ehefrau des sprichwörtlich bekannten John D. Rockefeller Jr. Die Kunstinteressen der Eheleute galten keineswegs als deckungsgleich. Was zudem noch etwas Würze in das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Kommerz brachte, war die Eröffnung des Museums kurz nach dem Börsenzusammenbruch an der Wallstreet, dem „schwarzen Freitag“ Ende Oktober 1929. Der heutige Skulpturengarten breitet sich dort aus, wo einst das Wohnhaus der Rockefellers stand, das 1938 abgerissen wurde. Er ist in seiner neuen, erweiterten Form eine „lebende“ Reminiszenz an Abby Rockefeller. Mehrere Räume des Hauses (u.a. das Schlafzimmer) können im Museum of the City of New York bewundert werden.

Kunst- und architekturtheoretische Besonderheiten des Museums sind die Art der Sammlungen und das Verständnis eines zeitgemäßen Museumsbaus. Das MoMA ist kein Museum im herkömmlichen Sinne, das sich dem Vergangenen zuwendet und dieses zu dokumentieren versucht, um gesellschaftliche Brücken zu bauen. Zwar dokumentiert das Museum die „Geschichte“ der modernen Kunst, im Gegensatz aber zu zeitlich abgeschlossenen Sammlungen ist die Sammlung des MoMA in ständigem Fluss. Es entwickelt sich genauso wie die Kunst selbst, die es zeigt und unser Verständnis über sie.

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Die Ausstellung ist in sechs Kategorien visueller Kunst unterteilt: Bilder und Gemälde, Skulpturen, Architektur und Design, Drucke und illustrierte Bücher, Photografie sowie Film und Video. Nicht selten wird das Museum auch als ein Labor gesehen, dass sich immer wieder neu auf die aktuellen Entwicklungen in Kunst und Design einstellt. Qua definitionem kann es sich hier auch nicht um eine historische Sammlung handeln, weil die Moderne kein abgeschlossener Zeitraum ist. Selbst der Name des Museums geht auf diesen Wandel ein. Hieß es anfänglich „Museum of Modern Art“ (so immer noch eine offizielle Bezeichnung), wurde daraus später „The Modern“ und schließlich nur noch kurz und prägnant „MoMA“. Vereinfacht ausgedrückt: das MoMA ist ständig dabei, seine eigene Geschichte zu schreiben und sie dabei auch gleichzeitig zu beeinflussen.

Der Architekt Yoshio Taniguchi hat selbstverständlich seiner Aufgabe und den Eigenheiten des Museums folgend einen modernen Bau geschaffen. Zwar ist das MoMA sein erster Museumsbau im Ausland. In Japan hat Taniguchi jedoch bereits an einer Vielzahl von Museen von Weltruf mitgewirkt. Der offensichtliche Unterschied zu einem in der Regel historischen Museumsbau ist die Ebenerdigkeit des Eingangsbereichs. Das Museum hebt sich nicht mehr wie ein "klassizistischer Kunsttempel" durch ein Sockelgeschoss von der Straße ab, sondern wird mit seiner direkten Nähe zur Straße und zu den Menschen ein Teil des urbanen Geschehens. Für das Museum selbst ist dieses Architekturverständnis keineswegs neu. Taniguchi hat mit seinem Entwurf allerdings den richtigen Ton der Architektursprache des internationalen Modernismus getroffen. Eine der Schwierigkeiten liegt im Hinblick auf das MoMA und seiner Architektur immer auch darin, das Museum als „Kunstakademie“, nämlich als Bildungs- und Ausbildungsstätte für Moderne Kunst zu sehen. So beherbergt der Neubau vorwiegend die Ausstellungsräume und in den übrigen Gebäudeteilen ist u.a. Platz für die Aktivitäten des MoMA auf den Gebieten der Ausbildung und Forschung.

Er greift die Idee des Museums als Laboratorium in jedem einzelnen Ausstellungsraum auf. Die Besucher werden durch die Offenheit der Raumgestaltung und durch die Anordnung der Kunst darin eingebunden und bleiben nicht als passive Betrachter zurück. Diese Art Kunst zu präsentieren lässt ein Museum entstehen, das sowohl populär, sprich beliebt, als auch populistisch im Sinne von geistig verwandelbar ist. Das Ergebnis solcher Überlegungen führt wieder zu der schon erwähnten neuen Sprache von Architektur: weg von einer eher klassizistisch bzw. neoklassizistisch geprägten Interpretation von Museumsbauten. Schließlich musste eine weitere architektonische Hürde genommen werden: die Schaffung von möglichst viel Raum auf einer relativ kleinen Grundfläche, ohne zu sehr in die Höhe zu gehen. Ein Wolkenkratzer als Museum wäre selbst für das MoMA zu avantgardistisch.

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Die Frage, ob Museumsgebäude in erster Linie durch ihre Architektur oder durch ihre Exponate bestechen, ist dann exzellent beantwortet, wenn das Bauwerk den optimalen Kunstgenuss gewährleistet, ohne sich selbst zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Taniguchi ist diese Quadratur des Kreises für (Museums-) Architekten gelungen. Umgekehrt wäre es beim MoMA schwer eine Architekturform zu finden, die seiner Sammlung die Aufmerksamkeit entziehen könnte. Diese Sammlung ist ohne Zweifel beeindruckend. Angefangen mit acht Drucken und Bildern des Post-Impressionismus – der Impressionismus feierte in den 1860iger Jahren seinen Durchbruch als neue Stilrichtung in der Kunst – wuchs die Sammlung rasch an. Heute gehört das Herz des MoMA dem Geiste Dadas: von Post-Impressionismus bis zur Pop Art sind alle namhaften Vertreter präsent. Gleichwohl liegt ein Schwerpunkt auf Picasso und Matisse. Picassos Guernica hing ebenfalls bis zum Ende des spanischen Bürgerkriegs 1981 in New York. Danach wurde es an das demokratische Spanien zurückgegeben und hängt heute im Madrider Prado. Auf aktuell 58.500 qm können die durchschnittlich 1,8 Mio. Besucher (Mittel der vergangenen Jahre vor dem Umbau) über 100.000 Exponate betrachten. Um 1980 lag die Zahl noch bei ca. 64.000. Insbesondere die Abteilung Architektur und Design versetzt die Besucher in Erstaunen über die Präsenz dieser Objekte im Alltag. Auch hierfür hat das MoMA ein sympathisches Motto:

Nach einem Besuch des MoMA wird man nie wieder einen Alltagsgegenstand gleichgültig betrachten.

 

Weitere Informationen

 

Öffnugszeiten
Sa/So/Mo/Mi/Do 10:30 a.m.–5:30 p.m.
Die geschlossen
Fr 10:30 a.m.–8:00 p.m.
Thanksgiving und 24.12./31.12. geschlossen

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