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Tagung: Körperlichkeit der Abstraktion, am 20. und 21. Oktober 2011 in Konstanz

Ziel der Tagung ist es, die strikte Opposition von Abstraktion und (figurativer) Körperlichkeit in Frage zu stellen und zu einem umfassenderen Verständnis des Körperhaften in der modernen Kunst zu gelangen.

Seit dem Eintritt in die Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts scheinen Körperlichkeit und Abstraktion einen Gegensatz zu bilden, der unterschiedliche künstlerische Positionen markiert. Auf der einen Seite stehen Ansätze, die sich der Abstraktion verschreiben und sich programmatisch vom Figurativen, Narrativen und Illusionistischen abwenden; auf der anderen Seite Ansätze, die dem Prinzip der Repräsentation verpflichtet bleiben. Die abstrakte Kunst sagt sich gemäß diesem dichotomischen Schema von körperhafter Darstellung los.

Seit den Avantgarden besinnt sich der Modernismus auf die Autonomie des jeweiligen Mediums und vollzieht einen Prozess der Reinigung und Reduktion, der teilweise mit einer Wende nach Innen einhergeht (Clement Greenberg). Während figurative Kunst auf eine Welt außerhalb ihrer selbst bezogen bleibt, wird der abstrakten Kunst nur mehr Referenz auf sich selbst zugeschrieben. Die konsequente Reduktion aller außerweltlichen Bezüge führt die Kunst an die Grenze der Selbstauflösung, die sich in stets neuen ‚letzten Bildern' und in der fortwährenden Rede vom ‚Ende der Kunst' artikuliert. Dies lässt scheinbar nur die Wahl zwischen der positiven Bewertung der Abstraktion als einer Kritik des Illusionismus oder einer Ablehnung der Abstraktion als reinem Formalismus.

Das schließt einen anderen Begriff von Abstraktion ein, die nicht allein als Reduktion (Abziehung, Abwesenheit, Abwendung) bestimmt werden darf. Zwar wird in abstrakten Kunstwerken das Körperliche nicht mehr auf figurative Weise zur Darstellung gebracht, es findet aber – so die These – auf zwei anderen Ebenen wieder Eingang in die Kunst: zum einen als das Physisch-Körperhafte des Materials in seiner sinnlichen Konkretion, zum anderen in der leiblichen Erfahrung des Rezipienten, die zum integralen Bestandteil des Kunstwerks selbst gemacht wird.

Programm

Donnerstag, 20.10.2011
Ort: Tagungsraum K 7, Universität Konstanz

09:00–09:15
Begrüßung und thematische Einführung
Olga Moskatova

  • Panel 1: Abstraktion zwischen Spur und Potenzialität

Moderation: Prof. Dr. Bernd Stiegler

09.15-10:15
Toni Hildebrandt (Basel)
Leiblichkeit, Abstraktion, Privation. Zum Corpus der Zeichnung bei Laura Lio

10:15-10:45
Kaffeepause

10:45-11:45
Kathrin Schönegg (Konstanz)
Die Dinge verschwinden lassen, um ihnen näher zu kommen. Autogenerative Photographien als Intensivierung des „Realen“

11:45-12:45
Dietmar Kohler (Halle)
Konkretion und Reflexion. Zur Phänomenalität der Silver-Serie von Wolfgang Tillmans

12:45-14:15
Mittagessen

  • Panel 2: Körper als Medium eines abstrakten Ausdrucks

Moderation: Olga Moskatova

14:15-15:15
Alexander Schwan (Berlin)
Kryptische Diagramme – Körperlich vermittelte Abstraktion im Postmodern Dance

15:15-16.15
Kristina Köhler (Zürich)
„Rosa und hellgrüne Bänder wehten tänzerisch über die Fläche.“ Zum Abstraktionsbegriff im ‚absoluten’ Film und Tanz der 1920er Jahre

16:15-16:45
Kaffeepause

16:45-17:45
Kristin Wenzel (Paderborn)
Stille. Zur Interdependenz von Leiblichkeit, Stille und Kunst aus kulturhistorischer Perspektive

ab 18:15
Hörsaal A 703, Universität Konstanz
Abendvortrag von Prof. Dr. Monika Wagner (Hamburg): „Das Auge ward Hand, der Lichtstrahl Finger“. Zur Aktivierung des Betrachterraums
Moderation: Dr. Marius Rimmele

Fortsetzung von Seite 1

Freitag, 21.10.2011
Ort: Tagungsraum K 7, Universität Konstanz

  • Panel 3: Physis des Artefakts

Moderation: Prof. Dr. Juliane Vogel

09:00-10:00
Berit Callsen (Berlin)
„L´Hourloupe“, „Réalisme radical“ und „Simulacres“: Überlegungen zur Dialektik von Körperlichkeit und Abstraktion bei Jean Dubuffet

10:00-10:30
Kaffeepause

10:30-11:30
Tomoko Mamine (Berlin)
„Als sich Geist und Material die Hand reichten“. Die frühen Arbeiten von Gutai

  • Panel 4: Leib zwischen Ephemerem und Massivem

Moderation: Dr. Ursula Ströbele

11:30-12:30
Sandra Beate Reimann (Konstanz/Wien)
Als der Raum sich krümmte. Topologische Konfigurationen im jüngeren Œuvre Richard Serras

12:30-14:00
Mittagessen

14:00-15:00
Viola Rühse (Hamburg)
Die phänomenologische und utopische Avantgarde-Ästhetik von Maria Nordman

ab 15:00 Abschlussdiskussion

Weitere Informationen

Die Tagung wird ausgerichtet vom DFG-Graduiertenkolleg "Das Reale in der Kultur der Moderne" an der Universität Konstanz. Eine Anmeldung für die Konferenz ist möglich per E-Mail an: Koerperderabstraktion@googlemail.com.