Rezensionen

Thomas R. Hoffmann: Das Fünf x 5 der Architektur. Kunst–Epochen einfach verstehen, Belser Verlag

Was Sie immer schon über die Architektur wissen wollten aber sich nicht getrauten zu fragen? Das »Fünf x 5 der Architektur« lotst Wissbegierige über die Schwelle, gemäß dem Motto »einfach – zielsicher – unterhaltsam«. Ein Wegweiser im zeitgemäßen Format, der auf das Erlebnis, das Greifbare und das Sinnliche verweist – mit der Hoffnung, dass sich der einmal gegebene Anstoß mit der Freude an eigenen Entdeckungen verbindet. Eine Rezension von Ulrike Schuster.

Cover @ Belser Verlag
Cover @ Belser Verlag

Architekturgeschichte für Einsteiger – kurz und schlüssig auf den Punkt gebracht! Dies ist der Anspruch des praktischen kleinen Büchleins. Der Verfasser, Thomas R. Hoffmann, studierte Kunstgeschichte und Geschichte und ist als Kunstvermittler an zahlreichen renommierten Berliner Museen tätig. Er publizierte für den belser–Verlag, im Rahmen der beliebten Reihe »Wie erkenne ich?« bereits die Bände über die römische Antike, Renaissance, Barock und Rokoko. Als Vermittler weiß Hoffman um die vielgestellten Fragen des Publikums und kennt wohl auch gut die Herausforderungen aus der vermittlerischen Praxis, wo der Diskurs sich selten um akademische Details dreht sondern viel häufiger um grundsätzliches Basiswissen, wo es gilt, Fülle und Komplexität auf das Verständliche zu kondensieren.

Im Vordergrund der jüngsten Publikation steht das Typische der Bauwerke, das Erkennen und Einordnen von bauhistorischen Stilen und die Einbettung in ihr zeitgenössisches Umfeld. Die einprägsame Formel »Fünf x 5« liefert hierzu den roten Faden, sie gibt Orientierung in der Vielzahl an Gebäuden, Stilen und Baumeistern. Die Darstellung konzentriert sich auf die großen Epochen der abendländischen Baukunst: Gotik, Renaissance, Barock, das 19. Jahrhundert und die klassische Moderne. Jede Periode wird anhand von fünf Bauwerken behandelt, jedes Beispiel wiederum anhand von fünf Fragen durchleuchtet. Langwierige Erläuterungen zur Baugeschichte sind ausgeblendet beziehungsweise reduziert auf einen kurzen Absatz zur Bildlegende. Die Einordnung des Bauwerks beginnt mit der unmittelbaren Frage: Was sehe ich? Auf das Erfassen der äußeren Erscheinung folgen die Fragen nach dem Anlass (Warum wurde der Bau errichtet?) und nach der Funktion des Gebäudes (Wie nutzten die Menschen das Bauwerk?). Die vierte Frage behandelt typische Charakteristika der jeweiligen Epoche (Welchen Stil zeigt die Architektur?). Der letzte Abschnitt weist schließlich hin auf besondere Details, architektonische Gestaltungselemente oder auf die angewandte Ornamentik (Welche Details prägen den Stil?). Ein kurzes Glossar am Ende des Buches erläutert die verwendeten Fachbegriffe.

Die Gestaltung des Buches ist durchwegs auf Übersichtlichkeit und gute Verständlichkeit ausgerichtet, die Texte sind kurz aber präzise formuliert. Ebenso folgt die Bebilderung dem Prinzip der klaren Sprache, anstelle von überbordender Bilderfülle genügt eine singuläre Ansicht des Baus. Innerhalb der selbst auferlegten Restriktion jedoch wurden die behandelten Bauwerke klug ausgewählt und repräsentieren eine große Bandbreite unterschiedlichster Bautypen. Der Bogen spannt sich von Kloster– und Kirchenarchitektur hin zu Burgen und Stadttoren, von Adelspalästen, Schlössern und Plätzen zu Bürgerhäusern und Zweckbauten. Mit dem 19. Jahrhundert stoßen die Denkmäler des technischen Zeitalters hinzu, die Moderne zeigt sich in der strengen wie in der kreativ–dynamischen Variante.

Hoffmann gibt damit einen Leitfaden zur Hand, der hilft, die Sprache der Gebäude zu verstehen wie auch den Reichtum des kulturellen Bauerbes im Wandel der Geschichte. Das Sympathische an diesem Buch, wie auch seinen Vorgängerbänden, auf die der Klappentext verweist (»Das Fünf x 5 der Malerei« von Astrid Hille und Dina Schäfer erschien im September 2019), ist die bewusste Ansprache an Einsteiger aus allen Altersklassen, mit dem Ziel, die Menschen für die Kunst zu begeistern, sie mitzunehmen und »gemeinsam Kunst zu entdecken«.

Ein zentrales Anliegen formuliert der Verfasser in seiner Einleitung: mit geschärfter Wahrnehmung die relevanten Merkmale von Baustilen zu erkennen und zu verstehen, was Architektur in ihrer unterschiedlichen Funktion zu erzählen vermag. Er stiftet an zu Entdeckungsreisen, zur Erprobung neuer Perspektiven beim Durchstreifen von Stadtlandschaften und Bauensembles. Er wünscht seinen Leserinnen und Lesern viel Spaß dabei. Da kann man nur zustimmen.

Thomas R. Hoffmann
Das Fünf x 5 der Architektur. Kunst–Epochen einfach verstehen
Belser Verlag, Stuttgart 2020
25 Farbabb.

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