Buchrezensionen, Rezensionen

Weihnachtsspecial: Kunstbücher für junge Leser

Mit seiner Aussage, dass »Kinder, denen die Augen geöffnet sind,[...] uns die Eltern ins Haus bringen«, hob der Leiter der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark im 19. Jahrhundert visionär die Bedeutung der Museumspädagogik hervor. Wenn man sich in der heutigen Museumslandschaft umschaut, hat diese Bemerkung nichts an ihrer Aktualität verloren. Wie kommen nun die Kinder zur Kunst? Einmal über eine besondere Vermittlung von Seiten der Museumspädagogen vor Ort, ein anderes Mal durch spezielle Bücher. Rowena Fuß hat sie sich angeschaut.

Mit Pinsel und Palette © Cover Gerstenberg | Dürer Kunstcomic © Cover Prestel | Kritzeln © Cover DuMont | Das große Buch der Kunst © Cover Prestel | Munch für Kinder © Cover DuMont | Fotografie für Kinder © Cover Prestel | Im Zaubergarten © Cover Prestel
Mit Pinsel und Palette © Cover Gerstenberg | Dürer Kunstcomic © Cover Prestel | Kritzeln © Cover DuMont | Das große Buch der Kunst © Cover Prestel | Munch für Kinder © Cover DuMont | Fotografie für Kinder © Cover Prestel | Im Zaubergarten © Cover Prestel

Die Kunstbücher für junge Leser bilden bisher eher eine Ausnahme in den Verlagsprogrammen, wie ein Blick in dieselben zeigt. Wenn man sich aber den meist kunterbunten Büchern in ihrer abgelegenen Nische nähert, kann man in den meisten Fällen sehr vergnügliche Entdeckungen machen.

Mit Tipps, Tricks und Ideen, wie man tolle Fotos macht, ist »Klick!Klick!Klick! Fotografie für Kinder« aus dem Hause Prestel das einzige Kunstbuch, das sich einer Gattung widmet. Es bietet einen sehr kompakten Überblick über das Genre und macht Lust, es selbst zu probieren. In kleinen Infokästen befinden sich in den Kapiteln zu Meilensteinen der Fotografie und bekannten Fotografen zudem wichtige Kurzinformationen zum Künstler oder zur abgebildeten Aufnahme. Kapitel zur Bildbearbeitung runden das empfehlenswerte Buch für Leser ab 8 Jahren schließlich ab.

Zum Mitmachen lädt auch »Kritzeln, zeichnen, Kunst entdecken« aus dem Hause DuMont ein. Laut Klappentext sollen die Übungen den eigenen künstlerischen Einfallsreichtum anregen und Kritzel- sowie Zeichenfreunde aller Altersklassen befriedigen. Mittels berühmter Vorbilder, wie Leonardos »Mona Lisa« oder van Goghs »Stillleben mit Sonnenblumen«, wird der Leser aufgefordert, selbst tätig zu werden. Im ersten Beispiel soll er das Lächeln des berühmten Bildes in sechs Vorlagen vervollständigen, im zweiten Beispiel soll er die Blüten mit vielen Gelb- und Orangetönen ausmalen. Ferner gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die Zeichnung von Gegenständen, inklusive Informationen zu Farben wie Karminrot, Ocker, Lapislazuli oder Purpur, der Schraffur oder den verschiedenen Mal- und Zeichenmaterialien. Nie sind die Informationen zu lang und die Lust, es den bekannten Malern nachzutun, ist umso größer. Es ist daher wirklich allen Altersgruppen zu empfehlen!

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Weitere Mitmachbücher finden sich im Prestel Verlag. »Im Zaubergarten Paul Klee« geht es weniger um den berühmten Künstler selbst, als darum, bestimmte Aufgaben zu lösen. Klees Werke dienen nur zur Veranschaulichung. So dient Klees Aussage, dass Kinder große Künstler seien, eingangs dazu, dass sich die jungen Leser des Buches mit dem Künstler identifizieren. Nachfolgend wird zudem betont, dass Klee die Welt immer aus Kinderaugen betrachtet hätte. Den nach innen gewendeten Blick, in die eigene nuancenreiche Gedankenwelt soll der Leser auch auf äußerliche Dinge anwenden. Zum Beispiel sind den Nahaufnahmen von Rotkohl, Computerplatine & Co. die passenden Begriffe zuzuordnen oder es sollen die rätselhaften Zeichen in Klees Bild »Vorhaben« zu sinnvollen Gegenständen vervollständigt werden. Wenig sinnvoll sind allerdings einige Quizfragen, die nach der Anzahl der Kleearten (der Maler wird immer mit der Pflanze verknüpft) fragen oder wo der Rekord an Blättern bei einer Kleepflanze liegt bzw. was das Sprichwort „jmd. über den Klee loben“ bedeutet. Es ist anzuzweifeln, ob ein Achtjähriger das schon weiß. Auch ältere Leser dürften damit eher überfordert sein. Ebensolches gilt für die Fragen eines weiteren Multiple-Choice-Tests, der u.a. danach fragt, was Klee mit seiner Wortneuschöpfung „Lomolarm“ bezeichnet. Die Begriffe kommen nicht in den kurzen Texten vor, aber zum Glück gibt es am Schluss des Buches eine Auflösung. Daher der Tipp: Die holprigen Informationstexte zu Klee überlesen und sich gleich den herausfordernden Aufgaben widmen!

Seinen Fokus kann man weiter in »Mein großes Buch der Kunst« von Prestel schärfen. In zahlreichen Bildern aus der Kunstgeschichte soll der Leser ab 4 Jahren jeweils Details finden, die oberhalb abgebildet oder aufgeschrieben sind. So soll man beispielsweise bei Kandinskys Bild »Himmelblau« ein Schaukelpferd suchen oder eine hellgrüne Qualle mit bunten Tentakeln. Bei Marcs Bild »Stallungen« soll man hingegen quadratische Bildausschnitte wiederfinden.

Die Wissensvermittlung steht hingegen bei »Mit Pinsel & Palette. Große Meister und ihr Werk« aus dem Gerstenberg Verlag im Mittelpunkt. Eingeleitet mit einer Anekdote aus dem Leben des Künstlers werden wichtige Maler von der Renaissance bis zur Moderne vorgestellt. Nur zu gern folgt man daher den unterhaltsamen Ausführungen zum Leben des Raufbolds Caravaggio oder des genialen Erfinders Leonardo. Für Leser ab 12 Jahren sicherlich ein interessant gestalteter Einstieg in die Welt der Kunst!

Äußerst unterhaltsam wird dem Leser ab 9 Jahren auch das Leben Albrecht Dürers im Kunst-Comic aus dem Prestel Verlag nahe gebracht. Die verschiedenen Stationen im Leben des berühmten Grafikers und Malers werden durch einen Comic-Strip illustriert und eingangs von einem bekannten Bild dieser Zeit begleitet. Eine vergnügliche Entdeckungsreise von Dürers Lebensweg, die ich nur empfehlen kann!

Sehr schön gemacht ist auch »Edvard Munch für Kinder« von DuMont. Das Buch besticht durch einen logischen Aufbau, der das Wichtigste zum Künstler in Kürze präsentiert. Es erfolgt bei den Bilddeutungen immer der Verweis auf schon Betrachtetes, was die Aufgabe, sich selbst zum Bild Gedanken zu machen, wesentlich erleichtert. Es ist für Grundschüler absolut empfehlenswert!

Was man als Charakteristikum des Kinderkunstbuches herausfiltern kann, ist, dass die Titel nie groß belehren wollen. Wissensvermittlung geschieht eher unterschwellig. Vielmehr soll durch das Beispiel berühmter Maler und deren Werke das Sehverhalten und die Konzentration geschult werden. Ferner regt der Aufruf zum Mitmachen die eigene Fantasie an. Hier verzahnen sich Buch und Museumsarbeit wieder, ganz gemäß Lichtwarks Forderung: »Wir wollen nicht ein Museum, das dasteht und wartet, sondern ein Institut, das thätig in die künstlerische Erziehung unserer Bevölkerung eingreift […]«.

Am Rande sei dazu angemerkt, dass im Kerber und Kehrer Verlag speziell Bücher zur Wissensvermittlung im Museum erschienen sind. Mit Titeln wie »Fliegende Hunde und andere seltsame Dinge« oder »Ich zeig’s euch« werden Kinder und Kunst zusammengebracht.