Workshop: Bildvorlagen. Zwischen Ästhetik und Zweck, am 31. Januar und 1. Februar 2018 in Berlin

Der vom Forschungsprojekt »Urform und Umbildung. Naturvorbilder und das Paradoxon künstlerischer Natürlichkeit« ausgerichtete Workshop widmet sich den Bildvorlagen- und Modell-Sammlungen im Archiv der UdK Berlin und untersucht damit ein Medium, das zwischen Kunst und technischer Reproduktion angesiedelt ist und eine besondere Herangehensweise erfordert. Dabei geht es auch ins die Archivräume der UdK.

Im Archiv der Universität der Künste Berlin (UdK) befinden sich umfangreiche, einzigartige Bildvorlagen- und Modell-Sammlungen, die von 1850 bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts für Zwecke des Unterrichts zusammengetragen und hergestellt worden sind. Besonders im Bestand der Fotografien befinden sich Werke von hervorragender Qualität: zum Beispiel Abzüge auf Salzpapier aus der Frühzeit des Mediums oder die berühmten Großaufnahmen von Pflanzenformen, die Karl Blossfeldt als Lehrer für Modellieren schuf. Trotz des hohen ästhetischen Rangs, den viele der Einzelstücke aus heutiger Sicht besitzen, handelte es sich ursprünglich um funktional zu verstehende »Hilfsmittel« in Kunst, Kunstgewerbe und Kunsthandwerk. Gerade in ihrer besonderen medial bedingten Stellung zwischen technischer Reproduktion und Kunst verdient die Bildvorlage Aufmerksamkeit. Als ein spezifischer Typus didaktischer Bildlichkeit ist sie in der Forschungslandschaft bislang nur selten zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen geworden.

Der Workshop widmet sich der historischen Bildvorlagen-Sammlung der Universität der Künste in zweifacher Hinsicht: In einem sammlungspraktischen Teil, der im Archiv ausgerichtet wird, stehen Genese und Struktur der Sammlung im Fokus. Ausgewählte Bildvorlagen, Modelle und zugehörige Archivalien werden im Original gezeigt und erläutert. In einem zweiten Teil, der im Zentrum für Literatur- und Kulturforschung stattfindet, werden Bildvorlagen unter besonderer Berücksichtigung des Themas Natur in den Blick gerückt und ihre Funktion wie ihre epistemologische Dimension erörtert.

Programm

Sektion I: Fotografien in den Bildvorlagen-Sammlungen des UdK-Archivs

Mittwoch, 31.01.2018, 14.00–17.00
Ort: Universität der Künste Berlin, Universitätsarchiv, Einsteinufer 43, 10587 Berlin
Die im UdK-Archiv befindlichen Sammlungen umfassen schätzungsweise 40.000 Bildvorlagen, darunter 25.000 Fotografien. Von ihnen war bei Beginn des BMBF-Projekts im März 2017 gewissermaßen nur die Spitze des Eisbergs sichtbar. In Sektion I des Workshops werden die Ergebnisse der bisherigen Arbeit an der Sammlungs-Aufarbeitung vorgestellt und diskutiert.
Aufgrund des begrenzten Platzes bitten wir für Sektion I um Anmeldung bis zum 21. Januar 2018 (via E-Mail an: archiv@udk-berlin.de)

14.00 Uhr
Dietmar Schenk (UdK): Einführung: Forschungen an Sammlungen und Objekten im UdK-Archiv

14.30–15.15 Uhr
Anastasia Dittmann (UdK): Fotografien in den Bildvorlagen-Sammlungen der Berliner Kunstgewerbeschule und Kunstakademie. Ein Überblick

15.15–16.00 Uhr
Demonstrationen anhand von Originalen

16.15–17.00 Uhr
Bewahren – Erschließen – Vernetzen – Ausstellen – Erforschen. Perspektiven des archivarischen und wissenschaftlichen Umgangs mit den Bildvorlagen-Sammlungen im UdK-Archiv
Werkstattgespräch mit Ludger Derenthal (Kunstbibliothek, Staatliche Museen Berlin), Monika Faber (Photoinstitut Bonartes, Wien), Stefanie Klamm (Kunstbibliothek, Staatliche Museen), Ulrich Pohlmann (Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie), Esther Ruelfs (Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg), Michael Ponstingl (Albertina Wien), Paul Mellenthin (Universität Basel), Ralph Gleis (Alte Nationalgalerie, Berlin)

Sektion II: Vom Bild zur Umbildung. Die Bildvorlage und ihre Übertragungsvorgänge

Donnerstag, 01.02.2018, 10.00–16.00
Ort: Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL), Schützenstraße 18, 10117 Berlin, 3. Et., Seminarraum
In diesem Teil des Workshops interessieren Bildvorlagen an der Schnittstelle von Kunst(handwerk), Technik und Lehrkonzept, wo sie jenseits bloßer Repräsentation das Verhältnis von Ästhetik und Zweck stets neu ausloten. Im Fokus stehen die erzieherischen Aspekte von Bildvorlagen in Verbindung mit Programmen von »Bildung« wie auch mit künstlerischen Praktiken der »Umbildung«. Die Bildvorlagen von Natur verdienen mit Blick auf die damit verbundenen Übertragungsvorgänge besondere Aufmerksamkeit: Welche Funktion erfüllt die Praxis des Vorlegens? Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Ästhetik und Botanik, zwischen wissenschaftlicher Objektivität und künstlerischer Produktion?

10.15 Uhr
Judith Elisabeth Weiss (ZfL): Einführung: Natur vorlegen

10.15–12.30 Uhr
Moderation: Judith Elisabeth Weiss (ZfL)

  • Angela Nikolai (HU Berlin): Natur bildet. Moritz Meurers Lehrpflanzen als Bildungsprogramm
  • Angela Lammert (Akademie der Künste, Berlin): Karl Blossfeldt: Zwischen Herbarium und Film
  • Kathrin Meyer (Deutsches Hygiene-Museum Dresden): Pflanzen(bilder) zwischen Kunst und Wissenschaft

14.00–15.30 Uhr
Moderation: Alexandra Heimes (ZfL)

  • Georg Toepfer (ZfL): Bilder von Vorbildungen: Zu einer Typologie von Abbildungen im naturhistorischen Kontext (Authentizität, Objektivität, Epistemizität)
  • Gottfried Schnödl (Leuphania Universität Lüneburg): Kontur des Lebendigen. Karl Blossfeldt und »der Monismus der allmählichen Uebergänge«

15.30 Uhr
Abschlussdiskussion

Weitere Informationen unter www.zfl-berlin.de

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