Ausstellungsbesprechungen

Zeitgenössische afrikanische Kunst DAK'ART, Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart, bis 3. Januar 2010

Der Kunstmarkt hat bekanntlich ein sehr vereinnahmendes Wesen. Neben den aktuellen Strömungen im eigenen Land greift er auch gern nach fremden Kulturen: China hielt lange stand, findet aber schon nicht mehr das gleiche Interesse wie in den vergangenen Jahren – nun müssen Indien und die arabische Welt neuerdings herhalten. Dagegen lässt sich Afrika nur schwer vereinnahmen.

Immer wieder ist Afrikas Kunst präsent, ergänzt oder bereichert so manche Biennale und Triennale, aber nur selten zieht eine vom Markt beherrschte Afrika-Woge über die Kunstlandschaft. Das ifa, das keinem Zeitgeist hinterherlaufen muss, nutzt die selbstbewusste Kunstszene des schwarzen Kontinents und stellt mit DAK\'ART, der 8. Biennale zeitgenössischer afrikanischer Kunst – einer in Dakar (Senegal) viel beachteten Ausstellung –, die aktuelle Kunst Afrikas in ausgewählten Arbeiten vor: mit beeindruckender Objektkunst, sensationellen Videos und ergreifenden Bildern. Von den klassischen Gattungen ragen die erdigen Situationsbilder von Sokey Edorh aus Togo heraus, die ihre Heimat in Chiffren, Schriften und Symbolen widerspiegeln. Die neuen Medien sind mit Athi-Patra Ruga erstklassig vertreten, der zwischen Travestie und Gesellschaftssatire alle Register zieht und so manche geschlechtsspezifischen Tabus bricht. So überschaubar diese Präsentation auch ist, streift sie doch auf hohem Niveau die Kernprobleme der globalisierten Welt: Migrationsströme, Kriege, rassistische Übergriffe – all das wird in den vordergründig selbstreflexiven Werken thematisiert.

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft beschwört die Niederländerin Judith Quax, die mit ihren Fotos von menschenleeren Räumen zeigt, dass jene Hoffnungsschimmer keinen leichten Stand haben, und als Europäerin, dass der Arm Afrikas weit nach Europa hinein reicht. Universell legt auch Pélagie Gbaguidi ihre Arbeiten an, beeindruckend sind die über den Fußboden strömenden Mini-Papierschiffchen, die kontextuell an die Geschichte des Sklavenhandels gemahnen. In anderen Werken kann man personalisierte Boxsäcke mit wahlweise »weißen« und »schwarzen« Gesichtern malträtieren – so bei dem Südafrikaner Johan van der Schijff. Die Kunstgattungen sind von dem Fotografen und Kurator Akinbode Akinbiyi exemplarisch ausgesucht worden. So kommt auch das Design nicht zu kurz: Cheick Diallo zeigt u.a. Stuhlobjekte, die sich vor der europäischen Konkurrenz nicht verstecken müssen. Weitere Künstler sind El Hadji Mansour »Kanakassy« Ciss, Cheick Diallo, Saïdou Dicko, Samba Fall, George Fikry, Abdoulaye Armin Kane, Amal Kenawy, Achilleka Komguem, Mohamed Konaté, Nandipha Mntambo, Grace Ndiritu, Nkosikhona Ngcobo, Ibrahima »Piniang« Niang, Anira Prebay Ranarivelo und Guy Wouete.

 

Weitere Informationen
 

Öffnungszeiten:
Di - Fr 12 - 18 Uhr
Do 12 ¬ 20 Uhr
Sa/So 11 - 16 Uhr

Katalog (nur in der Galerie erhältlich):
Akinbode Akinbiyi (Hrsg.): Spot on Dak’Art. Die 8. Biennale zeitgenössischer afrikanischer Kunst. Stuttgart 2009