Buchrezensionen

Andreas Lukoschik: Die Cézanne Connection, Emons Verlag 2015

Ein Cézanne Gemälde wird gestohlen! In Andreas Lukoschiks Werk darf der Leser Teil eines komplizierten und aufwendigen Kunstraubs werden und mitverfolgen, wem das Gemälde als nächstes in die Hände fällt. Ein Versicherungsagent und ein Kunsthändler machen sich gemeinsam mit ihrem Team auf die Suche nach den Dieben. Bianca Straube hat das Buch gelesen und für uns rezensiert.

Kunstdiebstahl, Fälschungen, Versicherungsbetrug – Schlagworte, die sowohl aktuell in den Medien kursieren als auch die Leserschaft von Kriminalromanen fesseln. Andreas Lukoschik entfaltet auf 236 Seiten seines Buches »Die Cézanne Connection« den Verlauf und die Aufklärung einer verwobenen Geschichte, die mit einem verschwunden Cézanne Gemälde ihren Anfang nimmt.

Der freiberufliche Versicherungsagent und Wiederbeschaffer verschwundener Kunstwerke Anatol Balthasar Trockau, wird während eines Aufenthaltes in Rom von der deutschen Kunstversicherung Artecuritas beauftragt einen gestohlenen Cézanne aufzuspüren. Dabei unterstützen ihn sein sechsköpfiges Team und der Schweizer Kunsthändler Renzo Landolt, der zufällig jenen gestohlenen Cézanne zum Kauf angeboten bekommt. Das Team, das seine Nachforschungen zunächst in Rom und in Zürich startet, kommt schnell auf die Spur eines gewissen Rocas, einem korsischen Kleingauner und Kunstdieb. Dank des Computergenies Ernst können das gestohlene Werk und Roca selbst am Hafen des italienischen Savona geortet werden. Dort trifft das Team aufeinander. Der Korse hat indessen eine Kopie des Cézannes anfertigen lassen. Eine Verfolgung Rocas über Norditalien bis zur Schweizer Grenze beginnt. Die Geschichte ist bestimmt durch Zufälle – ein Autounfall bringt das Originalkunstwerk in den Besitz des Anatol Trockau. Doch erst hier wird das Ausmaß des Verbrechens enthüllt. Das Team ist in ein kühnes Unternehmen von groß angelegtem Kunstdiebstahl und Versicherungsbetrug geraten. Das friedliche Kleinwalsertal in Österreich wird zum Schauplatz der Handlung und zum Versteck millionenschwerer Kunstwerke. Dahinter stecken ranghohe Akteure, deren Handeln Stück für Stück zu Tage tritt. Trockau sieht sich am Ende nicht nur damit konfrontiert die gestohlenen Werke zurückzugeben, sondern auch die Drahtzieher zu entlarven.

Die Handlung des Romans vollzieht sich innerhalb von neun Tagen. Mit der Angabe des Tages und einer genauen Ortsbestimmung strukturiert Lukoschik den Verlauf klar und gut nachvollziehbar. Inhaltlich erwartet man zu Beginn eine tiefergehende Geschichte, die aber bald nach dem Auffinden des ersten Cézannes erheblich abflacht. Es entwickelt sich ein absehbares Katz-und-Maus-Spiel, das mit moralischer Überlegenheit die ‚Guten‘ zum Sieger kürt. So wird zum Bespiel die Figur Roca mehrmals durch Autounfälle oder plötzliche Polizeikontrollen aufgehalten. Die Charakterisierungen der zahlreichen Protagonisten bleiben, möglicherweise aufgrund ihrer Anzahl, an der Oberfläche. Obwohl die Schilderungen der luxuriösen Kunstwelt und deren Personenkreis durchaus realistisch angelegt sind, bieten die Hauptfiguren wenig Identifikationsfläche. Konstruierte Gegensätze wie die Zwillingsbrüder August und Ernst – feinsinniger Kunsthistoriker und pragmatischer Informatiker, wirken klischeebesetzt. Insgesamt resultieren die Figurenbeschreibungen aus einer klaren Unterscheidung zwischen ‚Gut‘ und ‚Böse‘. Allein der Cézanne-Sammler Johan Jakob Löwenthal schwankt beim Lesen zwischen diesen Polen. Die Sprache ist ebenso wie die Struktur des Romans klar und verständlich. Stellenweise tauchen detaillierte Ortsbeschreibungen, wie beispielweise vom österreichischen Kleinwalsertal auf, die passend in den Lesefluss eingefügt werden. Dagegen wirken historische Informationen eingeschoben und etwas hölzern. Darunter auch die wenigen Details zu Paul Cézanne selbst, auf dessen Erwähnung man, dem Titel zu Folge, öfter gehofft hatte.

Insgesamt startet Andreas Lukoschik in »Die Cézanne Connection« mit einer spannenden Idee, die leider schon nach den ersten Seiten an Substanz verliert. Klischeebesetzte Charaktere und eine wenig tiefsinnige Handlung erschweren ein völliges Eintauchen in die Geschichte, was von einem Kriminalroman zu erwarten wäre. Die Struktur und die Sprache des Romans machen ihn jedoch zu einer leichten Lektüre mit Unterhaltungswert.