Ausstellungsbesprechungen

Der Kieler Maler Carl Arp (1867-1913), Stadtmuseum Warleberger Hof Kiel, bis 23. Oktober 2016

Anlässlich der im Juni stattfindenden Kieler Woche zeigt das Kieler Stadtmuseum in seinen Räumen jährlich eine Sonderausstellung. Aktuell steht das Schaffen des Kieler Landschaftsmalers Carl Arp im Vordergrund. Freya Leonore Niebuhr hat sie sich angesehen.

Fast wäre aus ihm ein Gärtner geworden. Aber nur fast, denn die Lehre brach Carl Arp ab, um sich stattdessen der Kunst zu widmen. Seine Entscheidung sollte er nicht bereuen. Als Maler reiste er bis nach Tunis und Italien, lebte in einer Künstlerkolonie sowie in Paris und wurde schließlich Professor.

Arp, Cousin des bekannten Dada-Künstlers Hans Arp, war gebürtiger Kieler und im Laufe seines Lebens an unterschiedlichen Orten im In- und Ausland tätig. Er stammte aus einer Kieler Familie, die eine Brauerei besaß und schon früh das künstlerische Talent des Sohnes unterstützte. 1886 nahm er schließlich ein Studium an der beliebten Weimarer Malerschule bei Leopold von Kalckreuth und Theodor Hagen auf.

Die Zeit in Weimar vermittelte ihm künstlerisches Fachwissen wie z.B. die Spachteltechnik, die bei einer Vielzahl der in Kiel ausgestellten Werke zum Einsatz gekommen ist. Den Einfluss von und die Setzung des Lichts hingegen erlernte er vorrangig auf Reisen nach Italien. Besonders in den Winterlandschaften, einem wiederkehrenden Motiv seines Œuvres, wird ersichtlich, wie sehr Arp es vermochte, Licht und bläulichen Schatten miteinander zu kombinieren sowie deren Wechselwirkung sichtbar zu machen. Er malte dynamisch und die Farben seiner Werke sind häufig mehrschichtig und pastos.

Der Großherzog von Weimar selbst verpasste der Karriere des Kielers jedoch zunächst einen Dämpfer, indem er die Entfernung von Carl Arps Werken aus der Dauerausstellung anordnete. Er war der Meinung, der Künstler sei nicht talentiert genug. 1894 verließ dieser daraufhin die Schule ohne Abschluss. Zwei Jahre später lebte er mit Frau und Sohn in Taormina an der Ostküste Siziliens, 1898 kehrte er mit der Familie vorerst in seine Heimatstadt an der Förde zurück.

Trotz häufiger Umzüge blieben norddeutsche Landschaften stets Motive seiner Werke. Er malte die Kieler Förde und den Fluss Schwentine, die Holsteinische Schweiz, Weiden und Seen in Schleswig-Holstein, Sylter Klifflandschaften. Zeitweise lebte Carl Arp im Fischerdorf Gothmund bei Lübeck, wo er Kontakt zu anderen Künstlern pflegte. Besonders die Freundschaft zum Maler Christian Rohlfs beeinflusste sein Schaffen deutlich. Die beiden Maler arbeiteten 1900 und 1910 sogar an gemeinsamen Werken und waren geradezu unzertrennlich.

Arp malte die Natur in allen Jahreszeiten: blühende Bäume im Frühjahr, das Meer im Sommer, Kornhocken in der herbstlichen Erntezeit, Winterlandschaften. Nicht nur die Freilichtmalerei beherrschte er. Bäuerliche Szenen fanden ebenfalls Eingang in seine Kunst, so z.B. im Gemälde »In der Knechtekammer« (1900). Sogar ein »Rückenakt« (1905) findet sich unter seinen Werken. Vermutlich regte ihn hierzu sein Parisaufenthalt 1904/1905 an. Die Zeit in der französischen Hauptstadt und Kunstmetropole war für sein künstlerisches Fortkommen besonders essenziell, da er sich hier mit der neoimpressionistischen Malweise vertraut machen konnte, wie er sie später z.B. in Gemälde von Sylter Landschaften einfließen ließ. Die Nordseeinsel war Anfang des 20. Jahrhunderts wiederholt Ziel seiner Studienaufenthalte und bot ihm reichlich Anregungen.

Geografisch festgelegt war er ebensowenig wie auf bestimmte Motive. Auf zahlreichen Reisen sammelte er Eindrücke, die er künstlerisch dokumentierte. Die Alpen oder der »Titusbogen in Rom« (um 1895) avancierten zu Inhalten seiner Gemälde. Auch venezianische Motive in Öl auf Malpappe fehlen nicht unter den ausgestellten Werken.

Genauso vielfältig wie die Themen sind die künstlerischen Techniken, derer Arp sich bediente. Er experimentierte mit verschiedenen Materialien. Neben Gemälden aus Ölfarben fertigte er in den späten 1880er Jahren beispielsweise aquarellierte Bleistiftzeichnungen an. Radierungen und Lithografien zählten gleichermaßen zu seinem Repertoire.

Die Vielfalt in Arps künstlerischem Werk beeindruckt. Auch der Großherzog von Weimar musste sich Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich eingestehen, wie talentiert der Kieler wirklich war. 1905 kam die Kehrtwende und Carl Arp wurde doch noch Meisterschüler in Weimar. Mit seiner Karriere ging es von da an weiter bergauf: 1910 stellte er in der Kieler Kunsthalle aus, im gleichen Jahr krönte der Großherzog das Können des ehemaligen Schülers mit der Verleihung des Professorentitels und 1912 erhielt er den Auftrag, Arbeiten für das Kieler Rathaus anzufertigen. Auf dem Zenit seiner Karriere angelangt, starb Carl Arp aber 1913 überraschend nach einer Magen-Operation in Jena.

Die Kieler Ausstellung ist ein Muss für Freunde der Landschafts- und Freilichtmalerei, aber auch für Kiel- und Norddeutschlandfans. Rund 80 Gemälde und Grafiken vermitteln eindrucksvoll, wie vielfältig das Œuvre Carl Arps ist und mit wie viel Talent der Maler seine lichten Bilder schuf. Ergänzend zu den Gemälden werden in Schaukästen Postkarten und Briefwechsel ausgestellt. Eine Auswahl an Fotos, die den Besuchern auf einem Monitor präsentiert wird, verdient darüber hinaus besondere Beachtung. Die hier gezeigten Fotos wurden bisher nicht veröffentlicht und sind Teil einer rund 200 Glasplattennegative umfassenden Sammlung. Arp dienten diese Fotos im Format 9x12mm als Arbeitsmaterial und private Erinnerungsstücke.