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Kartografie zwischen Kunst und Wissenschaft

Eine Ringvorlesung an der Universität Jena widmet sich im Wintersemester 2014/15 der Karthografie und untersucht ihr künstlerisches Potenzial.

Jahrhunderte lang war die Kartografie eng mit den bildenden Künsten verbunden: Maler wie Leonardo da Vinci und Dürer schufen auch Karten und umgekehrt folgten die Kartografen ästhetischen Prinzipien, die denen der Veduten- und Landschaftsmalerei verwandt waren. Doch trotz aller Gemeinsamkeit unterlagen Karten und Gemälde schon in der Blütezeit der Kartografie im 16. Jahrhundert unterschiedlichen Paradigmen. Mit dem im 18. Jahrhundert aufkommenden Anspruch auf Objektivität verschärfte sich diese Differenz und erreichte mit der Verwissenschaftlichung der Kartografie im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Die Karte galt nun als ein neutrales, allein objektiven Kriterien verpflichtetes Medium, das dem Kunstwerk diametral entgegensteht.

Dass diese Neutralität der Effekt einer komplexen Rhetorik ist und dass eine Karte stets implizite Deutungen und Wertungen enthält, folglich spezifische Weltbilder (re)produziert und Machtansprüche geltend macht, hat die kritische Geografie der letzten Jahrzehnte aufgezeigt. Seither ist das Verhältnis von Kartografie und Kunst wieder zum Gegenstand der Reflexion geworden. So werden heute unter dem Begriff »Mapping« auch subjektive Kartierungsverfahren gefasst. Nicht zuletzt wird die Karte und werden Verfahren der Kartografie in jüngerer Zeit vermehrt von Literatur und bildenden Künsten aufgegriffen. Einer der Vorreiter künstlerischer Auseinandersetzung mit der Kartografie ist Stephan Huber, dessen Werk »Alte Welt – Neue Welt« die FSU kürzlich erworben hat.

Die Ringvorlesung untersucht das spannungsreiche Verhältnis von ästhetischem und wissenschaftlichem Paradigma in der Kartografie aus unterschiedlichen Perspektiven. In historischen Fallstudien vom 14. bis zum 21. Jahrhundert wird der Wandel dieses Verhältnisses untersucht, systematisch wird nach den Spezifika der Zeichensysteme Kartografie, Malerei und Literatur gefragt und aus künstlerischer Perspektive werden die Potenziale kartografischer Verfahren und ihrer Überschreitung freigelegt.

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