Ausstellungsbesprechungen

Mastershow

In der Gruppenausstellung »Mastershow« präsentiert die Vonderbank Artgallery Hamburg herausragende Positionen der deutschen und amerikanischen Kunst nach 1945.

Dabei werden Werke der deutschen Künstler Georg Baselitz, Jörg Immendorff, A.R. Penck, Sigmar Polke und Günther Uecker im Dialog mit den Arbeiten der amerikanischen Künstler Robert Rauschenberg, James Rosenquist und Tom Wesselmann gezeigt.

In konzentrierter Zusammenschau stehen die ausgewählten Papier-, Leinwand- und Aluminiumarbeiten paradigmatisch für einige der bedeutendsten Strömungen der zeitgenössischen Kunst. Die gezeigten Werke dokumentieren unterschiedlichste künstlerische und stilistische Tendenzen. Dabei reicht die Bandbreite von abstrakter bis gegenständlicher Formensprache, von Grafik bis Malerei, von politisch und gesellschaftlich motivierten Fragestellungen bis hin zu kunsttheoretischen Überlegungen.

Parallel zur Ausstellung in der Kunsthalle (bis 6. Januar 2008), zeigt auch die Vonderbank Artgallery Hamburg eine Vielzahl von Werken Sigmar Polkes. Der Grafiker und Maler beschäftigt sich konstant mit der Frage, was ein Bild eigentlich ist. Dabei geht er von Bildern der Massenmedien aus, die er als manipulierte und weiter manipulierbare Realität versteht. Mit visionärer Kraft und technischer Meisterschaft gelingt es ihm, Alltäglichem einen anspruchsvollen Impetus zu verleihen. Polke beweist in seinem vielseitigen Werk einen scheinbar unerschöpflichen Ideenreichtum und eine ungemeine Experimentierfreudigkeit. So bedruckt er Dekorationsstoffe und zahlreiche andere triviale Materialien, fertigt Rasterpunktbilder an oder bemalt schwarzes Tonpapier mit Interferenzfarbe, die aus der Überlagerung zweier Farben hervorgeht.

Die Wirkung, die durch diese farbliche Überschneidung entsteht, ist enorm. Nachvollziehen kann der Ausstellungsbesucher dies anhand der großformatigen, unbetitelten Arbeit: Da ist dieser schwarze Grund, auf dem sich ein intensives, von hellen Partien durchwobenes Blau vom oberen zum unteren Bildrand bewegt. Einem hauchfeinen Stoff vergleichbar scheint sich die Farbe sanft auf den Grund zu legen. Und dennoch ist es gerade jene Spannung zwischen schwarzer Monotonie und ausdifferenzierter Farbigkeit, zwischen stagnierender Schwere des Grundes und fließender, vitaler Leichtigkeit der Oberflächenstruktur, die der Arbeit ihren ganz eigenen Charme verleiht.

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Die Werke von Jörg Immendorff und A.R. Penck hingegen zeigen eine gegenständliche Malweise mit politischen, gesellschaftlichen und kritischen Inhalten.

Die beiden Maler thematisieren in ihren Bildern die deutsche Geschichte. Während Immendorff seine Bildthematik mit impulsiven Pinselstrichen, teils expressiv teils gegenständlich wiedergibt, stellt A.R. Penck mit seinen »Strichmännchen-Figuren« und archetypischen Symbolen modellhafte und kollektive Existenzformen der Menschen, ihre Verhaltensweisen, Erfahrungen und Ereignisse in reduzierter Form dar.

In ihrer Reduktion greifen Pencks urgeschichtliche Figuren und Formationen ineinander, bedingen einander gegenseitig und begründen so ein dynamisches Spiel. In flinkem Pinselduktus setzt der Künstler schwarze Lineamente auf den weißen Grund, deren innere Formen partiell mit einem erdigen Rotbraun und einem Grauton ausgefüllt werden. Als Betrachter können wir die Linienführung, das Wechselspiel der Farben und Formen beobachten und dabei Zeuge werden, dass dieses Bild ganz unterschiedliche Aussagen machen und nie zur Gänze ergründet werden kann, worin der eigentliche Reiz besteht.

Robert Rauschenberg, James Rosenquist und Tom Wesselmann zählen zu den Hauptvertretern der amerikanischen Pop-Art, der Kunstrichtung, die Mitte der 1950er Jahre entstand und in den 60er Jahren zur herrschenden künstlerischen Ausdrucksform aufstieg. Die Motive sind der Alltagskultur, der Welt des Konsums, den Massenmedien und der Werbung entnommen und zeigen sich in grellbunten Farben auf großformatigen Leinwänden. Dass die Pop-Art-Künstler sich dabei nicht nur auf den üblichen Malgrund beschränken, zeigt Tom Wesselmanns dreidimensionale Arbeit »A46 Seven Up Blues«, ein mit Ölfarbe bemaltes, aus Aluminiumstücken zusammenkomponiertes Werk, das – wie so häufig bei diesem Künstler – die Grenze zwischen Malerei, Plastik und Raum aufhebt. In leuchtender, vitaler Farbigkeit präsentieren sich abstrakte Formationen, die auf den ersten Blick wirr durcheinander gewürfelt erscheinen. Doch bei näherer Betrachtung lässt sich die Komposition von Farbe und Form erschließen: Es ist die Ausgewogenheit von hellen, warmen und dunklen, kalten Farben, von eckigen und runden, von kleinen und großen Formen.

Der Vonderbank Artgallery ist mit »Mastershow« wirklich eine meisterliche Präsentation gelungen. Indem die Arbeiten dieser acht Künstler in einer Ausstellung vereint sind, entspannt sich ein äußert fruchtbarer Dialog, dem der Betrachter in den stimmungsvollen Ausstellungsräumen lauschen kann. Fazit: Eine tolle Ausstellung, die Lust auf mehr macht!

 

 

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Öffnungszeiten
Mo-Fr 11-19 Uhr
Sa 12-17 Uhr
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