Ausstellungsbesprechungen

Pracht auf Pergament - Schätze der Buchmalerei von 780 bis 1180, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München, bis 13. Januar 2013

Pergamente, seitenweise bemalt mit dem Pulver der kostbarsten Edelsteine und ausgeschmückt mit reinem Gold. Figuren, die die wunderlichsten Gebärden ausführen und trotzdem majestätisch wirken. Und Buchstaben, die eher lebenden Fabelwesen ähneln als bloßen Schriftzeichen. In einer einzigartigen Sammlung präsentiert die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München ausgewählte Werke der mittelalterlichen Buchmalerei. Katharina Glanz hat sich die Ausstellung für Sie angesehen.

In einer spektakulären Schau zeigt die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung derzeit einen einmaligen Schatz von insgesamt 75 mittelalterlichen Handschriften aus dem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek sowie der Staatsbibliothek Bamberg. Die Ausstellung bietet damit einen breiten Überblick über die frühesten und wertvollsten Zeugnisse deutscher Buchmalerei von der Zeit der Karolinger und Ottonen bis hin zur Romanik mit ihren neuen Text- und Bildfindungen.

Die Schau ist in fünf Abteilungen nach der Entwicklungsgeschichte der Buchmalerei gegliedert. Prachtvolle karolingische Kodizes zeugen noch heute von der hohen Qualität der künstlerischen Produktion ihrer Zeit. Ein Raum ist den einzigartigen Handschriften der ottonischen Kaiser gewidmet, deren Herrscherbilder auf glanzvolle Weise die göttliche Legitimation des irdischen Regenten belegen. Nur die besten Künstler arbeiteten an solchen Werken und schufen reich bebilderte, mit Gold, Edelsteinen und Elfenbein opulent verzierte Kultobjekte.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei den Büchern der bayerischen Klosterschulen, deren Malerei, ausgehend vom Tegernsee, in der Region rezipiert worden ist, sowie bei der Regensburg-Prüfeninger Buchmalerei. In fünf Handschriften wird im Laufe der Ausstellung geblättert, um mehrere Seiten dieser Prachtkodizes zu zeigen.

Die durchaus als Jahrhundertschau zu bezeichnende Ausstellung vermittelt dem Betrachter eine Auffassung vom Buch als Gesamtkunstwerk und eröffnet in der Zusammenschau von Text, Schrift, Illustration, Einband und Kontext zugleich ein anschauliches Weltbild der Zeit zwischen 780 und 1180 im süddeutschen Raum. Deutlich wird die religiöse Fundierung des Lebens, das Ansehen der Klöster und der gelehrten Theologie, aber auch die Bedeutung der Texte. Zwar liegt das Schwergewicht eindeutig auf der sakralen lateinischen Überlieferung, aber es finden sich auch wissenschaftliche Handschriften, juristische Texte sowie einige der ältesten Texte in Volksprache, darunter das althochdeutsche Muspilli und das Wessobrunner Gebet. Und auch bei der Illustration schimmern bisweilen Impressionen des täglichen Lebens hindurch, etwa bei der Darstellung der ländlichen Tätigkeiten in den einzelnen Kalendermonaten.

Hervorzuheben ist außerdem die ausgezeichnete Präsentation der Exponate, die dem Besucher ein komplexes Betrachten der wertvollen Bücher sowie der in ihrem Glanz beeindruckenden Prachteinbände ermöglicht.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Programm begleitet. Zudem erschien ein reich bebilderter Katalog, der zum Blättern und Betrachten der Bilder, aber auch zur näheren Beschäftigung mit der Buchmalerei einlädt.