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Reise in die Provinz oder Weimar und das Bauhaus 2009 - Ein Kommentar zu den Vorbereitungen des 90. Gründungsjubiläums des Bauhauses in Weimar

Sollten Sie 2009 eine Reise nach Weimar planen, so werden Sie bei Ihren Reisevorbereitungen in die Stadt der Klassik unweigerlich auf die Veranstaltungen zum 90. Gründungsjubiläum des Bauhauses stoßen. Und sehr wahrscheinlich wird Ihnen auch das kleine quadratische 112 Seiten starke „Programm Kalendarium“ in die Hände fallen, das Aufschluss darüber gibt, was Weimar und das Weimarer Land sich unter Bauhaus, einem neunzigsten Geburtstag und den dazugehörigen Veranstaltungen vorstellen.

Dieses Programmheft bedarf für den ahnungslosen Weimartouristen einiger Erklärungen, da man ohne Vorwissen nicht daraus schlau werden kann, was z. B. das 16. Apoldaer Oldtimer Schlosstreffen oder das 131. Rosenfest in Kranichfeld dem geneigten Weimarbesucher über das Bauhaus und seine Gründung vor 90 Jahren verraten soll.

 
Die Kulturverwaltenden und -schaffenden in Weimar und im Umland haben sich darauf kapriziert, das Jahr 2009 zum Bauhaus-Jahr zu erheben und den 90. Geburtstag dieser in Weimar ganze 6 Jahre ansässigen Institution 12 Monate lang zu feiern. Die Vielzahl der Veranstaltungen erstaunt, hat aber einen etwas trotzig anmutenden Grund: der Ministerpräsident hatte die von den Verantwortlichen erhoffte und geforderte Landesausstellung nicht für den 90. Geburtstag des Bauhauses vorgesehen und so scheint es, als hätten sich alle Hoffenden und Fordernden an den Händen gehalten und gesagt: „Wir machen es doch.“ Angesichts der medialen Präsenz des Themas in der Lokalpresse und der Heraufbeschwörung eines vermeintlichen Skandals wurde es zwar keine Landesausstellung, aber Geld gab es trotzdem von der Landesregierung für einen Reigen von Veranstaltungen, die zumindest von der Anzahl her kaum noch von einem einhundertsten Geburtstag zu toppen sind.

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Da gibt es die zentrale Ausstellung „Das Bauhaus kommt“ der Stiftung Weimarer Klassik, die für den Besucher an vier verschiedenen Orten vom 1.April bis zum 5. Juli, “erstmals ausführlich die beachtlichen Ideen und Wurzeln des Bauhaus-Gedankens skizziert“.
Etwas konkreter ist da schon die Ausstellung im Kunsthaus Apolda, die vom 5.April bis zum 21. Juni Aquarelle, Zeichnungen, Druckgraphiken und Fotogramme von László Moholy-Nagy zeigt. Auch eine zweite Ausstellung im Kunsthaus Apolda mit Werken der Textilkünstlerin Margaretha Reichhardt vom 7.Juli bis zum 30. August verspricht dem Besucher Interessantes und bislang wenig Bekanntes zu sehen.
Es gibt noch einiges Erwähnenswertes z. B. eine Ausstellung zum „Bauhaussynonym“, dem Freischwinger, oder ein Vortrag zu Adolf Meyer (1181 – 1929), der ewige zweite Mann hinter Walter Gropius, aber das Gros der in dem Heft vorgestellten Veranstaltungen lässt den Leser ratlos bis kopfschüttelnd zurück.
Wir haben diverse Schulprojekte neben etwas nebulös beschriebenen Filmabenden im kommunalen Kino, die Frühjahrstagung der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft neben dem 3. FullDome Festival, das sich offensichtlich durch den Satz definiert, dass „Was in Jena gezeigt wird , stößt auf internationales Interesse- besonders die Ganzkuppelprojektionen zum 90. Bauhaus-Jubiläum ‚Bauhaus in den Sternen’“. Whatever it is.
Das legendäre Seifenkistenrennen am 1.5., eine schöne Weimarer Tradition, muss ebenso für das Bauhaus Jubiläum herhalten wie das alljährliche Open Air Konzert der erstklassigen Staatskapelle Weimar, das in diesem Jahr unter dem Motto „Amerikanische Nacht“ steht.

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Seltsam, dass der Weimarer Zwiebelmarkt im Oktober nicht auch in die Veranstaltungen einbezogen wird, auch hier hätte sich doch über die Zwiebel leicht ein Bezug zu Gropius, Feininger, Itten oder überhaupt dem Bauhaus finden lassen.
 
Hier ist also alles was Stadt und Land an Veranstaltungen herzugeben vermag, versammelt und für das Bauhaus passend gemacht, so was bezeichnete man früher als „Aktivlegitimation“. Heute gibt es dafür eine Definition aus dem politisch-administrativen Floskelsalat: „Man hat alle ins Boot geholt, Zeichen gesetzt und Synergien geschaffen.“
Nur lässt sich damit selten Qualität erzeugen und wenn alle im Boot sitzen kann es leichter sinken. Und leider hat der geneigte Weimar-Besucher schon einen Top-Event verpasst, denn der suchte uns schon am ersten Tag des neuen Jahres heim, da gab es eine Veranstaltung in der Martinskirche Apolda mit dem Ex-Kulturdirektor der Stadt Weimar, von wahrhaft philosophischen Dimensionen:
„Apolda und New York – Zwei Städte im Aufbruch. Die Geschichte New Yorks und Apoldas ist geprägt vom Wechsel zwischen Prosperität und Pauperismus, zwischen Kreativität und Stagnation.“
Aha.
Wie der Titel eines Vortrages über Anni Albers am 30.4.09 schon sagt. “Wir saßen da und haben es einfach probiert“.

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