Rezensionen, Kataloge

Turner Monet Twombly. Later paintings, hrsg. v. Moderna Museet Stockholm, Hatje Cantz Verlag 2011

William Turner, Claude Monet und Cy Twombly sind Künstler wie sie – auf den ersten Blick zumindest – wohl kaum unterschiedlicher sein könnten. Doch entgegen der verbreiteten Annahme, dass es zwischen diesen bedeutenden Figuren der Kunstgeschichte kaum Schnittmengen geben könnte, zeigt sich eine Vielzahl von gemeinsamen Themen, die der jüngst bei Hatje Cantz erschienene Band eindrucksvoll darlegt. Verena Paul hat ihn für PKG gelesen.

»Ein Interesse für Anspielungen und Metaphern, die Auseinandersetzung mit Sterblichkeit, eine Vorliebe für atmosphärische Effekte und die Beschäftigung mit der Tradition des Erhabenen sind«, wie Jeremy Lewison in seiner Einführung schreibt, nur eine Auswahl der Themen, die in der vorliegenden Publikation den Gegenstand der Untersuchung bilden. Da eine Fokussierung auf einen Vergleich von Turner und Monet weder einen Neugewinn erbracht hätte, noch besonders originell gewesen wäre, wurde Twombly zu einer wichtigen Schlüsselfigur. Durch ihn kann nicht nur die Modernität Turners und Monets betrachtet werden, sondern zugleich deren Anziehungskraft für einen Kunstschaffenden des 20. respektive 21. Jahrhunderts. Nicht zuletzt waren die drei zeitlich weit voneinander getrennt lebenden Künstler in ihrem Spätwerk mit einer Reihe verwandter Themen konfrontiert, die sie ähnlich zu bewältigen verstanden.

Zu diesen Themen gehören, laut Lewison, der Anbruch der Moderne und die aus ihr erwachsenen Konsequenzen für die Kultur, der Prozess des Alterns, die Bedeutung von Mythen und Geschichte für die Kunst, die Kunst der Anspielung in der Malerei sowie die Einschmelzung von persönlichen Gefühlen in der Malerei. Insofern gelangt der Autor in seinem klar konzipierten und spannend zu lesenden Essay »Turner, Monet, Twombly – Malerei der späten Jahre« zu dem pointierten Ergebnis, dass kein Maler »ohne das Wissen über die Errungenschaften seiner Vorgänger existieren« könne. »Die Größe von Turner, Monet und Twombly liegt in ihrer Fähigkeit, das Vorangegangene aufzunehmen, um, bewaffnet mit diesem Wissen, zu neuen Ufern aufzubrechen.« Darüber hinaus hätten sie, fährt Lewison fort, »nicht nur den gewählten Kurs« beibehalten, sondern »mit althergebrachten Themen neue Wege« beschritten, selbst in ihren späten Werken.

Nach seinem informativen Beitrag unterteilt Jeremy Lewison den Bildteil in die Kategorien »Schönheit, Kraft und Raum«, »Atmosphäre«, »Süßeste Lust Melancholie«, »Die Jahreszeiten«, »Feuer und Wasser«, »Die Lebenskraft« und »Eine schwebende Welt«. Dabei werden jedem Teil eine kurze allgemeine Erläuterung sowie die exemplarische Übertragung auf Turner, Monet und Twombly vorangestellt, so dass das Werkverständnis hier noch einmal vertieft werden kann. Abschließend legt Jo Widoff in gut aufbereiteten biografischen Aufsätzen das Leben der drei Künstler dar, was der interessierte Leser als willkommenes Zusatzmaterial begrüßen darf.

Angefangen bei der Einführung Jeremy Lewisons, über seinen Essay und die prägnanten Beiträge im Bildteil bis hin zu den von Jo Widoff geschriebenen Künstlerbiografien wird diese Publikation das Fach- ebenso wie das interessierte Laienpublikum begeistern. Es ist ein Band entstanden, der in einem Schwung gelesen oder häppchenweise goutiert werden kann, der uns zum Schmökern im Bildteil oder zum konzentrierten Lesen animiert. Immer wieder finden sich Sätze, die unterstrichen und überdacht werden wollen und den Leser auf drei wunderbare Künstler neugierig machen. Denn diese geben erst ganz allmählich preis, wie seelenverwandt sie eigentlich waren.

Fazit: Dem Hatje Cantz Verlag ist mit »Turner Monet Twombly. Later paintings« ein bibliophiles Kleinod gelungen, das durch eine klare Struktur, wissenschaftlich fundierte, absolut lesenswerte Beiträge ebenso zu überzeugen versteht, wie durch die hervorragende Abbildungsqualität. Ein geistreiches, horizonterweiterndes Buch, das zum Glück auf hochgeschraubte Thesen verzichtet und stattdessen das Thema mit Bedacht entwickelt, so dass ich es an dieser Stelle sehr gerne empfehlen möchte!