Ausstellungsbesprechungen

Arbeiten des Künstlerkreises Neunkirchen

Die Kultur- und Festhalle präsentiert vom 20. April bis 5. Mai 2008 in einer Gruppenausstellung die Arbeiten des Künstlerkreises Neunkirchen, zu dem Elisabeth Bosslet, Ruth Engelmann-Nünninghoff, Fränzi Hermann, Monika Laue, Hannelore Seiffert, Michael Staß, Dieter Trost, Karl-Heinz Wachs und Babette Woltemath zählen. Es sind Maler/innen, Grafiker/innen, Bildhauer/innen und Fotografen unterschiedlicher künstlerischer und regionaler Herkunft, was einen erfrischenden, spannenden Dialog verspricht.

In Elisabeth Bosslets experimentellen Arbeiten in Acryl etwa begegnen dem Ausstellungsbesucher sanft fließende Linien, die sich ihren ganz eigenen Weg über die Leinwand gebahnt haben. Sie begegnen einander, verschmelzen und teilen sich wieder, wobei eine ungemeine Tiefenwirkung entsteht. Dadurch wird die Zweidimensionalität gesprengt und die Weite des Raumes für den Betrachter erfahrbar. Mit der Arbeit »Komposition« beispielsweise gibt die Künstlerin den Blick frei auf eine felsige, rote Landschaft, in die sich tiefe Risse eingegraben haben. Wie beim Überfliegen einer Wüstenlandschaft liegt der zerklüftete Naturraum vor unseren Augen.

Ruth Engelmann-Nünninghoffs Werke sind geprägt von einem lebendigen, rhythmisierten Spachtelduktus, einer klaren Formensprache und intensiv leuchtenden, reinen Farben, die von schwarzen Lineamenten umrahmt bzw. durchdrungen werden. Da ist ein schillerndes Grün, ein kraftvolles Orange, ein feuriges Rot, die sich markant von den schwarzen Konturen abheben. In ihrer puristischen Komposition, die alle fabulierende Ausschweifung verneint und sich auf das Wesentliche konzentriert, ist den Arbeiten raumgreifende Energie eingeschrieben, die uns in den Bann zieht.

Fränzi Herrmanns Tuschearbeiten führen dem Betrachter in einer markanten Formensprache die bizarren, zerklüfteten Landschaften der Bretagne und der griechischen Inselwelt vor Augen.

Mit Verve entwirft die Künstlerin in wenigen schwarzen Pinsel- und Rohrfederzügen expressive Szenen, in denen Küstenlandschaften mit Felsformationen und einer angedeuteten Flora entstehen. Antipode der schwarzen Tusche ist das weiße Papier, dem Fränzi Herrmann eine große Bedeutung beimisst, da es den dunklen Tiefen, die hellen Höhen entgegen setzt. Aus diesem Wechselspiel gelingt es schließlich Plastizität und Raumtiefe zu evozieren.

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Monika Laues Werke in Acryl zeugen von einer kraftvollen Farbigkeit, die sich aufbäumt oder anschmiegt, mit der Form ringt oder sich ihr ergibt. In der dreigliedrigen Arbeit »Wasserlauf« hat die Künstlerin zunächst eine rot leuchtende Grundierung geschaffen, die sie wiederum mit einem dunklen Blau zur Gänze übermalt hat. Indem sie die Wasserbewegung oder zumindest dessen Strukturen mit Einkerbungen in das Blau nachahmt, kommt der intensiv rote Grund wieder zum Vorschein. Neben den ondulierenden Bewegungen, die das in gebrochenem Weiß gestaltete Ufer beschreibt, ist bei dieser Arbeit auch der abschließende Einsatz von Salz bedeutend: Es nimmt zum einen die Strenge der letzten Farbschicht und zum andern unterstreicht es die Lebendigkeit des Elements »Wasser«, das durch seine Bewegung kleine Gischtkronen entstehen lässt.

Die Keramiken Hannelore Seifferts verlieren sich nicht – wie man auf den ersten Blick annehmen könnte – in Abstraktion, sondern sie bringen die Metamorphosen zum Ausdruck, von denen auch das Leben geprägt ist. Somit ist diesen Plastiken eine Körperlichkeit eingeschrieben, die sich in dem Spannungsverhältnis von naturnahen und amorphen Formen zu behaupten weiß. Aus den ondulierenden Bewegungen jener weißen Gestalten entsteht nach und nach Körperlichkeit: Höhlungen und Ausstülpungen verwandeln sich zu Gliedmaßen, die von roten bzw. blauen Lineamenten konturiert sind. In der fünfgliedrigen, blau-weißen »Griechischen Impression« dagegen entwirft die Künstlerin eine bisweilen surreal anmutende Landschaft, in der Segelschiffe, Felsformationen, Türme, verwinkelte Innenhöfe, Zisternen, verschlungene Gärten aber auch Fabelwesen entdeckt werden können. Und in den mit Kupferoxid überzogenen »Wippen« zeigt sich die spielerische Leichtigkeit, die auch aus keramischen Arbeiten sprechen kann.

Bei den Arbeiten von Michael Staß begegnen uns Ideen, die intuitiv, spontan, impulsiv, vor allem aber emotional in das zweidimensionale Format übertragen wurden. Angeregt von Musik, die Erinnerungsspuren und Gedankenmuster hinterlassen hat, sowie einer noch im Verborgenen schlummernden Vorstellung beginnt der Künstler den Malgrund zu bearbeiten, indem er ihn zunächst »verletzt«: scharfe Gegenstände hinterlassen auf Leinwand oder Karton ertastbare Spuren, über die sich ein vitales Rot und ein erdiges Braun legt. In dem großformatigen Triptychon »Time Table« erscheint eine rot pulsierende, amorphe, d.h. gestaltlose Form, die die drei Leinwände spannungsvoll zusammenhält. Das Fließen der Zeit, in konkreter Form als Pendel im Zentrum wiedergegeben, artikuliert sich zugleich in abstrakt verlaufenden Farbspuren. Mit den 26 kleinformatigen Arbeiten, ist Michael Staß dagegen von der Idee der Disziplinierung ausgegangen. Täglich in maximal fünf Minuten entstanden, sind sie Zeugnis eines »Rituals«, das der Künstler 160 Tage durchgehalten hat.

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In internationalen Schriftzeichen, einer Vielfalt von sprachlichen Versatzstücken sind die Aquarelle von Dieter Trost geprägt, die er zum 250. Geburtstag Goethes entworfen hat. Sprachspielerisch zeigt der Künstler die enge Verwobenheit von Buchstabe und Symbol, etwa wenn er in der Arbeit ein »T« erscheinen lässt, das sich in dem Wort »tignasse« oder in den gemalten Gegenständen Tomate, Tisch und Tasse wieder findet. In dieser Formensprache lässt sich der kalligraphische Einfluss also nicht leugnen. Doch neben der inhaltlichen Komponente, ist es vor allem die Farbintensität, die Form formuliert und durch ihre deckende Wirkung zu einem ausdrucksstarken Medium avanciert. Dabei schafft Dieter Trost weder eine additive Reihung der Formen, noch lässt er die Farben verschwimmen und ins Uferlose abdriften. Die mit kraftvollem Kolorit angefüllten Formen schweben, sind von Luft und freiem Raum umgeben, so dass ihre Wirkung umso stärker erscheint. In der Digitalkunst dagegen entwirft der Künstler Fragmente von surrealen Landschaften. Da treffen wir auf »Flying trees«, also fliegende Bäume, auf farblich abstrakte oder sich auflösende Gegenstände und Figurationen. In der Arbeit »Promenade« flanieren eine rote und eine blaue Figur mit einem Hund an der Leine. Dahinter erheben sich kreisartige, grüne Strukturen vor blauem Grund und lassen Assoziationen an einen Sonnenaufgang entstehen.

In seinen Streifencollagen ist Karl-Heinz Wachs primär an der Wandlungsfähigkeit des einzelnen Streifens in der Addition gelegen. Ordnungssysteme, die zuvor in einer Vorlage, wie einem Plakat oder einem Ölgemälde bestanden haben, werden aufgelöst und neu komponiert. Dabei muss die neue Anordnung sowohl in Kolorit als auch Form ausbalanciert sein. In den Mosaikcollagen, die eine Weiterentwicklung der Streifencollagen darstellen, splittet Karl-Heinz Wachs gleichfalls Vorlagen auf, aber nun werden die Teile nicht in ein nahtloses, vertikales Streifenraster, sondern in ein Raster aus Quadraten übertragen, zwischen denen gleichmäßige vertikale und horizontale Freiräume integriert sind. Neben der Ordnung des Bildinnern, legt Wachs zudem auf einen »ordentlichen« Bildtitel Wert, der das Bild abschließt. Es sind keine zufälligen, sondern mit Bedacht gewählte Bezeichnungen, die nicht selten in Wortneuschöpfungen gipfeln, wie etwa der Arbeit »Altamaran«, deren Titel sich von der Stadt Altamira ableitet.

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Babette Woltemaths collageartige, von leuchtenden Farben geprägte Reliefbilder lassen Assoziationen zur Farbenvielfalt Afrikas entstehen: der rote Sand, die sich Bahn brechende Flora – aber auch die bunten Gewandungen der Einheimischen mit ihren archaischen Mustern finden sich in den Arbeiten gespiegelt. Während die Künstlerin durch Furchen in den Pressspanplatten oder im Holz Tiefe schafft, entwickelt sie mit den partiell bemalten Styroporteilchen gehöhte Partien, so dass sich ein bewegtes Form- und Farbspiel entwickeln kann.

 

Der Kultur- und Festhalle Waldmohr ist mit dieser Ausstellung eine vielseitige, spannende Ausstellung gelungen, die durch eine hervorragende Strukturierung und Positionierung und natürlich die hervorragenden Arbeiten selbst zu überzeugen weiß! Fazit: Faszinierende Präsentation, die ein Augenschmaus für alle Kulturhungrigen und Kunstdurstigen darstellt!

 

Weitere Informationen


Die Vernissage findet am 20. April 2008 um 11 Uhr statt.

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