Buchrezensionen

Gudrun Fritsch: Hans Pels-Leusden. In seliger Mal-Lust, Lukas Verlag 2018

Hans Pels-Leusden gilt es, neu zu entdecken. Der vorliegende Katalog vom Käthe-Kollwitz-Museum in Berlin, anlässlich einer monografischen Ausstellung vom 11. Juni bis zum 09. September 2018 erschienen, bringt uns sowohl den Galeristen und Museumsgründer wie auch den Künstler näher. Pels-Leusden war über Jahrzehnte eine der prägenden Personen der Westberliner Kunstszene, mit seiner Galerie am Kurfürstendamm, in der er unter anderem für eine Neubewertung von Heinrich Zille und Käthe Kollwitz und die Etablierung zahlreicher expressionistischer Künstler sorgte. Spunk Seipel hat sich den Katalog für Sie angesehen.

Hans Pels-Leusden, 1908 in Lüdenscheid in einem kunstsinnigen, großbürgerlichen Haushalt geboren, begeisterte sich von klein auf für die Kunst. Mit 17 malte er ein expressionistisches Selbstporträt, das ihn als einen Könner seines Fachs ausweist. Doch statt eines Studiums an der Düsseldorfer Akademie, die ihn angenommen hatte, zog es ihn nach Berlin. Dort studierte er in einer freien Klasse beim damaligen Modemaler Willy Jaeckel. Schnell baute er sich ein Netzwerk auf, verkehrte im Romanischen Café und stellte in einigen der renommiertesten Galerien der Stadt aus. Seine Ausstellungen wurden von der Presse durchweg positiv besprochen, man erwartete viel von ihm. Doch die Nationalsozialisten brachten das Ende der künstlerischen Karriere für Pels-Leusden. Einige seiner Werke wurden als entartet beschlagnahmt und vernichtet. Die Zerstörung seines Ateliers durch Bomben im Zweiten Weltkrieg löschte fast sein gesamtes Frühwerk aus. Bis auf wenige Ausnahmen ist es uns heute nicht mehr möglich, Pels-Leusdens Œuvre der frühen Jahre kennenzulernen. Im Katalog sind neben dem oben erwähnten Selbstbildnis zwei seiner Werke abgebildet: Das Gussstahlwerk bei Nacht von 1937 und die Industrielandschaft von Lüdenscheid von 1938; beide in starken Kontrasten von schwarz und rot, mit wenigen Akzenten von gelb und weiß gemalt. Themen, wie man sie eher von Künstlern der Neuen Sachlichkeit kennt als von den von Pels-Leusden so verehrten Expressionisten. Hier zeigt sich ein Talent, die Bildwelt der expressionistischen Künstler zu erweitern.

Während der Nazizeit konnte Pels-Leusden zu Beginn noch ausstellen und machte sich als Autor für die Expressionisten, vor allem Emil Nolde, stark. Ein interessanter Text von Gudrun Fritsch verdeutlicht, wie lange es zum einem noch möglich war, sich für diesen Kunststil einzusetzen, und wie sehr zum anderen viele Vertreter des Expressionismus, auch Pels-Leusden, antisemitisch eingestellt waren. Ein Kapitel der modernen Kunst, das bis heute nicht zum Heldenmythos der verfolgten Expressionisten passt.

Aber eine der großen Leistungen dieses Katalogs ist, dass sich kein Autor davor scheut, auch die problematischen Seiten von Hans Pels-Leusden - sei es in Bezug auf seine Aktivitäten zur Nazizeit, seinen Widerwillen gegen eine kritische Aufarbeitung der NS-Zeit oder auf seinen schwierigen persönlichen Umgang mit Mitmenschen - zu thematisieren.

Bekannt ist Hans Pels-Leusden heute vor allem für seine Galeriearbeit. Nach dem Krieg kehrte er in das zerstörte Berlin zurück und gründete zunächst ein Antiquariat in einer Ruine am Kurfürstendamm, aus dem sich dann eine wichtige Buchhandlung mit Grafikkabinett und Galerie entwickelte. Er war selten offen für junge, neue Kunst; umso wichtiger war sein Engagement für die Künstler der Vorkriegsgeneration. Eine Arbeit, die heute, da die Moderne allgemein anerkannt wird, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Aus dieser Tätigkeit als Kunsthändler erwuchs nicht nur seine erfolgreiche Idee, ein Käthe-Kollwitz-Museum in Berlin zu gründen, sondern auch der Plan, zusammen mit seinem Mitarbeiter Bernd Schultz die Villa Grisebach ins Leben zu rufen - eines der bedeutendsten Auktionshäuser Deutschlands.

Dass Pels-Leusden neben diesen bis heute so wirkungsvollen Leistungen auch wieder zum Pinsel griff, wurde erst spät publik. Als Künstler konnte er sich nie wieder etablieren. Sieht man sich den Katalog an, ahnt man auch, warum. Für Publikum, Kritik und Markt ist sein eigenes Werk zu divers. Es schwankt zwischen Informel, Abstraktion und Expressionismus. Das Bedürfnis, dem Künstler einen eigenen linearen Stil zuzuschreiben, findet in diesem Gesamtwerk kaum einen Anhaltspunkt. Aber gerade in diesem lebenslangen Suchen nach dem eigenen Stil spiegeln sich auch die Entwicklungen der Kunst seiner Epoche insgesamt wider. Leider hat Pels-Leusden selten seine Werke datiert. Zu gern würde man Vergleiche zwischen den von ihm organisierten und besuchten Ausstellungen und seinem eigenem Œuvre anstellen. So aber ist dieser Katalog ein Exempel für einen von so vielen Kunstschaffenden, die Meisterwerke in unterschiedlichen Formsprachen schufen und gerade deshalb keine Würdigung als Künstler erfahren haben.

Hans Pels-Leusden, einer der wichtigsten Galeristen und Künstler Westberlins, der heute, in dieser geschichtsvergessenen Stadt, für sehr viele Kunstinteressierte ein Unbekannter ist, kann mit diesem Katalog neu entdeckt werden und uns in Erinnerung bleiben.

Titelangaben

Gudrun Fritsch
Hans Pels-Leusden. In seliger Mal-Lust
Lukas Verlag, ISBN: 978-3-86732-313-0, Ladenpreis 20,00 €