Ausstellungsbesprechungen

Masken – Metamorphosen des Gesichts von Rodin bis Picasso. Mathildenhöhe Darmstadt, Ausstellungsgebäude. bis 14. Juni 2009. Ny Carlsberg Glyptothek Kopenhagen, 6. August bis 25. Oktober 2009

Die Theatergeschichte hat von Haus aus mit der Maskierung, der Maskerade und – von der Warte der antiken Bühne, den späteren Harlekinaden oder dem japanischem Maskentheater her betrachtet – mit Masken zu tun. Entsprechend oft wurde hier das Thema auch in einschlägigen Ausstellungen behandelt. Anders sieht es in der Kunstgeschichte aus, die sich auffallend selten den Masken zugewandt hat, wenn es nicht gerade um Picasso oder die Brücke-Künstler ging. Abhilfe hat das Musée d'Orsay in Paris geschaffen, das mit einer spektakulären Masken-Schau auftrat, die in der Folge – in leicht modifizierter Bildauswahl – auf die Mathildenhöhe in Darmstadt weitergereicht wurde – dort war sie so erfolgreich, dass sie in eine kurze Verlängerung ging, bevor die rund 200 Exponate von über 70 renommierten Leihgebern die letzte Station in Kopenhagen finden.

Altbekannte Objekte (etwa die Medusa Rondanini) lassen sich genauso finden wie Klassiker (Klingers »Neue Salome«, mehrere Arbeiten von Ensor) und weniger bekannte Werke, die zu Entdeckungen geraten (so das »Pantheon der nationalen künstlerischen Ehren« von Armand Bloch).

Die Darmstädter Ausstellung hat sich Themeninseln geschaffen, denn chronologisch ist den Masken kaum beizukommen: haben sie doch interdisziplinäre und interkulturelle Aspekte, die in Bräuchen und Riten verschiedener Zeiten eine unterschiedliche Rolle gespielt haben. Wenn die Ausstellungsmacher dann doch eine Epoche zwischen 1860 und 1930 ausgemacht haben, dann deshalb, weil die Maske hier fast schon einen signalhaften Charakter zeigt, weil von hier aus Fäden in die Antike bzw. nach Fernost gelegt werden können, und weil in dieser Zeitspanne Künstler wie Rodin, Gauguin oder Picasso tätig sind, die sich dem Faszinosum der immer vieldeutigen Maske hingaben. Dass eine künstlerische Bewegung wie der Symbolismus mit seinen Ausläufern im Expressionismus die Verhüllungsmotive oder die Doppelgesichtigkeit des Maskenthemas leidenschaftlicher und übers Spielerische hinaus umsetzte, muss kaum erwähnt werden. Das Thema steht dem Darmstädter Haus freilich gut zu Gesicht, ist doch die Mathildenhöhe eng mit dem Jugendstil verbunden – und stellt die Maske damit in einen anderen Kontext als das Musée d\'Orsay, das eher in Rodins Umfeld zum Thema hinführt (und die Ny Carlsberg Glyptothek in Kopenhagen wird im Hintergrund mehr die Antike durchscheinen lassen). Doch immer wird man gewahr, dass die Maske den Weg in die Moderne weist – schon Oscar Wilde wusste, dass die Maske mehr Wahres enthält als das wirkliche Gesicht.

Zurück zu den Themenfeldern. Ihre Kapitel heißen »Die Maske im Blick«, »Das Vorbild der Antike«, »Medusa«, »Paris« (das als Hauptstadt der Masken firmiert), »Toten- und Lebendmasken«, »Geniekult« im Hinblick auf Beethoven. Weiter geht es zu »Ateliereinblicken«, etwa in Rodins Werk-Statt; darüber hinaus werden Masken zum Porträt in Beziehung gesetzt, auch zum No-Theater, das wie der Japanholzschnitt oder japanische Gärten zum europäischen Japonismus am Ende des 19. Jahrhundert beitrugen. Einzelaspekte wie die Grimassenbilder Jean Carriès\' oder architektonische Motive machen deutlich, dass das Thema unerschöpflich ist. Letztlich dürfen dann doch die relevanten kunsthistorischen Strömungen vom Jugendstil über den Symbolismus bis hin zum Expressionismus und Surrealismus nicht fehlen. Dass in einem solchen vielschichtigen Netzwerk ästhetische und ethnologische, dekorative und witzige, expressive und symbolische, theatralische und lebensnahe Knotenpunkte zu wunderbaren Begegnungen führen, macht die Ausstellung zum Vergnügen, dessen absehbares Ende vom außergewöhnlich schön gestalteten Katalog aufgewogen wird. Er tröstet auch darüber hinweg, dass so schöne Blätter wie Rodins Grafit- und Federzeichnung von »Hanako« oder so interessante Arbeiten wie Georges de Feures »Rotes Traumbild« nur in Paris zu sehen waren.
 

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Öffnungszeiten:
AUSSTELLUNGSGEBÄUDE
Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr
Donnerstag 10 – 21 Uhr

MUSEUM KÜNSTLERKOLONIE
Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr 
 

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