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Objekt der Woche: Pfeife

Ein kleines, aber feines Stück ist die Seemannspfeife aus Goa und trotz ihrer Kleinheit ein echter Schatz aus Gold und Edelsteinen! Fast einzigartig ist die, verbindet sie doch westliche und orientalische Kunst auf eine ganz besondere Art und Weise. So zaubert dieses kleine Stück einen Hauch Exotik in die Wiener Altstadt.

Pfeife, Goa, 16. Jh. © Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien
Pfeife, Goa, 16. Jh. © Schatzkammer des Deutschen Ordens in Wien

Die genaue Herkunft und Entstehung dieser herrlichen Preziose aus der Schatzkammer des Deutschen Ordens bleibt im Dunkeln, jedoch fällt die Verbindung von orientalisch-indischer Goldschmiedekunst und westlicher Form auf. Derartige Pfeifen waren bei Schiffskapitänen in Gebrauch und stellen eine verzierte Form der Bootsmannspfeife dar, die zum Signalgeben auf Schiffen verwendet wurde. Neben der menschlichen Stimme war sie lange Zeit die einzige Möglichkeit, Befehle an Bord zu erteilen. Ihr Vorteil war, dass der laute und schrille Ton auch bei starkem Seegang und stürmischem Wetter gut zu hören war.

Angeblich sollen bereits in der Antike Rudermannschaften mit Pfeifen befehligt worden sein, sicher ist aber, dass die bis heute genutzte Form der Pfeife im 13. Jahrhundert auf englischen Schiffen das erste Mal zu finden war. Bis heute benutzen Schiffsmannschaften derartige Pfeifen, auch wenn inzwischen andere Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Insbesondere bei der Marine ist sie immer noch beliebt, erinnert sie doch an die eine lange Tradition der Seefahrt. Und auch wenn heute ein jeder eine solche Pfeife erwerben kann, haftet ihr doch immer noch der salzige Geruch der See an.

Verschiedene Materialen wurden im Laufe der Zeit für solche Signalpfeifen benutzt, beliebt waren – und sind– Kupfer und Messing. Das Wiener Exemplar ist aber aus Gold gefertigt und obendrein mit Diamanten, Smaragden und Rubinen verziert – ein wahres Prachtstück also. Es hat die Gestalt eines sich aufbäumenden Seeungeheuers. Drei Kettchen, befestigt an drei diamantverzierten Ringen, vereinen sich in einer kuppelförmigen Aufhängung. Diese Form der Aufhängung wird auch heute noch von Goldschmieden aus der Region Mirzapur verwendet, lässt sich also eindeutig dem indischen Subkontinent zuordnen. Zwischen den mit Edelsteinen besetzten Teilen ist das Gold fein graviert und mit einem üppigen Blumenmuster versehen. Die Edelsteine sind zum Teil eingelassen, viele sind aber auch erhaben aufgesetzt. Das findet sich bei ähnlichen Objekten, etwa einem Daumenring, der heute im Victoria & Albert Museum liegt, nicht – hier sind alle Steine eingelassen. Also ein Einzelstück?

Die Goldschmiedearbeiten an der Pfeife weisen auf eine indisch-orientalische Tradition hin, ihre Ausführung dagegen auf westliche Techniken. Eine solche Verbindung westlicher Formen und indischer Traditionen kennt man aus Goa. Hier trafen sich Schmiede unterschiedlichster Regionen und befeuerten sich gegenseitig in ihrer Kreativität und hier kamen sie mit westlicher Schmiedekunst in Kontakt. Ihre Datierung in das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts weist ebenfalls darauf hin, da für diese Zeit die Anwesenheit verschiedener Schmiedegruppen in Goa überliefert ist. Insbesondere erinnert die Pfeife an Preziosen aus dem Mogulreich.

Die kleine Pfeife wird wohl eher als Schmuckstück denn als prächtiges Gebrauchsobjekt geschaffen worden sein. Wie zahlreiche andere Objekte der Schatzkammer des Deutschen Ordens stammt auch sie aus der Sammlung Erzherzog Maximilians. In deren Inventar wird sie übrigens 1616 noch gemeinsam mit einer ähnlichen verzeichnet. Die beiden Pfeifen werden dort als Drachen und später als »Posthörnlein« bezeichnet. Ihr Pendant ging bei einem Einbruch verloren, als sich die beiden Stücke schon im Besitz des Deutschen Ordens befanden.

Auch wenn dieser kleine Seedrache nun allein ist, holt er noch immer orientalische Kunsthandwerkstradition ins gegenwärtige Europa und zugleich einen Hauch von See ins kontinentale Europa.