Meldungen zum Kunstgeschehen

Was am Ende bleibt ...

... sind Besuchermengen und Rekorde, die sich in Zahlen kaum noch greifen lassen. Erstmals 1955 als Zusatzaustellung zur Bundesgartenschau ins Leben gerufen, ist die Documenta heute ein Quasi-Synonym für zeitgenössische Kunst. Nach 100 Tagen hatte sich die dOCUMENTA (13) am Sonntag mit einem neuen Maximum an Gästen verabschiedet.

Auch wenn Künstler- und Exponatszahl über die Jahre in ihrer Größe nach oben und unten schwankten, so kann die diesjährige Weltkunst-Ausstellung doch wieder deutlich in die Höhe geschossene Zahlen im Bereich der Eintritts- und Dauerkarten verzeichnen.

Rund 860.000 Besucher hatten vom 9. Juni bis zum 16. September 2012 die Arbeiten von mehr als 300 Künstlern und anderen Teilnehmern gesehen. Und das zum ersten Mal weltweit mit den Außenstandorten Afghanistan, Ägypten und Kanada. Das sind 14% mehr als noch im letzten Documenta-Jahr 2007. Gewandelt hat sich auch das Bild der Besucher. Laut Besucherumfragen kommen viele nicht nur für einen, sondern gleich mehrere Tage nach Kassel um die dort ausgestellten Exponate zu bewundern. Der Trend geht weg vom Einzelticket und hin zur Dauerkarte, von der letztendlich auch das Gastronomie- und Hotelgewerbe profitieren.

Der Geschäftsführer der Documenta Bernd Leifeld sagt dazu: »Ich bin von dieser documenta beeindruckt und besonders froh, dass die Besucherzahlen und auch das Echo in den Medien so klar widerspiegeln, was wir täglich in der Ausstellung erleben dürfen: Besucher, die bewegt und begeistert sind, die Realitäten neu befragen und, da bin ich ganz sicher, verändert nach Hause fahren.« 

Die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev ergänzt: »dOCUMENTA (13) war für die Besucher keine Tagesveranstaltung. Die Ausstellung hat für die Besucher viel mehr eine Form von lebender Kultur repräsentiert, die zum Leben der Menschen gehört und in wiederholten Besuchen erkundet wird, um dabei das Empfinden von Zeitdruck zu brechen, die Zeit und das Empfinden von Kunst befreien zu lassen.«

Natürlich gab es nicht nur positive Stimmen zur Documenta. So schrieb die FAZ »Man muss bei dieser Documenta zwei Dinge deutlich trennen: die Ansichten ihrer Leiterin und die Qualität der gezeigten Werke. Viele Künstler dieser Documenta definieren das Verhältnis von Ästhetik und Politik ganz anders als ihre Gastgeberin.« Auch der Kunsthistoriker und Kurator Jeannot Simmen formulierte auf PKG deutlich: »Diese Documenta ist zaghaft und nett, rhetorisch überfrachtet und akademisch-blind.« Der Karlsruher Kunstprofessor Wolfgang Ullrich sprach gar von der »dümmsten Documenta aller Zeiten«.

Aber - und das ist der Knackpunkt - die Documenta lockt allen Kritiken zum Trotz jedes Mal aufs Neue neugierige Besucher an. Mit Spannung schauen wir daher auf die nächste Ausgabe 2017 — das Jahr, in dem sich auch der Thesenanschlag des Kirchenreformators Martin Luther zum 500. Mal jährt.