Buchrezensionen, Rezensionen

Celia Fisher: Blumen der Renaissance – Symbolik und Bedeutung, Prestel 2011

Rosen, Lilien, Tulpen - in den Gemälden der Renaissance sind Blumen allgegenwärtig. Über die dekorative Darstellung hinaus haben sie eine symbolische Bedeutung. Mit zahlreichen Abbildungen berühmter Gemälde stellt das Buch diese vor. Xenia Ressos hat es durchgeblättert.

Da sich viele Kunstliebhaber häufig nicht nur für Meisterwerke von Menschenhand, sondern auch für solche der Natur begeistern, liegt es nahe, dass in Büchern für diese Zielgruppe beides kombiniert wird. Entsprechend widmen sich zahlreiche mehr oder minder wissenschaftlich fundierte Publikationen verschiedener Verlage der Darstellung von Blumen in der Kunst. Auf diesem Feld bietet sich ein reicher Fundus, gehören doch Pflanzen und ihre Blüten seit der Antike zu den am häufigsten abgebildeten Motiven auf Artefakten aller Art. Dass auch Prestel trotz bereits ähnlicher, in der Vergangenheit aufgelegter Bücher (u.a. von Marina Heilmeyer, Die Sprache der Blumen – Von Akelei bis Zitrus) erneut dieses bewährte Konzept aufgreift, verwundert nicht.

So erscheint 2011 mit dem ins Deutsche übertragenen Werk von Celia Fisher ein Bildband, der sich der Schönheit und dem Sinngehalt von Blumen in der Kunst der Renaissance widmet. Das großformatige Werk besticht sowohl auf den ersten als auch auf den zweiten Blick vor allem durch die wunderbaren Reproduktionen berühmter Gemälde und meisterhafter Miniaturen der Buchmalerei. Positiv hervorzuheben ist, dass vereinzelt auch blumenverzierte Objekte des Kunstgewerbes in der Zusammenstellung Beachtung finden. In dem 176 Seiten umfassenden Buch ist kaum ein Blatt ohne Abbildung geblieben. Besondere Freude bereiten die zahlreichen Detailaufnahmen, die es erlauben, die von den Künstlern mitunter mit größter Akribie auf den Bildträger gebannten Naturschönheiten aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen. In den Kunstwerken erscheinen sie sowohl bedeutungsschwanger im Vordergrund, als auch nahezu beiläufig als dekorativ-schmückendes Beiwerk. Sie sind in Wiesen und in Gärten, in Vasen, in Händen, auf Gewändern und in Bordüren zu finden oder auch als Naturstudie und einziges Bildmotiv plan auf weißem Grund.

Celia Fisher bändigt die botanische Vielfalt in nicht weniger als 18 Kapiteln. Diese widmen sich nicht nur ausgewählten, in der Kunst besonders regelmäßig zu findenden Blumen und ihren Unterarten, sondern auch ihrem Auftreten im Renaissancegarten und der Blumenwiese. Unter mehr oder minder griffigen Überschriften wie »Blumen der Melancholie«, »Etwas Blaues« oder »Porträts mit Stacheln« widmet sich nahezu jede Doppelseite einem ausgewählten Kunstwerk und der darin zu findenden Blumendarstellung. In kurzen Texten stellt die Autorin Künstler, Kunstwerk und Pflanze vor. Sie verweist in zusammenfassender und leicht genießbarer Art und Weise auf ihre unterschiedlichen Symbolgehalte und die häufige Verwendung von Blumen als Bedeutungsträger. Dem Leser eröffnet sie Werke namhafter Künstler wie Leonardo da Vinci, Andrea Botticelli, Tizian, Lucas Cranach, Hans Memling und viele mehr, die das Spektrum der Pflanzenwelt des 15. und 16. Jahrhunderts sowohl in christlichen Darstellungen als auch in mythologischen Szenen, Porträts und natürlich Stillleben abbilden.

Etwas verwundert stellt man beim Lesen dieser Publikation über die »Blumen der Renaissance« fest, dass auch Kunstwerke aus dem Zeitalter des Barock einen breiten Platz einnehmen. So sind Künstler wie Peter Paul Rubens, Anton van Dyck, Pieter Claesz. oder Pieter Geritsz. van Roestraten mit Werken, deren Entstehung bis ins späte 17. Jahrhundert reicht, unter die frühen Meister gemischt.

Der Verzicht auf Fußnoten, Quellenverweise und weiterführende Literaturangaben macht deutlich, dass sich Celia Fisher mit ihrer Publikation keineswegs an eine wissenschaftliche Leserschaft richtet. Ihr farbenprächtiger, zum genussvollen Stöbern und Entdecken hervorragend geeigneter Bildband ist vielmehr auf ein breites Publikum ausgerichtet und entblättert diesem den ästhetischen Reiz blütenreicher Kunst in visuell bester Weise.