Buchrezensionen, Rezensionen

Langer, Pavla, Pataki, Zita Á., Pöpper, Th. (Hrsg.): Max Klinger. Wege zur Neubewertung. Schriften des Freundeskreises Max Klinger e. V. Leipzig: Plöttner Verlag 2008

Wissenschaftlicher Höhepunkt der Feierlichkeiten anlässlich des 150. Geburtstags Max Klingers im Jahr 2007 war die Tagung „Max Klinger – Wege zur Neubewertung“ in dessen Heimatstadt Leipzig. Die zentralen Beiträge dieser Tagung versammelt jetzt der erste Band der Schriften des Freundeskreises Max Klinger e. V. und dokumentiert damit zugleich den aktuellen Stand der Klinger-Forschung. Unsere Rezensentin Katharina Glanz gibt einen Einblick in den Tagungsband.

Der Band versucht, an die  Tendenzen der Wertschöpfung und Forschung anzuknüpfen und der methodischen Breite möglicher Ansätze Rechung zu tragen, so dass eine Reihe neuer Aspekte zu Künstler und Werk zur Sprache kommen. Dabei kann die Publikation als Komplement zum Katalog der Leipziger Ausstellung „Eine Liebe: Max Klinger und die Folgen“ gesehen werden, der zahlreiche Relationen von Klingers Werk zu dem anderer Künstler herausstellte.
Der Tagungsband eröffnet mit einleitenden Informationen samt einem knappen Literaturüberblick und widmet sich dann verschiedenen Einzelthemen. So beschäftigt sich ein Beitrag mit dem Problem des Verhältnisses von Naturalismus, Idealismus und Innerer Wahrheit im Werk Klingers. Der Analyse der Werkgruppe der Monumentalgemälde Klingers stehen verschiedene Untersuchungen zu Einzelwerken, so zu Klingers letztem und bislang von der Forschung wenig beachteten, großangelegten Grafikzyklus „Zelt“ oder zur bekannten „Beethoven“-Skulptur gegenüber. Hierbei wird deutlich, wie sehr der als Grafiker gerühmte Klinger um eine Anerkennung als Maler ringen musste. Im Blickpunkt weiterer Beiträge stehen Max Klingers Kontakte zum Lyriker Richard Dehmel, der sich in seinen Dichtungen ähnlicher szenischer Techniken bediente, die durchaus als Parallelen zu Klingers Zyklen gesehen werden können, oder zu Alfred Lichtwark, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, der unbeirrt von aller Kritik zu den wichtigsten Förderern des Künstlers avancierte und den Künstler insbesondere wegen seiner Modernität und originellen Phantastik schätzte. Ein weiterer Aufsatz widmet sich Klingers grafischen Texturen im Medienkontext der Jahrhundertwende und zeigt Parallelen zwischen den Gestaltungsmitteln der grafischen Blätter und den Gestaltungstechniken der Fotografie auf, wobei bilanzierend festgehalten wird, dass Klinger das zeitgenössische Unschärfephänomen wohlkalkuliert verwendete, dass aber auch die Rezipienten lernten, verschiedene Texturphänomene einfühlsam oder spielerisch nachzuvollziehen. Weitere Beiträge verfolgen die Frage, welchen Einfluss Hypnosepraktiken in Klingers Arbeiten hinterließen, untersuchen die Bedeutung der Fotografie für Klinger, der dieses Medium für die Veröffentlichung und Verbreitung seines Werkes von Anfang an einsetzte, widmen sich Klingers Verhältnis zum Torso-Motiv in der Bildhauerkunst und gehen homoerotischen Tendenzen in Klingers Werken nach. Eine Betrachtung des Bildthemas Fantasie nimmt die künstlerischen Anfänge von Max Klinger in den Blick. Ein weiterer Aufsatz informiert über den Stand und die Ziele des großangelegten Editionsprojekts der Briefe Klingers. Ergänzt wird der Sammelband durch die Quellensichtung und erstmalige Publikation von Klingers Testamenten sowie von einer umfangreichen, erstmalig nach Vollständigkeit strebenden Bibliografie zum Künstler.