Kunstbücher für junge Leser, Buchrezensionen

Franz & Mary. Bei Stucks zu Hause, Sieveking Verlag 2018

2018 feiert die Villa Stuck ihren 50sten Geburtstag als Museum. Beschenkt werden dabei nun Besucher, Freunde und alle, die Spaß an Wissensvermittlung haben – mit einem Mitmachbuch. Stefanie Handke hat das innere Kind in sich entdeckt und es ausprobiert.

Zweifellos, der Einband macht bereits einiges her: Bronzefarben mit schwarz-weißem Design und vor der Villa Stuck stehen ein aufgeräumt dreinblickender Franz von Stuck und seine fröhliche Frau Mary. Und auf dem Dach tanzt ein Pan, auf der Erde krakelt ein kleiner Hund herum. Das macht Laune auf mehr, denn scheinbar haben es sich die Macher des Buches – neben Illustratorin Ulrike Steinke die Kinderbuchautorin Anne Maar, Kunsthistorikerin Johanna Berüter und Der Direktor der Villa Stuck, Michael Buhrs – auf die Fahnen geschrieben Ästhetik und Spiel zu verbinden.

Ästhetisch ist das Buch in jedem Fall. Steinkes Zeichnungen schaffen den Spagat zwischen Kindlichkeit und der Nähe zu den historischen Vorbildern. Dabei wirkt das ganze keineswegs aufgesetzt, sondern natürlich und macht Freude beim Ansehen. Und das nicht nur Kindern, auch Erwachsenen, so wie es sich Michael Buhrs im Vorwort ausdrücklich wünscht.

Gleichzeitig gelingt es den Autorinnen und der Illustratorin viel Wissen zu vermitteln, etwa in einem Gespräch zwischen Franz und Mary von Stuck über den Entwurf der »neuen« Villa, mit einem Stadtplan oder einem Comic über das Leben der beiden.

Die Villa Stuck wurde 1897/98 erbaut, der Entwurf stammte vom Künstlerfürsten selbst. Im Grunde handelt es sich bei dem Haus um ein großes Gesamtkunstwerk, das von Stucks Sinn für Ästhetik und Kunst im Allgemeinen inszeniert: die prächtige Fassade zitiert eifrig antike Motive samt Säulengang und Relief, und die Speerschleudernde Amazone vor dem Eingang stimmt den Besucher auf das Innere ein. Auch hier verbinden sich Jugendstil und Klassizismus eng miteinander: Manche Räume gemahnen sehr an ihre antiken Vorbilder, es gibt Kassettendecken und Mosaiken, immer wieder begegnen an den Wänden und auf Säulen antike Tänzer, Sänger, Sportler, usw.

Die Villa Stuck verbindet diese eigensinnige Rauminszenierung mit luxuriösem Wohnambiente und natürlich auch Arbeitsatmosphäre. Franz von Stucks Atelier war ganz im Stile eines Festsaals gehalten und bot viel Platz für die Arbeit des Künstlers. Das Buch illustriert seine Arbeit hier mit Fotografien seiner Modelle aus der Familie und aus der Kunst- und Kulturszene Münchens. Dabei zeichnet es sich durch eine Mischung aus historischen Fotografien und Illustrationen Steinkes aus, verleiht der Darstellung der Villa so Lebendigkeit.

Natürlich bleibt es nicht dabei: Es gibt Ausmalseiten, auf denen man einer antiken Bronze eine Kriegsbemalung verpassen kann, Labyrinthe und ein Sudoku, aber auch Rätsel oder Suchbilder. Diese richten sich dabei nicht nur an Kinder – diese werden wohl am meisten Spaß am Ausmalen oder an der Medusa-Maske zum Ausschneiden haben –, sondern auch an größere Spielbegeisterte, zum Beispiel das Instrumenten-Sudoku, für das man schon ein wenig zeichnerisches Geschick benötigt. Ob da kleinere Kinder unter zehn Jahren wirklich ohne Anleitung das Buch nutzen können, ist fraglich. So ist es wohl eher wirklich ein Buch zum gemeinsamen Lesen, Spielen und Entdecken. Auch das ist aber kein Manko, bringt es doch auf diese Weise gemeinsame Freude.

Fazit: Die wirklich schöne Aufmachung macht das Buch zu einem Erlebnis, ebenso erfreuen die gut geschriebenen, kindgerechten, aber nicht langweiligen Texte. Ein kleines Manko ist, dass Ausschneidebögen ins Buch eingebunden sind und man, so man diese nutzen möchte, andere Inhalte zerschneidet. Hier muss dann der geneigte Leser, sofern er das Buch vollständig erhalten will, kopieren oder abzeichnen. Das bleibt aber jedem selbst überlassen. Insgesamt ermöglicht das Buch einen wunderbaren Blick in die 120 Jahre alte Villa und die Lebenswelt der Stucks.